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Finanzmarkt : Steinbrück und Koch machen sich für Börse in Frankfurt stark

  • Aktualisiert am

Ziehen an einem Strang - und in die gleiche Richtung: Steinbrück und Koch Bild: AP

Die angestrebte Fusion der Deutschen Börse mit der französisch dominierten Vierländerbörse Euronext entwickelt sich zusehends zum Politikum. Finanzminister Steinbrück (SPD) und Hessens Ministerpräsident Koch (CDU) dringen auf die Wahrung deutscher Interessen.

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          Im deutsch-französischen Börsenstreit hat sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) für den Standort Frankfurt stark gemacht. Damit erteilte er auch Bestrebungen eine Absage, die Zentrale einer fusionierten Börse bei einem möglichen Zusammenschluß von Deutscher Börse und Euronext in Paris anzusiedeln. „Der Finanzplatz Frankfurt hat für uns entscheidende Bedeutung.“ sagte Steinbrück am Donnerstag. Das Geschäftsmodell der Deutschen Börse sei erfolgreich.

          Der Finanzminister reagierte damit auf einen Brief des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU). Koch hatte vor dem Treffen der Euro-Gruppe und der EU-Finanzminister in Brüssel Steinbrück aufgefordert, im Poker um die Börsenfusion hart zu bleiben und die Interessen des Finanzplatzes Frankfurt zu verteidigen. „Eine Fusion zwischen Deutscher Börse AG und der französisch dominierten Vierländerbörse Euronext ist aus Sicht der Landesregierung zwar grundsätzlich eine denkbare Option“, heißt es in dem Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Eine wesentliche Bedingung sei aber, dass der Börsenstandort Frankfurt sowie die Geschäftsbereiche und Arbeitsplätze „in vollem Umfang“ gesichert blieben.

          „Marktkapitalisierung muß berücksichtigt werden“

          Vor dem Treffen der Euro-Gruppe verwies Steinbrück auf die Größenunterschiede beider Handelsplätze. „Die Marktkapitalisierung der Deutschen Börse AG muß bei einer möglichen Fusion berücksichtigt werden - bei Standort- und Personalfragen.“

          Die Deutsche Börse und die französisch dominierte Mehr-Länderbörse Euronext wollen zum größten europäischen Handelsplatz aufsteigen vor dem Londoner Konkurrenten LSE. An der Euronext sind die Handelsplätze Paris, Amsterdam, Brüssel sowie Lissabon beteiligt. Die Deutsche Börse in Frankfurt ist wegen ihres integrierten Geschäftsmodells fast doppelt so groß wie Euronext.

          Hintergrund des Appells sind Äußerungen des französischen Finanzministers Thierry Breton, der das Geschäftsmodell der Deutschen Börse kritisiert hatte. Er hatte gefordert, die Zentrale der fusionierten Börse in Paris anzusiedeln. Die Deutschen müssten sich bei einer Fusion von ihrer ertragreichen Wertpapierabwicklungstochter Clearstream trennen. Euronext äußerte sich zuletzt reserviert. Für einen Zusammenschluss sei es „zu früh“, es würden Optionen geprüft.

          Die mögliche Fusion gewinnt auch deshalb an Bedeutung, weil die amerikanischen Börsen NYSE und Nasdaq versuchen, bei der Konsolidierung in Europa stärker mitzuspielen. Die Technologiebörse Nasdaq ist bei der LSE eingestiegen. Die NYSE könnte ein Euronext-Partner werden.

          „Deutsche Börse ist ein Erfolgsmodell“

          „Die Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft ist sinnvoll und wichtig“, sagte Steinbrück, der nicht an dem Treffen in Brüssel teilnimmt und durch Finanzstaatssekretär Thomas Mirow vertreten wird. Es müßten Börsen geschaffen werden, die für Europa im globalen Wettbewerb mitspielen. „Das Geschäftsmodell der Deutschen Börse ist in Deutschland gewachsen und ein Erfolgsmodell.“ Dennoch plane diese nach eigenen Angaben nicht, ihr Geschäftsmodell im Falle einer Fusion in andere Länder zu exportieren.

          Bei dem Modell der Deutschen Börse sind alle Dienstleistungen rund um den Handel mit Wertpapieren zusammengefaßt - Clearing (Verrechnung), Settlement (Abwicklung) und Handel. Euronext verfügt nicht darüber. Dies dürfte der Grund für den Vorstoß von Breton sein, Clearing und Settlement vom Handel zu trennen. Dann wären der Pariser und Frankfurter Handelsplatz vom Volumen her auf gleicher Augenhöhe und damit die Position Frankreichs gestärkt.

          Frankreich hatte vorgeschlagen, über eine EU-Verordnung das französische Börsenmodell für verbindlich zu erklären. Darüber dürfte auch beim Treffen der EU-Finanzminister in Brüssel gesprochen werden.

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