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Brillenhersteller Pro Optik : Drittgrößter deutscher Augenoptiker steht zum Verkauf

Drei Hersteller beherrschen den deutschen Brillenmarkt. Bild: Getty

Der Fielmann-Konkurrent Pro Optik hat Berater für die Suche nach einem Finanzpartner mandatiert. Die Geschäftsführung lehnt eine Stellungnahme dazu ab.

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          Einer der großen drei der deutschen Optiker-Ketten soll den Eigentümer wechseln. Nach Informationen der F.A.Z. wollen die Eigner des Brillen-Filialisten und Fielmann-Konkurrenten Pro Optik einen Finanzpartner an Bord holen und aller Voraussicht nach ihre Mehrheit abgeben. Um den Markt auszuloten, hätten sie die Investmentbank Alantra mandatiert, verlautet aus Kreisen, die mit dem Verfahren vertraut sind.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der deutsche Markt wird von einem Trio dominiert: Fielmann und Apollo sowie mit schon deutlichem Abstand Pro Optik. Die anderen Anbieter sind weit abgeschlagen. Der Markt ist nach Angaben des Branchenverbandes ZVA gut 6 Milliarden Euro schwer, knapp 13 Millionen Brillen wurden zuletzt jährlich verkauft. Branchenführer und weitaus bekanntester Name ist Fielmann. Der ZVA – Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen – führt die Kette mit zuletzt gut 1,1 Milliarden Euro Jahresumsatz und 600 Filialen an der Spitze seiner Rangliste. Die Nummer zwei, Apollo, hat zwar mehr Filialen, nämlich 857, aber mit 732 Millionen Euro weniger Jahresumsatz. Pro Optik kommt auf 125 Millionen Euro Umsatz aus 145 Standorten.

          Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen

          Gegründet wurde Pro Optik vor über dreißig Jahren von den Augenoptikermeistern Rainer Hildebrandt und Peter Hoppert. Sie sind immer noch Geschäftsführer – und holten sich im vergangenen Jahr einen Dritten in die Unternehmensleitung: Hannibal Zemariam, ebenfalls Augenoptikermeister und aus dem eigenen Haus kommend. Im Rückblick wird klar: Die Gründer bauten mit dieser Personalie schon einen Nachfolger auf und bereiteten vielleicht auch schon eine mögliche neue Eignerstruktur vor. Denn Zemariam soll, wie in der Branche zu hören ist, das Geschäft führen, wenn Hildebrandt und Hoppert sich operativ zurückziehen – und soll auch unter einem möglichen neuen Eigner an Bord bleiben. Genauer gesagt, wird es nach den Plänen wohl um einen Miteigner gehen, denn geplant ist dem Vernehmen nach, dass die Gründer nicht alle ihre Anteile abgeben. Aber: Der neue Investor werde wohl eine Mehrheit erwerben, ist zu hören. Eine Reihe Private-Equity-Häuser sei zu diesem Zweck schon einmal angesprochen worden, sagten Insider.

          Pro-Optik-Geschäftsführer Hoppert lehnte am Donnerstag auf Anfrage eine Stellungnahme ab. Auch Alantra wollte sich nicht äußern. Pro Optik mit Hauptsitz in Wendlingen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1000 Mitarbeiter. In den letzten fünf Jahren seien mehr als 50 Fachgeschäfte eröffnet worden, und auch für die Zukunft seien viele weitere Neueröffnungen geplant, ist auf der Internetpräsenz des Unternehmens zu lesen. Zu den größten drei Anbietern in Deutschland zählt das Unternehmen diesen Angaben zufolge seit dem Jahr 2006. Im Angebot sind Brillenfassungen, Designerbrillen, Sonnenbrillen, Gläser, und Kontaktlinsen.

          Nach Angaben von Kennern liegt die operative Marge von Pro Optik – auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) – in der Größenordnung von 14 oder 15 Prozent. Das Ebitda liege deutlich über 15 Millionen Euro, heißt es. Der neue Eigner werde wahrscheinlich ein Finanzinvestor sein.

          In seinem Branchenbericht 2018/19 meldet der ZVA leichtes Wachstum. Die Zahl der verkauften Brillen sei im vergangenen Jahr um 0,8 Prozent auf 12,8 Millionen gestiegen, der Umsatz um 2,2 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Zunehmend vermischen sich den Angaben zufolge die Vertriebsformen. Die vormals reinen Online-Anbieter gingen vermehrt dazu über, mit Partnern am Ort zusammenzuarbeiten, analysieren die Fachleute des Verbands. Dieses Segment wächst überproportional, macht den Daten zufolge aber immer noch einen kleinen Teil aus: Den „Online-/Multichannel-Umsatz“ – so der Branchenjargon – des Jahres 2018 taxiert der Verband auf 301 Millionen Euro, entsprechend einem Plus von 15 Prozent.

          Der stationäre Handel steigerte die Erlöse um 2 Prozent auf knapp 6 Milliarden Euro – wobei die Abgrenzung der beiden Segmente wegen der Mischformen im Vertrieb unscharf ist. So fließen auch Online-Verkäufe in den stationären Umsatz ein, weil Betriebe immer mehr dazu übergehen, parallel zum Ladengeschäft im Rahmen von Onlineshops Sehhilfen anzubieten. Die Zahl der Fachläden sinkt in jüngster Vergangenheit Jahr für Jahr leicht: Im Jahr 2018 wurden 11.630 stationäre Augenoptiker-Geschäfte gezählt, nach 11950 vier Jahre zuvor.

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