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Finanzskandal in Wien : Letzter Akt im Trauerspiel am Burgtheater

Nach Einstellung aller weiteren Ermittlungen dürfte nie geklärt werden, ob Stantejsky wirklich allein in ihrem Wissen um die unsauberen Machenschaften war. Unklar ist auch, warum sie nicht besser kontrolliert wurde: von den anderen Direktoren wie Drozda, Hartmann, von dessen Vorgänger Klaus Bachler oder von der Geschäftsführung der Bundestheater-Holding. Deren Chef, der Kulturmanager Georg Springer, trat im Juni 2014 immerhin zurück.

Konservativen Kreisen stößt besonders übel auf, dass der Sozialdemokrat Drozda stets gegen Sozialbetrug und Steuerhinterziehung wettere, im Burgtheater aber nicht dagegen eingeschritten sei. Dabei geht es unter anderem um den Vorwurf, dass das Unternehmen schon zu Drozdas Zeiten die Steuern für ausländische (vor allem deutsche) Künstler nicht ordnungsgemäß abgeführt oder alternativ auf die Vorlage von Wohnsitzbescheinigungen der Finanzämter in den Heimatländern bestanden habe.

Übrig bleibt ein Bauernopfer

Drozda ließ gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ erklären, dass ihm die Rechtslage für das ordnungsgemäße Verfahren bekannt gewesen sei. Die Sache habe aber nicht in seinen Händen gelegen, sondern in denen der zuständigen Fachabteilung. Bei der Steuerprüfung habe es keinerlei Beanstandungen gegeben. Auch im Rechnungshofbericht seien keine Verfehlungen seinerseits festgestellt worden.

Eine andere Vorhaltung betrifft schwarze Kassen, aus denen Künstler neben ihren offiziellen Honorarvereinbarungen Bargeld erhalten haben sollen. Solche oder andere nichtvertraglich gedeckte Zahlungen hat Drozda nach eigenen Angaben nie genehmigt. Dem Vernehmen nach sollen über die Bargeldkassen und ein gesondertes Verrechnungskonto Gagen ohne Quittung ausgezahlt worden sein. Vor dem Jahresabschluss und den Bilanzprüfungen habe die Geschäftsführung diese Belege dann nachträglich beigebracht oder extra ausgestellt.

Dazu gibt Drozda an, dergleichen sei während seiner Tätigkeit „zu keinem Zeitpunkt Thema“ gewesen. Falls es diese Praxis gab, hätte sie „auf jeden Fall von Wirtschaftsprüfern im Rahmen der Bilanzierung gegenüber der Geschäftsführung aufgezeigt und beanstandet werden müssen.“

Nicht zu bestreiten ist indes, dass die Wirtschaftsprüfer von KPMG, die PWC ablösten, im Januar und April 2014 dem Finanzamt Wien sogenannte Offenlegungen früherer und aktueller Führungskräfte des Burgtheaters zuschickten. Diese Schreiben dienten der Selbstanzeige wegen nicht oder unzureichend gezahlter Steuern und Sozialbeiträge.

Die Offenlegung erfolgte für Stantejsky und daneben „vorsorglich“ auch für Drozda, Hartmann sowie Bachler. Zu den beiden Letztgenannten heißt es, die Geschäftsführung sehe eine „klare Rollenverteilung“ vor, wonach die Intendanten lediglich „für künstlerische Agenden wie Programmplanung und Besetzungsfragen“ zuständig seien. Indes trügen die kaufmännischen Geschäftsführer die Verantwortung „für sämtliche Finanzagenden“.

So wie es derzeit aussieht, wird nur eine der zahlreichen Beteiligten an dem Skandal um das Wiener Burgtheater zur Rechenschaft gezogen, Silvia Stantejsky. Vielen in Wien gilt die Dreiundsechzigjährige, die lange als „Mutter“ oder „Seele“ der Burg gefeiert wurde, als Bauernopfer. Was stimmt, ist dies: Alle anderen früheren Größen des Theaters sind weich gefallen – spätestens mit dem heutigen Vergleich.

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