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Fever-Tree profitiert : Der große Durst nach Tonic Water

Fever-Tree stell beliebte Mischgetränke her. Bild: Reuters

Das Geschäft mit den Edellimonaden von Fever-Tree wächst rasant. Kurse und Gewinnmarge entwickeln sich traumhaft. Dabei verkauft das Unternehmen ein altbekanntes Produkt.

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          Wer an der Bar gerne einen Gin Tonic bestellt, der kennt die kleinen Fläschchen mit dem stilisieren Baum auf dem Etikett: Mit seinem hochpreisigen Tonic Water hat der englische Hersteller Fever-Tree in den vergangenen Jahren eine der erstaunlichsten Erfolgsgeschichten in der europäischen Getränkeindustrie geschrieben – und die am Dienstag veröffentlichten Geschäftszahlen des Unternehmens zeigen, dass die Kundschaft weiterhin durstig ist.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Manager träumen von solchen Wachstumsraten: Der Umsatz von Fever-Tree ist im Jahr 2018 um 40 Prozent auf 237 Millionen Pfund (279 Millionen Euro) gestiegen, seit 2013 haben sich die Erlöse mehr als verzehnfacht. Die Gewinnmarge vor Steuern des hochprofitablen Unternehmens liegt bei 32 Prozent, und an der Londoner Börse wird der kleine Hersteller derzeit mit üppigen 2,9 Milliarden Pfund bewertet. Seit dem Börsengang im November 2014 hat sich der Aktienkurs annähernd verzwanzigfacht.

          Dabei verkauft Fever-Tree ein altbekanntes Produkt: Der Hersteller hat zwar mittlerweile auch andere Erfrischungsgetränke im Angebot, doch steht die Marke weiterhin vor allem für ihr Tonic Water, also die chininhaltige Bitterlimonade, die zum Mixen von Longdrinks verwendet wird. Über viele Jahrzehnte hinweg beherrschte die Traditionsmarke Schweppes den internationalen Markt für Tonic Water. Fever-Tree hat also das Kunststück fertiggebracht, dieses Quasi-Monopol zu sprengen und verkauft seine Limonaden inzwischen in mehr als 70 Ländern.

          Die Geschichte des Unternehmens begann vor gut anderthalb Jahrzehnten an einem durchaus passenden Ort: In einer Kneipe in der Nähe des Sloane Square im feinen Londoner Stadtteil Chelsea lernten sich damals der junge Werbefachmann Tim Warrilow und der erfahrene Spirituosen-Manager Charles Rolls kennen. Die beiden kamen ins Fabulieren über Gin Tonic. Sie glaubten eine Marktlücke zu erkennen: Den Geschmack von Schweppes fanden sie nur mittelmäßig. Gab es nicht Bedarf für eine Edelvariante von Tonic Water mit hochwertigeren Zutaten?

          Das Timing war perfekt: Als Rolls und Warrilow im Jahr 2005 ihre Limonadenmarke gründeten, begann „G&T“, wie die Engländer den Longdrink nennen, gerade zum Modegetränk zu werden. Fever-Tree ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Familie der südamerikanischen Chinarindenbäume. Ihre Rinde enthält den Arzneistoff Chinin, der unter anderem zur Behandlung von Malaria eingesetzt wird. Englische Kolonialoffiziere in den Tropen begannen schon im 17. Jahrhundert, das Chininpulver mit Wasser, Zucker, Limette und Gin zu mischen, um seinen unangenehm bitteren Geschmack zu übertünchen. Für die beiden Gründer Rolls und Warrilow ist der sogenannte „Fieberbaum“ drei Jahrhunderte später zu einer wahren Goldgrube geworden.

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