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Feuerwerk zu Silvester : Deutschland böllert für 124 Millionen Euro

Warten auf den Kunden: Feuerwerkskörper von Comet Bild: Röth, Frank

Hierzulande gibt es nur noch drei namhafte Anbieter von Feuerwerken. Ihre Kunden erwarten immer mehr Knalleffekte, zugleich wird die Beschaffung der Raketen aus China immer schwieriger.

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          „Excalibur“, „Thunderstorm“ und „Pyro-Joker“ sind schon früh auf die Reise gegangen. Im Oktober bereits hat Weco, der größte deutsche Anbieter von Feuerwerkskörpern aus Eitdorf nahe Bonn, die ersten Silvesterraketen auf seine 40 Lager in ganz Deutschland verteilt. Nicht mehr als 100 Kilometer soll der Weg zum Kunden weit sein, damit das Feuerwerk pünktlich zum Verkaufsstart an diesem Samstag in den Regalen der Supermärkte, Discounter und Kaufhäuser liegt.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Die Logistik sei eine der größten Herausforderungen in seinem Geschäft, sagt Thomas Schreiber, geschäftsführender Gesellschafter der 1948 gegründeten Weco Pyrotechnische Fabrik GmbH. Innerhalb von zwei Dezemberwochen müssen rund 130.000 Paletten Feuerwerk geliefert werden. An den drei gesetzlich zugelassenen Verkaufstagen vor dem Jahreswechsel erwirtschaftet die Branche etwa 85 Prozent ihres Umsatzes. Für das bevorstehende Silvesterfest rechnet der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) mit einem Umsatz auf Vorjahreshöhe von 124 Millionen Euro.

          „Es ist ein reiner Verdrängungswettbewerb“

          „Wichtigster Einflussfaktor für den Absatz ist das Wetter“, sagt VPI-Geschäftsführer Klaus Gotzen. Am besten laufe der Verkauf bei trockener, kalter Witterung. Bei Regen dagegen verzichte so mancher lieber auf ein Feuerwerk. Die Preise für die Silvesterknallerei sind Gotzen zufolge in diesem Jahr leicht gestiegen. Als Grund gelten höhere Produktionskosten in China – das Land ist sowohl der größte Hersteller wie auch der größte Abnehmer von Feuerwerk in der Welt – sowie gestiegene Frachtkosten.

          Immer stärker legt die Nachfrage nach Batteriefeuerwerken zu: Die kleinen Kisten müssen nur einmal gezündet werden, bevor nacheinander eine Reihe von Raketenschüssen losgehen. Die Wachstumsmöglichkeiten auf dem deutschen Markt für Feuerwerk seien begrenzt, sagt Gotzen. Drastischer bringt es Richard Eickel, Geschäftsführer des Branchenzweiten Comet Feuerwerk GmbH aus Bremerhaven, auf den Punkt: „Es ist ein reiner Verdrängungswettbewerb.“ Auf dem hart umkämpften Markt hat Comet seine Position im August dieses Jahres mit der Übernahme des angeschlagenen Bochumer Konkurrenten FKW Keller – der Nummer drei – gefestigt.

          Weco sieht den Zusammenschluss der Konkurrenten gelassen

          Der Marktanteil von Comet sei dadurch von zuvor knapp 30 auf jetzt rund 40 Prozent gestiegen, schätzt Eickel. Die Akquisition bezeichnet der Geschäftsführer als gute Ergänzung: Während Comet vor allem klassische Supermarktketten als Kunden habe, beliefere FKW Keller in erster Linie Facheinzelhändler wie Kioske, Haushaltswarengeschäfte und Schreibwarenläden. Dank des Zukaufs erwartet Eickel für dieses Jahr einen Umsatzanstieg um fast ein Drittel. Dagegen hätte Comet für sich allein genommen eine leichte Einbuße zu verzeichnen.

          Dem Unternehmen, das seit 2004 im Besitz des chinesischen Handelskonzerns Li & Fung ist, ging ein großer Kunde verloren. Mehrere Monate Kurzarbeit für die 75 festangestellten Mitarbeiter waren die Folge. Für die Zukunft gibt sich Eickel jedoch optimistisch: „Die Karten werden jedes Jahr neu gemischt.“ Betont gelassen sieht Branchenführer Weco (geschätzter Marktanteil: 55 Prozent) den Zusammenschluss der beiden Konkurrenten.

          Der Versuch, sich unabhängiger von China zu machen

          „Das wird nicht zu unseren Lasten gehen“, sagt Schreiber, der das Unternehmen 2003 zusammen mit Dieter Kuchheuser vom Sohn des Gründers übernommen hat. Als einziger deutscher Anbieter unterhält Weco auch eine Produktion in Deutschland. 35 Prozent des Sortiments werden derzeit in Eigenregie gefertigt. An den drei Standorten in Eitdorf, Kiel und Freiberg in Sachsen stellen 400 Mitarbeiter jährlich 20 Millionen Raketen, 200.000 Batteriefeuerwerke sowie Knaller, Vulkane und Wunderkerzen her.

          In Eitdorf steht seit 2011 eine eigens entwickelte Maschine, die vollautomatisch Batteriefeuerwerke produziert, während in China nach wie vor Handarbeit verrichtet wird. Auch die Raketen erfreuten sich weiter großer Beliebtheit, sagt Schreiber: „Da ist man stärker selbst Feuerwerker.“ Den Anteil der Eigenfertigung will Weco in den nächsten Jahren auf 50 Prozent steigern. Es ist zum einen der Versuch, sich unabhängiger von China zu machen. Denn auch dort steigen die Kosten infolge höherer Anforderungen an Sozialstandards und Arbeitsbedingungen.

          „Made in Germany“ soll punkten

          Zudem wachse in China die inländische Nachfrage, was die Beschaffung immer schwieriger gestalte. Früher habe es gereicht, die Bestellungen im März oder April aufzugeben. „Jetzt war ich schon im Dezember bei den Lieferanten.“ Darüber hinaus will Schreiber mit „made in Germany“ gegenüber den Wettbewerbern punkten. Bei den Verbrauchern komme das vom Handel beworbene Siegel im Hinblick auf Qualität und Sicherheit gut an.

          Dritter und mit großem Abstand kleinster im Bunde der nennenswerten Anbieter ist die Nico Feuerwerk GmbH mit Sitz in Wuppertal. Mitbesitzer Michael Kandler hebt das breite Kundenspektrum hervor, das von Discountern über Baumärkte und Drogerien reicht.

          Zudem sei Nico traditionell stark bei Großfeuerwerken und immer bemüht, die dortigen Effekte auch auf das Silvesterfeuerwerk zu übertragen. Regelmäßig wird Nico etwa für die Veranstaltung Rhein in Flammen, die Taufe von Kreuzfahrtschiffen und das Sommerfest des Bundespräsidenten engagiert.

          An Silvester feiert Weco-Chef Schreiber mit Freunden in seiner Stammkneipe und sorgt dabei für das entsprechende Ambiente. Im Gepäck hat er ein Systemfeuerwerk, bei dem bis zu 20 Batteriefeuerwerke auf einer Platte verbunden werden. Ein paar Neuheiten – ebenfalls aus dem Sortiment an Verbundbatterien – will Comet-Geschäftsführer Eickel für seinen Bekanntenkreis zünden. Es bleibe aber im Rahmen, sagt er. „Ich will da keinem die Show stehlen.“

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