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Nach langem Hin und Her : Finanzinvestoren bieten 3,4 Milliarden Euro für Osram

Zwei Ampeln zeigen vor der Zentrale des Unternehmens Osram grünes Licht. Bild: dpa

Bain Capital und Carlyle Group wollen alle Aktien kaufen und das Münchner Unternehmen von der Börse nehmen. Durch hinausgezögerte Verhandlungen und taktische Spielchen sparen sie dabei rund 1 Milliarde Euro.

          Die Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle Group wollen den Lichttechnikkonzern Osram übernehmen. Am Mittwochabend teilte der M-Dax-Konzern in einer kurzen Mitteilung mit, dass die Investoren ein Angebot über 35 Euro je Aktie unterbreiten wollen. Vorstand und Aufsichtsrat würden kurzfristig am Donnerstagnachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen, um über diese Offerte zu beraten. Schon am Mittwoch sickerten eine Stunde vor Handelsschluss erste Gerüchte über den Vorstoß der Finanzinvestoren durch. Der Kurs der Osram-Aktie sprang binnen kurzer Zeit nach oben und schloss gegenüber dem Vortag um 11,5 Prozent höher bei 32,21 Euro.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Eine Offerte von den beiden Finanzinvestoren war schon erwartet worden; vermutet wurde zuletzt auch ein Angebot an die Aktionäre in der Größenordnung von bis zu 35 Euro. Nun hieß es, dass das Finanzierungspaket für den 3,4 Milliarden Euro schweren Vorstoß gesichert sei. Damit ist die Kalkulation der Investoren aufgegangen, die in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder über bestimmte Medien gezielt lancierten, dass eine auf Krediten basierte Finanzierung der Offerte längst nicht gesichert und das Interesse an einem Erwerb geschwunden sei. 

          Das setzte den Aktienkurs des operativ angeschlagenen Unternehmens Osram in den zurückliegenden Monaten erheblich unter Druck. Über den langen Zeitraum brach somit auch der durchschnittliche Aktienkurs über drei Monate ein, der Basis für die Übernahmeofferte ist. Mit den im Raum stehenden 35 Euro beträgt der Aufschlag etwa 20 Prozent auf eben den gedrückten Durchschnittskurs.

          OSRAM LICHT AG NA O.N.

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          Eigentlich war eine Entscheidung über die Übernahme durch Bain und Carlyle schon Ende April erwartet worden. Doch sollen sich die Gespräche mit dem Vorstand unter dem Vorsitzenden Olaf Berlien immer wieder hinausgezögert haben – zum Vorteil für die Finanzinvestoren. Als im Februar deren Absichten offiziell mitgeteilt worden waren, erreichte der Aktienkurs in der Spitze mehr als 41 Euro, was den Konzern mit rund 4 Milliarden Euro bewertete. Einschließlich eines üblichen Angebotsaufschlags von rund 20 Prozent wurde damals über ein Übernahmepreis von 45 Euro und mehr spekuliert (was einem Börsenwert von mindestens 4,4 Milliarden Euro entsprochen hätte).

          Die verschlechtere Wirtschaftslage von Osram mit einhergehenden weiter eingetrübten Aussichten haben den Kurs dann laufend unter Druck gesetzt, was durch die Gerüchte über einen angeblichen Rückzug der Kaufinteressenten noch beschleunigt worden ist. So kommen Bain und Carlyle nun um rund 1 Milliarde Euro günstiger an Osram heran, wenn sie alle Aktien erwerben. Dieses Interesse haben sie schon im Februar bekundet. Die Investoren kündigten an, das Unternehmen komplett erwerben zu wollen und es von der Börse zu nehmen. Osram wurde im Juli 2013 von Siemens als damaliger Alleineigentümer abgespalten und an die Börse gebracht.

          Damit geht Osram in eine unsichere Zukunft. Seit einem Jahr haben sich die Geschäftsaussichten kontinuierlich eingetrübt. Vor allem der Umsatz mit dem wichtigsten Kunden, der Automobilindustrie, ist seit vergangenem Jahr eingebrochen. Ende März musste Vorstandschef Berlien die Prognose für das bis zum 30. September laufende Geschäftsjahr 2018/2019 zurücknehmen, nachdem es zuvor immer wieder zu Korrekturen gekommen war. Statt eines stabilen Umsatzes wird nun von einem Minus von 11 bis 14 Prozent ausgegangen. Die operative Umsatzrendite soll nur noch 8 bis 10 Prozent statt bislang 12 bis 14 Prozent erreichen. Im ersten Quartal rutschte Osram unter dem Strich gar in die Verlustzone.

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