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Finanzaufsicht bestätigt : Ermittlungen wegen Insiderhandels mit IKB-Aktien

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Die IKB ist abermals in den Schlagzeilen - allerdings auch mit einer deutlich niedrigeren Verlustprognose Bild: AP

Die Finanzaufsicht Bafin hat Anhaltspunkte für Insiderhandel mit Aktien der Mittelstandsbank IKB gefunden. Schlagzeilen macht die IKB aber auch im positiven Sinne: Mit einer deutlich niedrigeren Verlustprognose.

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          Die Finanzaufsicht Bafin hat Anhaltspunkte für Insiderhandel mit Aktien der Mittelstandsbank IKB gefunden. Der Fall, bei dem es um eine einzelne Person gehe, sei an die Staatsanwaltschaft Frankfurt übergeben worden, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) am Mittwoch. Sie bestätigte damit übereinstimmende Berichte des ARD-Magazins „Monitor“ und des „Wall Street Journal“.

          Die Staatsanwaltschaft Frankfurt bestätigte, dass sie gegen einen Aktienhändler wegen des Verdachts auf Insiderhandel mit IKB-Aktien ermittelt. Es handele sich um einen Mitarbeiter einer Großbank mit Sitz in Frankfurt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaf am Mittwoch. Derzeit werde geprüft, ob es sich überhaupt um eine Straftat handele. An den Händler sei die Staatsanwaltschaft noch nicht herangetreten.

          Die Bafin hatte untersucht, ob es vor der Ad-hoc-Mitteilung der IKB am 30. Juli zu Auffälligkeiten im Handel gekommen war. Die Düsseldorfer Bank hatte an dem Tag bekanntgegeben, dass sie wegen ihres Engagements am amerikanischen Hypothekenmarkt in Bonitätsnöte geraten war und von ihrer Hauptaktionärin KfW gestützt werden musste. Zehn Tage zuvor hatte die IKB noch mitgeteilt, das
          amerikanische Engagement habe „praktisch keine Auswirkungen“ auf sie.

          Händler soll in erheblichem Umfang IKB-Papiere verkauft haben

          Nach dem Bericht von „Monitor“ ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Händler eines Tochterunternehmens der Deutschen Bank. Der Händler soll kurz vor dem Kursverfall der IKB-Aktien im Sommer 2007 Wertpapiere der Mittelstandsbank in erheblichem Umfang verkauft haben. Die Aktien hatten damals dramatisch an Wert verloren, nachdem die Deutsche Bank die Bafin am 27. Juli über die Verbindlichkeiten der IKB-Bank und die daraus resultierenden Probleme informiert hatte. Die IKB-Aktie fiel von 21,97 Euro am 27. Juli auf 12,65 Euro am 3. August 2007.

          „Wenn es zutrifft, dass ausgerechnet ein Händler aus dem Konzern der Deutschen Bank auf den Verfall des Kurses der IKB-Aktie spekuliert hat, kurz bevor Herr Ackermann bei der Bafin wegen einer möglichen Schieflage der IKB Alarm schlägt, dann ist das mindestens ein merkwürdiger Zufall, wenn nicht mehr“ erklärte der Würzburger Professor für Bankrecht, Ekkehardt Wenger gegenüber „Monitor“.

          IKB erwartet deutlich niedrigeren Verlust als angenommen

          Untedessen hat die angeschlagene Düsseldorfer Bank mitgeteilt, dass sie für das Ende März abgelaufene Geschäftsjahr 2007/2008 einen deutlich niedrigeren Verlust erwartet als bislang prognostiziert. Der Vorstand gehe nun von einem Konzernverlust von 200 Millionen Euro statt des im März prognostizierten Verlustes von 800 Millionen Euro aus, teilte die IKB am späten Dienstagabend mit. Als Gründe für die neue Prognose nannte die Bank Bewertungsfragen und Steuereffekte, die im Rahmen der Aufstellung des Jahresabschlusses zu dem neuen Bild geführt hätten.

          Die IKB hatte ihre Verlustprognose in den vergangenen Monaten mehrfach nach oben und unten geändert. Die Bank will am 29. April zunächst Halbjahreszahlen für das Geschäftsjahr 2007/2008 vorlegen. Ein Termin für die Bilanz des gesamten Geschäftsjahres ist bislang noch nicht bekannt. Die IKB war infolge der internationalen Finanzmarktkrise in eine extreme Schieflage geraten. Die auf den Mittelstand ausgerichtete Bank hatte erhebliche außerbilanzielle Risiken aufgebaut. Eine milliardenschwere Risikoabschirmung durch Banken und Kapitalspritzen der KfW sicherten das Überleben.

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