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Fiat-Chrysler und Renault : Überraschung und Enttäuschung über geplatzte Fusion

Die Logos von Fiat und Renault Bild: Reuters

Fiat-Chrysler hat den geplanten Zusammenschluss mit Renault abgesagt. Es liege an der Politik in Frankreich, begründet der Autohersteller den Sinneswandel. Die französische Regierung sieht das anders.

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          Nicht einmal zwei Wochen nach dem aufsehenerregenden Fusionsangebot gegenüber dem französischen Autohersteller Renault wendet sich Fiat-Chrysler von seinen Kooperationsplänen ab. Kurz nach Mitternacht, in den ersten Stunden des 6. Juni, teilte der Fiat-Chrysler-Konzern mit, dass der Verwaltungsrat sein Kooperationsangebot wieder zurückziehe. „Es ist klargeworden, dass gegenwärtig in Frankreich nicht das politische Umfeld dafür besteht, dass eine solche Fusion mit Erfolg vorankommt“, teilte Fiat-Chrysler mit.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Man sei weiterhin überzeugt von der Logik des Fusionsangebots für die Entwicklung beider Autokonzerne, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Festgehalten wird, dass das Angebot von Fiat-Chrysler von vielen Seiten Lob erhalten habe. Zugleich wird betont, dass man sich sehr um ausgeglichene Konditionen bemüht habe, „um allen Seiten substantielle Vorteile zu ermöglichen“.

          Die sieht Fiat-Chrysler nun aber offenbar nicht mehr gegeben, nachdem die Vertreter der französischen Regierung immer neue zusätzliche Bedingungen gestellt hatten. Die Bewertung von Renault sei zu niedrig angesetzt, hieß es, nachdem Fiat den letzten Börsenkurs vor dem Fusionsangebot, vom 24. Mai, zum Referenzpunkt gemacht habe.

          Fortführung der Allianz mit Nissan entscheidende Bedingung

          Die französische Regierung zeigte sich noch in der Nacht auf Donnerstag überrascht und ohne Verständnis für das „überstürzte“ Vorgehen von Fiat-Chrysler. Eine Einigung sei möglich gewesen, sie hätte nur etwas mehr Zeit gebraucht, hieß es in Regierungskreisen. Der Stolperstein war das Zögern des Nissan-Konzerns, der hinsichtlich der europäischen Fusion in den vergangenen Tagen Bedenken geäußert hatte. Laut Nissan-Chef Hiroto Saikawa ändere eine Fusion von Renault und Fiat-Chrysler „die Struktur unserer Partnerschaft mit Renault erheblich“. Dies erfordere „eine fundamentale Überprüfung der bestehenden Beziehungen zwischen Nissan und Renault“.

          Daraufhin hatten sich die Franzosen mehr Zeit erbeten. Der französische Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire wollte einen anstehenden Besuch in Japan nutzen, um diese Punkte zu klären. Daher schlugen die Franzosen vor, dass der Renault-Verwaltungsrat nicht am gestrigen Mittwoch über die Fusion mit Fiat-Chrysler abstimme, sondern am kommenden Dienstag. Die Italiener wollten diesen Aufschub nicht hinnehmen.

          Die französische Regierung hatte als wichtigster Renault-Aktionär von Anfang an klar gemacht, dass die Fortführung der Allianz mit Nissan für Renault eine entscheidende Bedingung sei. Die Franzosen halten die über 20 Jahre aufgebaut Verbindung mit den Japanern, die durch eine Kapital-Überkreuzbeteiligung zwischen Renault und Nissan unterlegt ist, für unverzichtbar. Frankreich bestand zudem darauf, dass der operative Sitz des vereinten Autokonzerns in Frankreich liegen müsse, dass die Regierung einen Sitz im Verwaltungsrat und einen Sitz im Ausschuss für die Nominierung von Managern bekomme. Auf jeden Fall wäre die Geschäftsführung an einen Vertreter von Renault gegangen, während John Elkann von der Fiat-Gründerfamilie Agnelli das Präsidentenamt erhalten hätte.

          Zeitdruck von Fiat-Chrysler

          Das Fusionsangebot von Elkann, mit 29 Prozent der Aktien und 42 Prozent der Stimmrechte Hauptaktionär von Fiat-Chrysler, wurde in Italien immer wieder als Zeichen eines Rückzugs der historischen Unternehmerfamilie Agnelli als dem Autogeschäft interpretiert. Doch offenbar wollte sich Elkann nicht auf alle Bedingungen der Franzosen einlassen.

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