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Finanzskandal in Wien : Letzter Akt im Trauerspiel am Burgtheater

Hartmann war im März 2014 nach viereinhalb Jahren im Amt vom damaligen Kulturminister Josef Ostermayer entlassen worden. Als Grund wurden zwei Rechtsgutachten genannt, denen zufolge Hartmann mitverantwortlich für finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Burg gewesen sei. Die Vorwürfe lauteten auf Steuerhinterziehung, Untreue, Bilanzfälschung und anderes.

Im Dezember 2017 ließ jedoch die Zentrale Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen und Korruption die meisten Anschuldigungen fallen. Vor zwei Wochen stellte sie auch das letzte Verfahren gegen Hartmann wegen möglicher Abgabenhinterziehung ein.

Hartmanns Forderung: 2 Millionen Euro

Der 55 Jahre alte Niedersachse ist jetzt sowohl straf- als auch zivilrechtlich aus dem Schneider – und wohl auch finanziell: Schon bald bald nach seiner Entlassung fand er eine Anstellung als Künstlerischer Leiter im Red Bull Media House. Dieses Unterhaltungsunternehmen gehört zum gleichnamigen Getränkehersteller und betreibt unter anderem den Fernsehsender Servus TV.

Aus Hartmanns Umfeld heißt es, trotz des Vergleichs blieben immaterielle Schäden zurück, etwa Karrierenachteile und Imageeinbußen. Doch immerhin sehen die Papiere vor, dass die fristlose Kündigung von 2014 nachträglich in eine einvernehmliche Beendigung der Anstellung geändert wird. Dadurch habe Hartmann Ansprüche auf entgangene Honorare, Urlaubsgeld und ähnliches. Diese werden mit den 355.000 Euro abgegolten. Seine Anwaltskosten trägt die D&O-Versicherung.

Insgesamt hatte Hartmann für die Erfüllung seiner eigentlich bis 2019 laufenden Verträge im Burgtheater 2 Millionen Euro gefordert. Eine entsprechende Klage vor dem Arbeits- und Sozialgericht wegen ungerechtfertigter Entlassung und Schadensersatz ist mit dem Vergleich vom Tisch. Das Burgtheater wiederum hatte seine Schäden zunächst auf knapp 2,5 Millionen Euro beziffert.

Personalrochade

Die „Causa Burgtheater“ gilt als augenfälliges Beispiel dafür, wie eng in Wien Wirtschaft, Politik und Kultur miteinander verflochten sind. So amtierte bis August 2008 Thomas Drozda als kaufmännischer Geschäftsführer in der Burg, ein einflussreicher Politiker der sozialdemokratischen Partei SPÖ. Seine Stellvertreterin war Silvia Stantejsky, die dann 2008 auf seine Empfehlung hin das Spitzenamt von ihm übernahm.

Drozda wiederum wurde 2016 Nachfolger Ostermayers als zuständiger Minister für Kunst und Kultur. Seit seine und Ostermayers Partei, die SPÖ, nicht mehr regiert, sitzt er als Parlamentsabgeordneter im Nationalrat. Im September wurde er zum SPÖ-Bundesgeschäftsführer berufen.

Die ehemalige Burgtheater-Vizedirektorin Silvia Stantejsky im April 2014 in Wien

Ex-Minister Ostermayer, der Hartmann geschasst hat, sitzt heute im Vorstand der gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Sozialbau AG, die der SPÖ nahesteht. Die Mehrheit an dem Unternehmen hält indirekt die Vienna Insurance Group VIG. Sie ist die Muttergesellschaft der Wiener Städtischen, bei der alle Führungskräfte des Burgtheaters sowie der Aufsichtsrat haftpflichtversichert sind. Auch PWC blieb mit der Wiener Kultur im Geschäft, als Wirtschaftsprüfer der Bundesmuseen.

War Stantejsky wirklich alleinige Tätern?

Die Ex-Geschäftsführerin Stantejsky, von der es heißt, sie habe weder ein hohes Einkommen noch ein nennenswertes Vermögen, steht inzwischen recht allein am Pranger. Der Vergleich sieht zwar vor, dass weder Hartmann noch das Theater zivilrechtliche Ansprüche an sie stellen. Doch könnte Stantejsky als einzige der vielen Verantwortlichen in der Burg strafrechtlich belangt werden.

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