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Finanzkrise : Bund stützt Aareal Bank mit 4,5 Milliarden Euro

Benötigt Hilfe: Aareal Bank Bild: ddp

Aus reiner Vorsicht, so heißt es beim Immobilienfinanzierer Aareal in Wiesbaden, habe man eine Staatsgarantie beantragt. Die Bank sei kerngesund, man wolle sich aber absichern. Das Kapital fließt der Aareal Bank in Form einer stillen Einlage zu. Damit verzichtet der Bund auf Stimmrechte.

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          Zum zweiten Mal muss die Bundesregierung in der Finanzkrise Kapital in eine deutsche Bank einschießen. Nach der Commerzbank Anfang Januar, die insgesamt 18,2 Milliarden Euro bekommen hatte, erhält nun der Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank vom staatlichen Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) eine Kapitalspritze von 525 Millionen Euro. Das Kapital fließt der Aareal Bank in Form einer stillen Einlage zu. Damit verzichtet der Bund auf Stimmrechte, so dass die Anteile der Aktionäre nicht verwässert werden. Dafür erhält der Staat eine Verzinsung, die wie bereits bei der Commerzbank 9 Prozent im Jahr beträgt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Darüber hinaus bürgt der Bund für Schuldtitel der Bank im Volumen von bis zu 4 Milliarden Euro. Dank der Staatsgarantie hat die Aareal Bank wieder bessere Refinanzierungsmöglichkeiten an den Kapitalmärkten. „Wir brauchen kein staatliches Geld zum Überleben“, betonte Wolf Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Aareal Bank, in einer Telefonkonferenz am Sonntagnachmittag. Er verwies auf den im zurückliegenden Geschäftsjahr nach vorläufigen Zahlen erzielten Gewinn: Das Ergebnis vor Steuern belief sich auf 117 Millionen Euro. Selbst im schwierigen vierten Quartal sei ein positives Ergebnis von 11 Millionen Euro erzielt worden, sagte Schumacher.

          „Diese Bank ist kerngesund“

          Das Engagement des Soffin dient seinen Worten zufolge dazu, die Bank gegen die Unabwägbarkeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise zu wappnen. Das zusätzliche Kapital und die Garantien bezeichnete Schumacher als doppelte Versicherung. „Diese Bank ist kerngesund“, unterstrich der Vorstandsvorsitzende. Die Inanspruchnahme der staatlichen Hilfe führte er darauf zurück, dass es schwerer werde, sich zu vertretbaren Konditionen zu refinanzieren. Eigenkapital sei für Banken derzeit auf dem freien Markt nicht zu vertretbaren Preisen verfügbar, fügte Schumacher hinzu. Der Aktienkurs der Aareal Bank ist in den vergangenen zwölf Monaten um 85 Prozent eingebrochen. Schumacher kann sich vorstellen, dass auch andere, „kerngesunde“ Banken den Weg zum Soffin demnächst antreten werden.

          Die Aktionäre der Aareal Bank erhalten für die Geschäftsjahre 2008 und 2009 keine Dividende. Dies begründet die Aareal Bank mit dem Ziel einer zügigen Rückführung der stillen Einlage. Sollte das Institut zu einem späteren Zeitpunkt während der stillen Einlage eine Dividende zahlen, erhöht sich die Verzinsung um 0,5 Prozentpunkte je 0,25 Euro Dividende. Größte Aktionäre der Aareal Bank sind die Bayerische Beamten-Lebensversicherung und die Swiss Life mit jeweils knapp 9 Prozent sowie die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder mit 6,7 Prozent. Sie bilden zusammen mit dem Bankhaus Lampe, dem Deutschen Ring und der Condor Lebensversicherung die Aareal Holding Verwaltungsgesellschaft, die insgesamt 37,2 Prozent kontrolliert. Die Holding hat sich verpflichtet, ihren Aktienbestand für die Dauer der stillen Einlage nicht zu verändern.

          Rettungsschirm soll weiter aufgespannt werden

          Von dem staatlichen Rettungspaket für die Banken, das insgesamt 480 Milliarden Euro umfasst, hat der Soffin schon 196,7 Milliarden Euro zugesagt. Davon entfallen 178 Milliarden Euro auf Garantien. Diese kann der Soffin insgesamt im Ausmaß von 400 Milliarden Euro gewähren, die restlichen 80 Milliarden dienen für Kapitalhilfen und Risikoübernahmen.

          Die Aareal Bank ist im Sommer 2002 aus der Deutschen Pfandbriefbank (Depfa) hervorgegangen. In ihr waren die Immobilienaktivitäten der alten Depfa-Gruppe gebündelt. Aus dem Staatsfinanzierungsbereich ging die Depfa Bank hervor, die aufgrund ihrer riskanten Refinanzierungsstrategie Hauptursache für die aktuellen Probleme der vor der Verstaatlichung stehenden Hypo Real Estate (HRE) ist. Das dafür notwendige Gesetz will die Bundesregierung nächsten Mittwoch auf den Weg bringen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters will die große Koalition die Verstaatlichung von Banken nur für wenige Monate ermöglichen.

          Unter den Bankenrettungsschirm will die Bundesregierung bei Bedarf auch Institute aller Branchen, zum Beispiel die des Einzelhandels, aufnehmen. Sollten Kundenbanken „anderer Wirtschaftsunternehmen Stabilisierungsmaßnahmen beantragen, so werden die zuständigen Ausschüsse auf der Grundlage dieser konkreten Anträge entscheiden“, zitierte der „Spiegel“ aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion. In der Diskussion war bislang lediglich, auch Hilfen für Autobanken aus dem Bankenrettungsfonds zu ermöglichen.

          Die durch die Bundesregierung zur Verfügung gestellten 480 Milliarden Euro zur Rettung des Bankensystems sind inzwischen zu gut einem Viertel beansprucht worden. Nach Angaben des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) liegen derzeit 15 Anträge von Kreditinstituten vor.

          Folgende deutsche Banken und Institutionen wollen das Maßnahmenpaket nutzen bzw. haben bereits Gelder bekommen:

          Hypo Real Estate 52 Milliarden Euro Garantien (bereits gewährt)
          Commerzbank 15 Milliarden Euro Garantien / 18,2 Milliarden Euro Eigenkapital (bereits gewährt)
          HSH Nordbank 30 Milliarden Euro Garantien (bereits gewährt)
          BayernLB 15 Milliarden Euro Garantien (bereits gewährt)
          Sicherungseinrichtungsgesellschaft deutscher Banken (Die SdB bekam die Garantie vom SoFFin, um Kunden der insolventen US-Bank Lehman Brothers in Deutschland zu entschädigen.) 6,7 Milliarden Euro Garantien (bereits gewährt)
          IKB 5 Milliarden Euro Garantien (bereits gewährt)
          Aareal Bank 525 Millionen Euro Eigenkapital 4 Milliarden Euro Garantien
          Volkswagen VW Financial Services und VW Bank laut Kreisen jeweils einstelliger Milliardenbetrag an Garantien (noch in Verhandlung)
          Düsseldorfer Hypothekenbank laut Kreisen kleiner einstelliger Milliardenbetrag an Garantien (noch in Verhandlung)
          WestLB laut Kreisen zweistelliger Milliardenbetrag an Garantien (noch in Verhandlung)

          Zudem haben weitere kleinere Institute um Hilfe gebeten. Ihr Bedarf an Staatskapital liegt Kreisen zufolge deutlich unter dem der genannten Banken, zumeist unter einer Milliarde Euro.

          (Quelle: Reuters)

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