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Finanzinvestoren : Private Equity auf die deutsche Art

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Bild: F.A.Z.

Vom Investitionsziel zum Investor: Deutsche Familienunternehmer steigen ins Private-Equity-Geschäft ein. Der Vorteil: Die Strukturen und Probleme der Mittelständler kennen sie genau - aus eigener Erfahrung.

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          Die deutschen Familienunternehmer wollen Private Equity nicht mehr länger angelsächsischen Investoren überlassen. In den vergangenen Jahren galten hiesige Mittelständler lediglich als Ziel für ausländische Finanzinvestoren. Nun nehmen die Familienunternehmer selbst das Heft in die Hand und investieren in langfristig orientierte deutsche Mittelstandsfonds. Gleich mehrere wurden zuletzt neu aufgelegt. Der prominenteste: der zur Harald-Quandt-Gruppe gehörende Finanzinvestor Equita. „Wir haben 315 Millionen Euro für eine neue Beteiligungsgesellschaft eingeworben“, sagte der Geschäftsführende Gesellschafter von Equita, Michael Hönig, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Der Clou dieses dritten Equita-Fonds: Er hat eine unbegrenzte Laufzeit, ist also kein Fonds im klassischen Sinne. Der Kapitalstock bleibt stets gleich, lediglich die erwirtschaftete Rendite wird als Dividende ausgeschüttet.

          Äußerst bekannte Namen dabei

          Die meisten angelsächsischen Private-Equity-Fonds, die zurzeit regelmäßig mit spektakulär anmutenden Milliardentransaktionen wie dem Kauf der einstigen Linde-Sparte Kion in den Schlagzeilen stehen, behalten ihre Beteiligungen häufig nur zwei bis drei Jahre und werden nicht selten durch das bevorstehende Ende ihrer Fondslaufzeit zum Verkauf gezwungen. Dagegen ermöglicht die Equita-Konstruktion eine langfristige Investition mit Haltezeiten von bis zu zehn Jahren - Private Equity auf die deutsche Art.

          Beteiligungsgesellschaften investieren zumeist außerbörslich in Unternehmen - daher der Name „Private Equity“. Die neue Spezies deutscher Beteiligungsfonds wendet sich an andere Investoren als die klassischen amerikanischen und britischen Beteiligungsgeber. Letztere haben vor allem Versicherer, Pensionsfonds, Stiftungen und Dachfonds als Anleger. „Knapp 60 Prozent unserer Investoren sind Unternehmer und Family Offices“, sagt dagegen Hans Moock, Geschäftsführer von Equita. Welche Unternehmer das sind, darüber hüllt sich Moock in Schweigen. Allerdings sollen äußerst bekannte Namen dabei sein.

          Deutscher Mittelstand chronisch unterfinanziert

          Die im vergangenen Jahr an den Start gegangene Starnberger Buchanan Capital Partners verfolgt ein ähnliches Konzept. Rund die Hälfte haben Unternehmer zu dem 150 Millionen Euro schweren Fonds beigetragen. „Die sagen sich: Ich investiere lieber in starke Unternehmer in einem mir bekannten Markt als in Wagniskapital mit Schwerpunkt Amerika“, hatte Mitgründer Frank Henkelmann die Beweggründe der Investoren beschrieben. Vor kurzem hat Buchanan das erste Unternehmen gekauft, den Neu-Isenburger Logistikspezialisten Time-Matters.

          Beteiligungsgesellschaften wie Buchanan, Equita oder auch Quadriga und ECM, die beide kürzlich ebenfalls neues Kapital eingesammelt haben, wollen vorwiegend mittelständische Unternehmen kaufen. Equita zielt auf Gesellschaften mit einem Umsatz zwischen 50 und 250 Millionen Euro. In diesem Marktsegment klafft nach den Worten von Uwe Fleischhauer von der Beratungsgesellschaft Fleischhauer, Hoyer & Partner immer noch eine große Finanzierungslücke. „Dass bis heute der Durchbruch nicht erfolgt ist, rührt daher, dass deutsche Geschäftsinhaber und Manager oft abgeneigt waren, Firmenanteile an ausländische Finanzinvestoren zu veräußern.“

          Dabei wäre die Nachfrage angesichts der chronischen Unterfinanzierung des deutschen Mittelstands groß: Fleischhauer hat ein Potential von jährlich rund 1000 Unternehmen im Wert von weniger als 250 Millionen Euro ausgemacht.

          Verschuldung begrenzen

          Die deutschen Mittelstandsinvestoren halten ihre Beteiligungen nicht nur länger als ihre amerikanischen Pendants, sie gehen auch weniger aggressiv zu Werke. Während Finanzinvestoren vom Schlage einer Blackstone oder Carlyle die erworbenen Unternehmen schon einmal mit dem Sieben- bis Achtfachen des operativen Ergebnisses verschulden, sind Beteiligungsgesellschaften wie Equita vorsichtiger und begrenzen die Verschuldung auf das Dreieinhalb- bis Fünffache des operativen Gewinns.

          Gerät ein mittelständisches Unternehmen in die Krise, dann machen sich bislang ebenfalls vorwiegend ausländische Restrukturierungsfonds ans Werk. Ausnahmen bilden lediglich die Deutsche Bank und wenige Fonds wie Orlando Capital. Auch das soll sich nun ändern. Mit dem „Caesar Special Opportunities“ drängt eine weitere deutsche Beteiligungsgesellschaft auf den Markt, die für sich ebenfalls eine unternehmerische Strategie beansprucht.

          Mittelstand mit deutschem Geld restrukturieren

          Der bis zu 150 Millionen Euro große Fonds will angeschlagene Mittelständler sanieren. Für diese Art von Fonds scheinen sich deutsche Familienunternehmer freilich nicht allzu sehr begeistern zu können. „Ich verstehe nicht, dass der Mittelstand nicht auch mit deutschem Geld restrukturiert werden kann“, wundert sich ein Beteiligungsmanager.

          Beteiligungsgesellschaften wie Equita und Buchanan schaffen mit den Familienunternehmern eine Art Kreislauf: Sie nutzen auf der einen Seite das Netzwerk der Familieninvestoren, um Ziele für die Übernahmen zu finden. „Unser Investitionsausschuss ist mehrheitlich mit unseren Anlegern besetzt“, sagt Hönig. Und auf der anderen Seite wird aus so manchem Zielunternehmen ein zukünftiger Familieninvestor rekrutiert - etwa wenn der Beteiligungsfonds die Nachfolge löst und die Familie danach ihr Geld außerhalb des Unternehmens anlegen muss.

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