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Finanzinstitute : Sparkassen übernehmen die Dekabank vollständig

Ist 4,7 Milliarden Euro wert: Die Dekabank (links im Bild) Bild: Frank Röth

Die nordrhein-westfälischen Sparkassen versuchen, für ihre Zustimmung zum Deka-Kauf den anderen Sparkassen eine Lösung für die West LB abzuringen. Auch der Bund hofft nun auf eine Lösung für die West LB.

          Den Sparkassen wird die Fondsgesellschaft Dekabank künftig alleine gehören. Alle Landesbanken, die bisher zusammen 50 Prozent der Anteile hielten, steigen aus. Es gebe eine grundsätzliche Einigung über die Möglichkeit, die Landesbanken-Anteile der Deka zu kaufen, sagte der Sprecher des Sparkassendachverbands DSGV.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Viele Landesbanken, darunter die mit fast 15 Prozent bisher größter Eigentümerin Landesbank Baden-Württemberg, befolgen mit dem Ausstieg aus der Deka Auflagen der EU-Kommission. Viele Landesbanken dürfen Staatshilfen, die in der Finanzkrise ihr Überleben sicherten, nur behalten, wenn sie jetzt schrumpfen und Beteiligungen verkaufen. Mit der grundsätzlichen Einigung über die Neuordnung der Eigentümerstruktur der Deka, die in dieser Woche erzielt wurde, könnte aber auch die immer notwendiger werdende Rettung der West LB durch die Sparkassen-Finanzgruppe einer Lösung ein Stück weit näher gerückt sein.

          Lange strittig zwischen den Sparkassen als Käufern und den Landesbanken als Verkäufern war der Wert der Deka. Ein Gutachten hatte vor Monaten einen Unternehmenswert von 4,5 Milliarden Euro ermittelt. Der Preis war vielen Sparkassen zu hoch erschienen. Er wurde gleichwohl jetzt mit Einigung auf die Transaktion, die rückwirkend zum 1. Januar erfolgen soll, sogar aufgestockt auf knapp 4,7 Milliarden Euro. Dies hat damit zu tun, dass die Deka in diesem Jahr nach neun Monaten ihren Gewinn vor Steuern im Vergleich zur entsprechenden Vorjahresperiode deutlich um 48 Prozent auf 543 Millionen Euro hatte steigern können. Damit war auch der Wert der Deka höher anzusetzen, heißt es.

          Der Kaufpreis für 50 Prozent der Anteile, also gut 2,3 Milliarden Euro, soll auf zwei Wegen aufgebracht werden. 1 Milliarde Euro soll die Deka selbst aus ihrem Eigenkapital aufbringen. Die Deka gilt mit einer Kernkapitalquote von 12 Prozent als gut kapitalisiert. Insofern kann es die Deka verschmerzen, dass ihr Eigenkapital um 1 Milliarde Euro herabgesetzt wird. Die übrigen 1,3 Milliarden Euro sollen die 12 regionalen Sparkassenverbände aufbringen, die bisher schon für die Sparkassen den bisherigen Anteil von 50 Prozent verwalten. Allerdings sind zunächst Verbandsversammlungen in den nächsten Wochen nötig, um die Zustimmung der einzelnen, derzeit 430 deutschen Sparkassen einzuholen.

          Falls tatsächlich alle Sparkassenverbände mitmachen, soll für die Aufstockung der Anteile auf den üblichen Verteilungsschlüssel in der Sparkassen-Finanzgruppe zurückgegriffen werden. Demnach würde sich der Anteil jedes Sparkassenverbandes an der Deka verdoppeln, etwa der des baden-württembergischen Sparkassenverbandes von 7,7 auf 15,2 und der des hessischen von 5,8 auf 11,6 Prozent.

          Allerdings ist fraglich, ob jeder Sparkassenverbandsvorstand von seinen Mitgliedssparkassen eine Mehrheit für den Kauf der Deka bekommt. Und aus Nordrhein-Westfalen, wo es noch zwei Sparkassenverbände gibt, die zusammen knapp 13 Prozent an der Deka halten, gab es am Freitag Stimmen, die eine Aufstockung der Anteile an der Deka um weitere 13 Prozent von einer Rettung der West LB durch die Sparkassen-Gruppe abhängig machen wollen. Die West LB muss bis 15. Februar in Brüssel neue Vorschläge vorlegen, wie sie weiter schrumpfen und gleichzeitig ein zukunftsweisendes Geschäftsmodell entwickeln will. In Sparkassenkreisen gilt dies als schwer machbar, da die West LB schon zahlreiche Schrumpfungsversuche hinter sich hat, ohne dass eine erkennbare Gesundung eingetreten wäre. Daher sind die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen beunruhigt. Ihnen gehören 50,2 Prozent der West LB, und sie besitzen 30 Milliarden Euro an Schuldverschreibungen der West LB.

          Betroffen von einer sicher mehrere Jahre dauernden Abwicklung der West LB, die in Finanzkreisen nicht mehr ausgeschlossen wird, wäre auch der Bund. Er ist vor einem Jahr mit 3 Milliarden Euro in die West LB eingestiegen. In Berlin scheint man sich nun aber Hoffnungen zu machen, dass die Sparkassen als alleiniger Eigentümer der Deka diese dazu bringen könnten, zumindest Teile der West LB zu übernehmen. (Kommentar Seite 18)

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