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Finanzierung des deutschen Films : Hollywood in Görlitz

Der Film „Quellen des Lebens“, der nächste Woche in die Kinos kommt, spielt in Franken, gedreht wurde aber in vier Bundesländern - des Geldes wegen Bild: X-Verleih

Im deutschen Film führt ein neuer Faktor Regie: das Geld. Das Land Sachsen gibt Mittel, wenn der Film in der Oberlausitz spielt. Mercedes, wenn die neue A-Klasse durchs Roadmovie fährt. Und die Autoren schreiben das Drehbuch dafür gerne um.

          Geht es nach Arnold Schwarzenegger, räumt der nächste Terminator in Frankfurt auf. Oder Berlin. Hauptsache, Deutschland. Arnie will drehen.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Vergangenen Freitagmittag, Frankfurt, Sheraton-Hotel. Eigentlich ist der Ex-Gouverneur Kaliforniens in Deutschland, um über Klimaschutz zu sprechen. Aber damit verdient Arnie kein Geld. Mit Filmen allerdings gerade auch nicht.

          Schwarzeneggers aktueller Streifen, das Action-Spektakel „Last Stand“, spielt in Arizona und ist ein Flop. Ein Debakel, vor allem finanziell. Film ist Hochrisikogeschäft. Niemand weiß, ob die Zuschauer den ganzen Aufwand honorieren. Ein schlechter teurer Film, und ein Studio ist schnell mal pleite. Deswegen ist die Finanzierung von Filmen so schwierig: Welche Bank nimmt so ein Risiko?

          Zum Glück ist da die Bundesrepublik Deutschland mit ihrer Filmförderung. Den Vorschlag des Reporters, hierzulande ein Action Movie über einen draufgängerischen Umweltschützer zu drehen, lehnt Schwarzenegger zwar zunächst ab: „Eine solche Rolle liegt mir nicht.“ Ausschließen will der Terminator aber nichts: „Wenn Drehbuch und Regie stimmen, wäre Deutschland eine tolle Sache.“ Er habe von den wunderbaren Bedingungen hierzulande gehört, erzählt Schwarzenegger: „Meine Kollegen aus Hollywood wissen die Vorteile von Babelsberg zu schätzen.“

          Das stimmt. George Clooney durchstreift dieser Tage Berlin auf der Suche nach Drehorten für seinen Weltkriegsfilm. Auch in Brandenburg will er filmen. Und in Sachsen-Anhalt. Nebenan, im sächsischen Görlitz, hat die Lokalpresse das 50.000-Einwohner-Städtchen bereits in „Görliwood“ umgetauft. Jude Law und Ralph Fiennes sind vor Ort, Bill Murray und Owen Wilson auf dem Weg. Die Oscar-Preisträger Tilda Swinton und Adrien Brody ebenso. Im alten Hertie-Kaufhaus der Stadt dreht Regisseur Wes Anderson den Film „The Grand Budapest Hotel“. Und jeder Toilettengang der Stars wird in der Oberlausitz zum Event. „Großartig“ sei der Filmstandort Deutschland, jubelt die „Los Angeles Times“, die Deutschen verfügten über „a Wundermittel“. Das Branchenblatt „Hollywood Reporter“ nennt es nüchtern „Cash“.

          In Deutschland, das sich gerne seiner künstlerischen Originalität rühmt, führt längst nur noch ein Faktor bei den Filmen Regie: die Herkunft des Kapitals. 43 Produzent der Produktionskosten decken Filmemacher laut der jüngst vorgestellten Produzentenstudie mit nur bedingt rückzahlbaren Darlehen von Ländern und Bund sowie mit Branchenumlagen, immerhin ein Fünftel macht der Betrag bei den kostspieligeren internationalen Ko-Produktionen aus. Allein Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geben für „Grand Budapest Hotel“ über 900.000 Euro Subvention für die internationale Koproduktion. Dafür durfte Staatskanzleiminister Johannes Beermann mal bei den Dreharbeiten vorbeigucken und traf prompt seinen Lieblingsstar Jeff Goldblum, wie er danach verriet: „Da war ich ganz aufgeregt. Immerhin spielte er die Hauptrolle in meinem Lieblingsfilm ,Jurassic Park’.“

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