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Fintech : Berliner Start-up Mambu mutiert zum Einhorn

Viele Frankfurter Banken steuern ihre Daten in die Cloud. Bild: dpa

Der Banksoftwareanbieter erhält frisches Kapital von namhaften Investoren wie TCV. Die Unternehmensbewertung lässt Mambu in einen illustren Kreis an Fintechs aufrücken.

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          Das lange nur in Fachkreisen bekannte Berliner Start-up Mambu reiht sich in den illustren Kreis der Einhörner ein. So nennt man junge Unternehmen mit einem Wert von mehr als 1Milliarde Dollar. Unter den deutschen Finanztechnikunternehmen zählen kaum mehr als die Neobanken N26 und Deposit Solution, der Kartenterminalanbieter Sum-Up sowie die Vergleichsplattform Check24 und der Finanzplattformbetreiber Hypoport dazu.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Und seit Donnerstag auch mit einem deutlichen Sprung nach vorn eben Mambu: Denn der Anbieter von Cloud-fähiger Bankensoftware erhielt von Investoren 110 Millionen Euro Eigenkapital. Im Gegenzug bekamen Mambus Investoren Anteile an dem Start-up auf Basis einer Unternehmensbewertung von 1,7 Milliarden Euro, wie Mambu mitteilte.

          Hauptkapitalgeber TCV

          Nicht nur die Bewertung kommt für das junge Unternehmen einem Ritterschlag gleich, auch Mambus Investoren sprechen für sich: Der Hauptkapitalgeber der Finanzierungsrunde, der Wagniskapitalgeber TCV aus dem Silicon Valley, bewies zumindest in der Vergangenheit einen guten Riecher. TCV ist auch an den Unternehmen Netflix, Airbnb, Peloton, Spotify, Relex und World-Remit sowie in Deutschland an Flixbus und Brillen.de beteiligt. Weitere neue Geldgeber an Mambu sind Tiger Global, Arena Holding und FT Partners sowie die bestehenden Investoren Bessemer, Runa und Acton Capital.

          Gründer kennen sich von der Uni  Pittsburgh

          Mambu wurde 2011 von dem Deutschen Frederik Pfisterer und dem Kanadier Eugene Danilkis gegründet. Die beiden haben sich an der Carnegie Mellon University von Pittsburgh kennengelernt. Die beiden Ingenieure erkannten den Trend, dass Unternehmen mehr und mehr Daten und Rechenkapazitäten in der Cloud speichern und dafür auch von überall über das Internet nutzbare Software mieten wollen. Der in der IT oft rückständigen Bankenindustrie bot Mambu zunächst Softwaredienstleistungen für Mikrofinanzierungen an; die ersten Kunden dafür kamen aus Mexiko und anderen Ländern Lateinamerikas und Afrikas, wo Banken mangels Filialen besonders schnell auf das Smartphone („Mobile Banking“) setzten.

          Seither hat Mambu immer mehr Softwarelösungen für Banken entwickelt, darunter viele Kernbanklösungen. Daher nutzen inzwischen Neobanken in Deutschland wie N26 und Check24 sowie in Europa etablierte Häuser wie die holländische Bank ABN Amro, die spanische Santander und die finnische Ferratum Mambus Kernbanklösungen.

          Rasantes Mitarbeiterwachstum

          Mit dem neuen Investment-Kapital werde Mambu sein schnelles Wachstum, das im vergangenen Jahr etwa 100 Prozent betragen habe, weiter vorantreiben. Mögliche neue Kunden seien sowohl Fintechs, die ihre Software erst aufbauen müssen, als auch etablierte Finanzhäuser, die ihre IT-Lösungen auf Mambus Kernbanksoftware „migrieren“ wollen. Derzeit sei das Fintech in mehr als 50 Ländern präsent. Der Wachstumsfokus liege nun auf Märkten wie Brasilien, Japan und den Vereinigten Staaten. Bis 2022 hat sich Mambus Geschäftsführung das Ziel gesteckt, die Zahl der Mitarbeiter von heute knapp 500 auf mehr als 1000 zu verdoppeln. Ende 2019 beschäftigte Mambu noch weniger als 40 Mitarbeiter.

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