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Finanzierung : Banken verschaffen Schaeffler Zeit

Behält vorerst die Kontrolle: Maria-Elisabeth Schaeffler Bild: AP

Der fränkische Autozulieferer Schaeffler wechselt von Konfrontationskurs auf Dialogkurs: Mit dem Finanzpaket - einer Einigung mit den fünf Gläubigerbanken - werden Grundlagen für das Zusammengehen mit Continental geschaffen. Ohne umstrittene Bürgschaft.

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          Der hochverschuldete Wälzlagerhersteller Schaeffler hat sich mit den fünf Gläubigerbanken auf eine Refinanzierung geeinigt, die bis in das Jahr 2015 reicht. Damit sind monatelange Diskussionen und Spekulationen über eine mögliche Abgabe von Continental-Aktien aus dem Besitz des Familienunternehmens an die Banken vom Tisch. Die Familie behält vorerst die Kontrolle, selbst wenn die Beteiligung an Continental von 90 Prozent verpfändet ist.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Auch die Frage nach einem Investor, der bei dem in Herzogenaurach ansässigen Unternehmen einsteigen könnte, stellt sich neu. Denn mit einem stabilen Finanzkonzept könnte neues Interesse geweckt werden. Von großer Bedeutung ist, dass - wie zu hören ist - das Konzept zur Refinanzierung von insgesamt 12 Milliarden Euro Finanzschulden ohne eine Staatsbürgschaft auskommt. Dies hatte zu heftiger Kritik an den Familieneigentümern von Schaeffler geführt.

          Der Autozulieferer teilte am Dienstag überraschend mit, dass mit der grundsätzlichen Einigung auch der Weg für die Umwandlung der Schaeffler-Gruppe in eine „kapitalmarktorientierte Struktur mit einer operativen Einheit und einer Holding“ bereitet sei. Unklar bleibt, ob eine GmbH oder eine Aktiengesellschaft (AG) gegründet wird. Aus zwei Gründen, heißt es hinter vorgehaltener Hand, spreche vieles für eine AG. Dies sei die gleiche Rechtsform wie Continental, deren Übernahme erst zur Verschuldung geführt hatte. Zudem erleichtert das die Einführung der Mitbestimmung, die Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Sohn Georg mit der Industriegewerkschaft Metall vereinbart hatten.

          „Zentraler Meilenstein” für die Zukunft der Schaeffler Gruppe

          Grundsatzpapier mit den Gläubigerbanken

          Es gibt erst ein Grundsatzpapier mit den Gläubigerbanken, wobei die Commerzbank mit der Übernahme der Dresdner Bank mit 5 Milliarden Euro größter Kapitalgeber ist; es folgen die Royal Bank of Scotland (2,5 Milliarden Euro), die Hypo-Vereinsbank (2 Milliarden Euro), LBBW (1,5 Milliarden Euro) und UBS (1 Milliarde Euro). Die Umsetzung wird nach Informationen aus dem Unternehmensumfeld bis in das kommende Jahr hinein dauern. Erst dann ist das Zusammengehen mit Continental denkbar.

          Geplant ist, die Kreditverbindlichkeiten in zwei Tranchen aufzuteilen. Eine Tranche - geschätzt wird in Anteil von rund 60 Prozent - soll auf das operative Geschäft abgestellt werden und läuft bis zu viereinhalb Jahre. Der Kapitaldienst mit Zinszahlungen und Schuldentilgung soll aus dem operativen Geschäft und den dort erwirtschafteten Mittelzufluss (Cash Flow) dargestellt werden. Die zweite Tranche, also die verbleibenden schätzungsweise 40 Prozent, sind der noch zu schaffenden Holding-Ebene zugeordnet, in der sich später einmal die Geschäfte von Schaeffler und auch Continental wiederfinden. Die Laufzeit dafür beträgt sechs Jahre. Bedient werden sollen sie etwa aus Dividendenzahlungen oder auch durch Erlöse aus möglichen Unternehmensverkäufen.

          Langfristige Entlastung der angespannten Finanzlage

          Hintergrund der Aufteilung in zwei Tranchen ist eine langfristige Entlastung der angespannten Finanzlage einer Gruppe Schaeffler/Continental. Der Hannoversche Autozulieferer ist ebenfalls mit knapp 10 Milliarden Nettofinanzschulden stark belastet und sucht nach einer neuen Refinanzierung. Die Einigung von Schaeffler mit seinen Gläubigerbanken könnte dafür Modell stehen. In einer Holding würden so weniger Schulden von Conti landen.

          Die Konditionen seien marktgängig, die Verschuldungsgrade (Covenants) akzeptabel, hieß es. Unter dem Strich dürfte sich die Finanzierung wesentlich verteuert haben, wird aber nun über eine längere Zeit gewährt. Doch wird auch die Suche nach einem finanzkräftigen Investor erleichtert. Diese war eingestellt, solange die Finanzlage unklar geblieben ist.

          Klaus Rosenfeld, der seit Mitte März von der Dresdner Bank kommend Finanzvorstand der Schaeffler-Gruppe ist, sieht in der Einigung einen „Meilenstein“, wie er in einer knappen Pressemitteilung wissen ließ. „Zugleich erfüllen wir mit dem Konzept eine weitere wichtige Voraussetzung für eine mögliche Zusammenführung der Schaeffler-Gruppe mit der Continental AG“, sagte er. Der Kurs der Continental-Aktie reagierte am Dienstag mit einem Sprung von bis zu 16 Prozent.

          Staatshilfe? Kein Thema mehr

          Staatshilfe sei kein Thema mehr, war aus Verhandlungskreisen zu hören. Für die Banken hat die sich nun abzeichnende Lösung den Charme, dass sie keine Wertberichtigungen vornehmen müssen. Die wären auch bei einem Tausch der Kredite gegen Eigenkapital (Debt-to-Equity-Swap) angefallen, der lange Zeit erwogen, dann aber wegen der eigenen Schwierigkeiten der Banken hinfällig wurde. Mit der Vereinbarung strebt Schaeffler die Flexibilität an, um die Zusammenführung mit Conti konstruktiver voranzutreiben.

          In den vergangenen Wochen hatte es eine Schlammschlacht zwischen beiden Seiten gegeben. Der Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann wurde durch den Schaeffler-Mann Elmar Degenhart ersetzt. Am 29. September soll auf der Aufsichtsratssitzung der Conti-Aufsichtsratschef und Schaeffler-Berater Rolf Koerfer gegen einen noch zu findenden neuen Vorsitzenden ausgewechselt werden. Dann könnte mit Blick auf die nun geregelten Finanzen auch der Weg für eine Kapitalerhöhung bei Continental über 1,5 Milliarden Euro bereitet werden, um die es heftige Debatten gegeben hatte. Schaeffler wollte nur unter bestimmten Bedingungen zustimmen, da deren Anteil auf rund 70 Prozent verwässert werden würde.

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