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Festnahme bei Huawei : Jetzt zieht Amerika im Handelskrieg alle Register

Dass hinter der Festnahme von Huawei-Gründertochter Meng mehr stecken könnte als der Verstoß gegen Sanktionsauflagen, hat mit dem Konflikt zu tun, der in diesem Jahr offen zwischen der größten und der zweitgrößten Wirtschaft der Welt ausgebrochen ist. Amerika sieht China als größte Bedrohung an und fürchtet, der Rivale könnte den Vereinigten Staaten in nicht allzu ferner Zukunft seinen technologischen Vorsprung rauben.

Wegen den – bisher unbewiesenen – Spionagevorwürfen hat Washington Huawei in Amerika bereits mit so vielen Handelshemmnissen das Leben schwer gemacht, dass der Weltkonzern aus China dort vergleichsweise nur sehr wenige Einnahmen erzielt. Viel wichtiger für Huawei ist der Markt in Europa. Und genau dort hat Washington kürzlich auf Alliierte wie die Bundesregierung eingewirkt, beim Aufbau des neuen 5G-Netzes auf die Technik der Chinesen zu verzichten.

Der Kampf der Supermächte hat gerade erst begonnen

Diese sind derzeit bei allen drei großen deutschen Mobilfunkanbietern einer von zwei der wichtigsten Zulieferer. Bei der Telekom ist Huawei sogar der wichtigste Technologiepartner. Bei ihrem Vorstoß in Berlin habe die Amerikaner offensichtlich den Verdacht angeführt, Peking könne den Privatkonzern Huawei mithilfe seines starken Zugriffs auf die chinesische Wirtschaft missbrauchen, um Wirtschaftsspionage zu betreiben. So laufen zum Beispiel die Daten all jener Roboter und Automaten über das 5G-Netz, die künftig in der vernetzten deutschen Industrie die Produktion steuern (Industrie 4.0). Fachleute äußern schon seit langem Bedenken, dies mache die deutsche Wirtschaft anfällig für Abhörattacken fremder Mächte.

Die chinesische Botschaft in Kanada hat am Mittwoch „entschiedenen Widerspruch“ gegen die Festnahme von Meng Wanzhou eingelegt. Huawei selbst teilte mit, man sei sich „nicht darüber bewusst“, gegen Sanktionsauflagen in den Geschäftsbeziehungen mit Iran verstoßen zu haben. Man wisse auch nichts über ein Fehlverhalten seiner Managerin.

Liefern die Kanadier den Huawei-Finanzvorstand an Amerika aus, soll Meng Wanzhou vor einem Bundesgericht in New York erscheinen. Bis dahin dürften allerdings reichlich Telefongespräche zwischen Peking und Washington stattfinden.

Erst am Samstag hatte Trump seinen Amtskollegen Xi Jinping in Buenos Aires am Rande des G20-Gipfels getroffen und vereinbart, dass beide Ländern in den folgenden 90 Tagen versuchen würden, den Handelskonflikt zu lösen. Am Dienstag allerdings hatte Trump bereits wieder getwittert, er sei ein „Tariff-Man“ (Mann der Strafzölle) und werde die amerikanische Wirtschaft beschützen. Bereits zu diesem Zeitpunkt fielen in der Folge in Amerika und China die Börsenkurse.

Es wirkt, als könnten die Aktienmärkte in den folgenden Wochen noch ein paar weitere Turbulenzen erleben. Die Aktie von Huawei ist zum Glück für die Anteilseigner des Konzerns nicht börsennotiert. Schlaflose Nächte dürften diese derzeit dennoch haben. So wie viele Anleger überall auf der Welt. Schließlich verstetigt sich derzeit mit jedem Tag der Eindruck, dass die Hochphase im Kampf der Supermächte um die Vorherrschaft in der Welt gerade erst begonnen hat.

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