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Finanzskandal in Wien : Letzter Akt im Trauerspiel am Burgtheater

Das Burgtheater in Wien, aufgenommen am 05.10.2012 Bild: dpa

Der geschasste Intendant Matthias Hartmann schließt einen Vergleich mit dem Wiener Burgtheater. Nach dem Schuldendesaster an der größten deutschsprachigen Sprechbühne sind alle Verantwortlichen weich gefallen – bis auf eine Person.

          Der schillerndste und größte Finanzskandal in der Nachkriegsgeschichte des deutschsprachigen Theaters ist für den berühmtesten Beteiligten glimpflich ausgegangen. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schließt das Wiener Burgtheater – eine der angesehensten Bühnen der Welt – an diesem Freitagmorgen einen Vergleich mit seinem ehemaligen künstlerischen Geschäftsführer, dem einst bejubelte Direktor und „Burg-Intendanten“ Matthias Hartmann. Die Vereinbarungen legen alle Rechtsstreitigkeiten und Ansprüche zwischen den Parteien bei.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Die Absprachen bilden den vorläufigen Endpunkt in einem wirtschaftlichen, politischen und künstlerischen Husarenstück, welches das österreichische Nationaltheater und die Kulturpolitik des Landes seit Ende 2013 in eine tiefe Krise gestürzt hatte.

          Aufgrund fehlerhafter Abschreibungen, unzulänglicher Buchführung, der Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben sowie anderer krimineller Handlungen waren im zweitältesten europäischen und größten deutschsprachigen Theater Verluste von geschätzten 21,2 Millionen Euro aufgelaufen. Diese Summe entspricht fast dem doppelten Umsatz der zurückliegenden Spielzeit 2016/17 von 12,2 Millionen Euro. Selbst die Bilanzsumme ist mit 29,7 Millionen Euro nicht viel höher.

          Bis zu zehn Jahre Haft

          Die Karteneinnahmen, Sponsorengelder oder Gastspielgebühren reichen für den Betrieb bei weitem nicht aus, weshalb die öffentliche Hand stets Steuergeld zuschießen muss. 2016/17 waren das 48,4 Millionen Euro, obgleich 390.000 zahlende Besucher zu den 815 Vorstellungen strömten.

          Trotz der hohen staatlichen Zuwendungen gab „die Burg“ in ihren Krisenjahren viel mehr Geld aus, als sie einnahm und versteckte die immer größer werdenden Fehlbeträge in der Bilanz. Als das aufflog, wurden Hartmann und seine Kollegin in der Chefetage entlassen, die kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky. Diese ist nicht direkt an dem jetzt geschlossene Vergleich beteiligt, auch strafrechtlich muss sie sich weiter verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat ihr in dieser Woche eine Anklageschrift wegen Untreue, Veruntreuung und unrichtiger Bilanzierung zugestellt. Nach Angaben österreichischer Medien drohen Stantejsky, die schon früher ein Teilgeständnis abgelegt habe, bis zu zehn Jahre Haft.

          Der ehemalige Intendant des Wiener Burgtheaters, Matthias Hartmann, bei einer Pressekonferenz im Februar 2014 in Wien

          Die drei Vergleichsvereinbarungen zwischen Hartmann, der Burg und der zuständigen Organhaftpflichtversicherung sehen indes Folgendes vor: Das Unternehmen Wiener Städtische, bei dem alle Führungskräfte und Organe der so genannten Bundestheater-Holding versichert sind, zahlt über ihre D&O-Managerversicherung 450.000 Euro an das Burgtheater und 355.000 Euro an Matthias Hartmann. Grundlage ist die Annahme, dass aus dem Versichertenkreis der Holding heraus den beiden Parteien Schäden zugefügt wurden, welche die Assekuranz nun ersetzt.

          Steuerhinterziehung, Untreue, Bilanzfälschung und anderes

          Hartmann erhält überdies Pensionsansprüche über 150.000 Euro zugesagt, für die das Burgtheater schon eingezahlt hat, sowie 70.000 Euro aus einer früheren Gage. Wie verlautet, fließen dem Burgtheater weitere 500.000 Euro aus einem separaten Vergleich mit der Beratungsgesellschaft PWC zu, welche frühere Jahresabschlüsse der Burg nicht ordnungsgemäß geprüft haben soll.

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