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Finanzmarktregulierung : EU will den Markt der Wirtschaftsprüfer aufbrechen

  • -Aktualisiert am

EU-Kommissar Michel Barnier will den Wirtschaftsprüfer stärker auf die Finger schauen Bild: REUTERS

Die EU will das Monopol der vier großen Wirtschaftsprüfungsfirmen knacken. Unternehmen sollen sich ihre Kontrolleure nicht mehr selbst aussuchen dürfen. Vorgeschlagen wird eine regelmäßige Rotation der Abschlussprüfer.

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          Die EU-Kommission will den Markt der Wirtschaftsprüfer aufbrechen und den Berufsstand strengeren Regeln unterwerfen. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier legte am Mittwoch in Brüssel ein Diskussionspapier („Grünbuch“) mit einem Katalog weitreichender Vorschläge vor. Angeregt wird darin unter anderem, dass die geprüften Unternehmen ihre Kontrolleure nicht mehr selbst aussuchen dürfen. Stattdessen soll eine unabhängige Instanz - etwa eine staatliche Regulierungsbehörde - die Prüfaufträge vergeben; sie soll auch das Honorar dafür festsetzen.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Vorgeschlagen wird außerdem eine regelmäßige Rotation der jeweiligen Abschlussprüfer. Die Brüsseler Wettbewerbshüter wollen dadurch die Unabhängigkeit der Bilanzkontrolleure von ihren Kunden stärken. Zu diesem Zweck wird auch überlegt, Prüfern Beratungsleistungen bei einem Kunden, den sie selbst überwachen, vollständig zu verbieten. Zudem wird erwogen, reine Prüfungsfirmen zu schaffen, denen jede andere Form von Dienstleistung - etwa in der Steuerberatung - untersagt wäre. In Frage gestellt wird zudem das bisherige Organisationsmodell der Prüfungsgesellschaften, um auch kleineren Prüferfirmen die Aufnahme von Kapital zu erleichtern.

          Die Wirtschaftsprüfer hätten die Finanzkrise nicht vorhergesehen

          Zugleich will die EU das Monopol der vier großen Prüfkonzerne („Big Four“) knacken. Gedacht wird zu diesem Zweck daran, Doppelprüfungen durch zwei unterschiedlich große Prüfungsgesellschaften vorzuschreiben. Um den Wettbewerb „anzuheizen“, sollen sogar Auslaufpläne - ähnlich den „Bankentestamenten“ - für eine geordnete Abwicklung systemrelevanter Prüfungsgesellschaften entwickelt werden.

          Barnier sagte in Brüssel, auch die Wirtschaftsprüfer hätten die Finanzkrise nicht vorhergesehen. Der Status Quo lasse sich auf keinen Fall aufrechterhalten, er werde deshalb im kommenden Jahr einen Gesetzesvorschlag vorlegen. Das Grünbuch habe den Zweck zu klären, was in diesem Gesetz stehen solle, er wolle den Inhalt nicht präjudizieren. „Klar ist aber: Wir brauchen keine Deregulierung, wir brauchen mehr Regeln.“

          Ein Konkurs wäre „vergleichbar mit der Lehman-Pleite“

          Barnier richtet sein Augenmerk vor allem auf die „oligopolistische“ Struktur des Prüfermarktes. Die „Big Four“ hätten in der EU einen Marktanteil von 70 Prozent. Sie seien damit alle systemrelevant. Ein Konkurs einer der vier Gesellschaften wäre „vergleichbar mit der Lehman-Pleite“, sagte der französische Kommissar.

          Seine Kritik an der jetzigen Marktstruktur verknüpfte er mit dem Wunsch, dieser Markt müsse „europäischer“ werden. „Wir müssen dem Markt der Wirtschaftsprüfer mehr Luft und mehr Sauerstoff verschaffen, und wir müssen ihn europäischer machen.“ Der Vorsitzende des Rechtsausschusses im Europaparlament, Klaus-Heiner Lehne (CDU), lobte das Grünbuch im Grundsatz. „Rotation, europäische Aufsicht und ein EU-einheitliches Beratungsverbot zum Beispiel erscheinen mir auf den ersten Blick sinnvoll“, sagte er. „Dass allerdings eine Regulierungsbehörde den Prüfer bestellen und den Prüfungsauftrag erteilen soll, erscheint mir jetzt schon sehr weit hergeholt.“

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