https://www.faz.net/-gqe-tltw

Finanzstabilitätsbericht : Bundesbank besorgt über Praktiken von Private Equity

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Deutsche Bundesbank sieht in den Geschäftspraktiken der Beteiligungsunternehmen zunehmende Risiken für die finanzierenden Banken. Generell hat sich das deutsche Finanzsystem aber gefestigt.

          2 Min.

          Die Deutsche Bundesbank sieht in den Geschäftspraktiken der Beteiligungsunternehmen (Private Equity) zunehmende Risiken für die finanzierenden Banken. Die Beteiligungsunternehmen bürdeten den von ihnen übernommenen Unternehmen immer größere Schuldenlasten auf, schreibt die Bundesbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht 2006. „Die Schulden machen die betroffenen Unternehmen verwundbarer, insbesondere gegen steigende Zinsen“, sagte Edgar Meister vom Vorstand der Bundesbank bei der Vorstellung des Berichts. Letztlich könne das auch auf die Gläubiger-Banken durchschlagen.

          Im großen und ganzen sieht die Bundesbank die Entwicklung allerdings entspannt: „Die Bundesbank kommt zu dem Ergebnis, daß sich die Stabilität des deutschen Finanzsystems weiter verbessert hat“, resümierte Bundesbankvorstandsmitglied Hermann Remsperger. „Die Banken haben ihre Risikotragfähigkeit merklich erhöht. Auch die Versicherungsunternehmen konnten ihre Finanzkraft stärken.“ Remsperger erklärte dies unter anderem damit, daß sich die Ertragslage der deutschen Banken merklich verbessert habe. So habe das deutsche Bankensystem seine Eigenkapitalrentabilität vor Steuern von 0,7 Prozent im Jahre 2003 über 4,2 Prozent in 2004 auf 12,7 Prozent im vergangenen Jahr gesteigert. Auch viele andere Kennziffern für die Finanzkraft des Kreditgewerbes hätten sich deutlich verbessert.

          „Ausdruck einer Überhitzung“

          Zur deutschen Versicherungswirtschaft schreibt die Bundesbank, die Branche befinde sich in einem Umbruch. Insgesamt biete die Branche derzeit weiterhin ein solides Gesamtbild mit einer gestärkten Finanzkraft. Doch dürften der scharfe Wettbewerb, die Einführung der neuen Rechnungslegungsstandards sowie der für 2010 geplante Risikokapitalstandard „Solvency II“ zu einer Erhöhung des Konsolidierungsdrucks führen - insbesondere bei kleinen und mittelgroßen Versicherern.

          Laut Bundesbank sind sowohl die Zahl der kreditfinanzierten Unternehmensübernahmen durch Beteiligungsgesellschaften - sogenannte Leveraged Buyouts (LBOs) - als auch die dazu gewährten Kredite zuletzt auf Rekordhöhen gestiegen (siehe Graphik). Dabei sei eine merkliche Zunahme des „Kredithebels“ zu beobachten, also ein zunehmendes Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital. Dies dürfte „als Ausdruck einer Überhitzung zu werten sein“, heißt es in dem Bericht.

          Einfluß der Hedgefonds wächst

          In die gleiche Richtung deute, daß sogenannte Rekapitalisierungen eine immer größere Rolle spielten. So wird in der Branche schönfärbend umschrieben, wenn Beteiligungsgesellschaften die von ihnen kontrollierten Unternehmen zusätzliche Kredite aufnehmen lassen, die dann als Sonderdividenden an die neuen Eigentümer ausgeschüttet werden - „zum Teil gleich mehrfach binnen kurzer Frist“, wie die Bundesbank schreibt. Im ersten Halbjahr 2006 hätten LBO-Investoren in Europa mittels Rekapitalisierungen im Durchschnitt binnen knapp zwei Jahren 86 Prozent ihres eingesetzten Eigenkapitals wieder herausgezogen, zitiert die Bundesbank einen Bericht der Ratingagentur Fitch.

          Mit einiger Sorge beobachtet die Bundesbank auch den wachsenden Einfluß der Hedgefonds auf vielen Finanzmärkten. Bei Kreditderivaten - einem Finanzinstrument mit sehr hohen Zuwachsraten - hätten sie einen Marktanteil von 58 Prozent. Hedgefonds könnten die Marktdynamik, also zum Beispiel einen plötzlichen Preisverfall, verstärken, heißt es in dem Bericht. Angesichts dieser Risiken wäre wünschenswert, wenn sich die Branche selbst einen Verhaltenskodex auferlegte, wiederholt die Bundesbank eine frühere Anregung. In diesem Kodex sollte es vor allem auch ambitionierte Regeln zur Transparenz geben.

          Als potentielle Gefahr führt der Bericht zudem die globalen Ungleichgewichte an. „An den Devisenmärkten besteht angesichts des beträchtlichen Defizits in der amerikanischen Leistungsbilanz weiterhin das Risiko einer Dollar-Korrektur und von Friktionen im globalen Wechselkursgefüge“, warnen die Währungshüter vor möglichen künftigen Turbulenzen an den Devisenmärkten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Amerikanische Linke : Selbst ernannte „Drecksäcke“

          Alles oder nichts: Wird ihr Favorit Bernie Sanders nicht Präsidentschaftskandidat, wollen linke Anhänger der Demokraten nicht zur Wahl gehen. Auch wenn Trump dadurch im Amt bleibt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.