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Finanzierung des deutschen Films : Hollywood in Görlitz

So finanziert sich der deutsche Film
So finanziert sich der deutsche Film : Bild: F.A.Z.

Kein Hollywood-Regisseur würde sich blicken lassen in Görlitz, läge in Deutschland die Kulturhoheit nicht bei den Ländern, die sich nahezu ausnahmslos die regionale Förderung der Filmwirtschaft auf die Fahnen geschrieben haben. Jedem Stadtstaat sein Hollywood, jedem Flächenland seine Gala. Ist Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier beim jährlich in der Frankfurter Alten Oper stattfindenden „Hessischen Filmpreis“ nach endlosen Stunden schließlich beim „Ehrenpreis des Ministerpräsidenten“ angelangt (Preisträgerin 2012: Hannelore Elsner), harren die aus Berlin eingeflogenen Schauspielstars geduldig der Dinge. Etwa zwölf Millionen Euro gibt die Hessische Filmförderung jedes Jahr aus, in Bundesländern wie Bayern und Nordrhein-Westfalen sind die Beträge mehr als dreimal so hoch.

Und so fahren die Lastwagen der Filmtrecks seit jeher kreuz und quer durch die Republik, damit sich die klammen Produzenten aus möglichst vielen Fördertöpfen bedienen können. Denn wer Geld vom Freistaat Sachsen verdrehen darf, muss die Kameras freilich zumindest für ein paar Wochen auch mal im Bundesland aufstellen. Da spielt es auch keine Rolle, dass trotz der Fördermillionen acht Millionen weniger Deutsche in deutschsprachige Filme gehen als noch vor vier Jahren - fünf Jahre liegt der letzte Oscar-Gewinn für einen deutschen Film zurück.

Die Filmwirtschaft in Deutschland ist auf das Geld angewiesen. Vier von fünf deutschen Produzenten kommen nicht über die Millionengrenze hinaus. Und die Branchengrößen scheuen das Risiko. So entstehen wunderliche Konstellationen. Autor und Regisseur Oskar Roehler hat seinen autobiographischen Roman „Herkunft“ nicht in Franken und Frankfurt verfilmt, wo er spielt. Der Streifen mit dem Titel „Quellen des Lebens“, der nächste Woche in die Kinos kommt, wurde in Nordrhein-Westfalen (1,6 Millionen Euro Förderung) gedreht, in Sachsen-Anhalt (0,5 Millionen Euro), in Berlin und Brandenburg (0,4 Millionen Euro). Für die Berlinale, die diese Woche beginnt, ist er nicht zugelassen.

Branchenhoffnung: Emma und Til Schweiger in „Kokowääh 2“
Branchenhoffnung: Emma und Til Schweiger in „Kokowääh 2“ : Bild: Warner Bros.

Der Berliner Matthias Schweighöfer hingegen hat seine Liebe zur Bankenstadt entdeckt. „Frankfurt ist einfach sehr schön“, stellte Deutschlands beliebtester Schauspieler und Nachwuchsproduzent fest, als er seine Lifestyle-Komödie „Schlussmacher“ ein wenig in der coolen Hauptstadt und hauptsächlich im Hessischen filmte: „Wir sind hier zu Hause.“

650.000 Euro hat Schweighöfer vom Land Hessen erhalten. Gut angelegtes Geld: Mit bald zwei Millionen Kinozuschauern ist „Schlussmacher“ derzeit mit Abstand die erfolgreichste deutschsprachige Produktion in einem Land, in dem trotz zig Fördertöpfen immer weniger Menschen heimische Filme sehen wollen. Eine Erfolgsstory trotz, nicht wegen des Drehbuchs, wie es in der naturgemäß von Neid zerfressenen Branche spöttelt: „Ein Roadmovie durch Mitteldeutschland im Kleinwagen der Altherrenmarke Mercedes? Geht gar nicht.“ Es gebe einfach einen Schweighöfer-Effekt: Der blonde Jüngling könne auch einen Sack Kartoffeln darstellen, und die 8- bis 28-jährigen weiblichen Bundesbürger würden die Kinosäle stürmen.

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