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In 131-jähriger Geschichte : Financial Times mit erster Chefredakteurin

Roula Khalaf wird die erste Chefredakteurin der Financial Times. Bild: Reuters

Premiere bei der traditionsreichen Wirtschaftszeitung: Die bisherige Vizechefin Roula Khalaf übernimmt Anfang 2020 als erste Frau das Ruder.

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          Die Wirtschaftszeitung „Financial Times“ hat erstmals in ihrer 131-jährigen Geschichte eine weibliche Chefredakteurin ernannt. Roula Khalaf, bislang Vizechefin, wird künftig in der Londoner Zentrale das Ruder von Lionel Barber übernehmen, der nach vierzehn Jahren an der Spitze die Zeitung Anfang 2020 zurücktritt.

          Philip Plickert
          (ppl.), Wirtschaft

          Khalaf, geboren in Beirut im Libanon zur Zeit des Bürgerkriegs, ist seit 24 Jahren bei der traditionsreichen FT und hat dort zuletzt das Netz der Auslandskorrespondenten geleitet. Einige Jahre führte sie die Korrespondenten im Nahen Osten während des Irak-Kriegs und der arabischen Aufstände 2011.

          Schon 1995 war sie als Nordafrika-Korrespondentin zu der Zeitung gekommen. Zuvor war die Absolventin der Columbia University in New York beim Magazin „Forbes“ tätig. In Jordan Belforts autobiografischem Buch „Der Wolf der Wall Street“ wird sie als „freche“ Reporterin zitiert, die dem betrügerischen Börsianer auf die Schliche kam.

          Erfolgreicher Wandel zur Digitalzeitung

          Tsuneo Kita, der Vorstandschef des japanischen Medienkonzerns Nikkei, des Eigentümers der lachsrosa gefärbten Zeitung, lobte Khalafs Integrität, Entschlossenheit und klares Urteil. Nikkei hat die Zeitung Ende 2015 für 844 Millionen Pfund, damals weit mehr als eine Milliarde Euro, von der britischen Mediengruppe Pearson gekauft. Im vergangenen Jahr machte die Zeitung trotz einer sinkenden Print-Auflage 25 Millionen Pfund Gewinn bei 383 Millionen Pfund Umsatz.

          Die 1888 gegründete „Financial Times“ hat in den vergangenen Jahren eine rasante Transformation hin zu einer Digital-Zeitung geschafft. Seit 2002 hat sie eine „Paywall“, also eine Bezahlschranke im Internet, und verlangt für ihre Online-Angebote Geld von den Lesern. Innerhalb von siebzehn Jahren gelang es ihr, die Zahl der bezahlten Abos auf eine Million zu steigern.

          Mehr als Dreiviertel der Gesamtauflage sind inzwischen Digital-Abos. Die Papierauflage ist unter 190.000 gesunken. In der Londoner City lesen nur noch ein paar zehntausend die Pflichtlektüre für die Finanzszene auf Papier. In der Liga von mehr als eine Million Abonnenten spielen sonst nur noch die „New York Times“, die „Washington Post“ und das „Wall Street Journal“. Die in Japan sehr starke Zeitung „Nikkei“ mit mehreren Millionen Lesern erreicht 650.000 Digitalabonnenten.

          Die FT ist eine globale Marke, rund 70 Prozent ihrer Leser sitzen außerhalb Großbritanniens. Inzwischen gibt es auch eine chinesische FT, während der Versuch, eine deutsche Ausgabe zu lancieren, vor einigen Jahren gescheitert war. Tradition ist ihr aber auch wichtig: Jüngst verlegte die Zeitung ihren Londoner Hauptsitz von der Southwark-Brücke am Themseufer zurück in ihr älteres Domizil, das historische Bracken House im Zentrum, nur hundert Meter von der St.-Pauls-Kathedrale entfernt.

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