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Fertighausbauer : In der Doppelkrise

  • -Aktualisiert am

Der Fertighausbauer Kampa hat vor wenigen Wochen Insolvenz beantragt Bild: ddp

Kampa war nur der Anfang: Den Anbietern von Fertighäusern setzt der Wegfall der Eigenheimzulage zu, sie kämpfen mit schlechtem Ansehen. Auf den Märkten von früher herrscht Immobilienflaute. Mit der Krise wird ihr Geschäft unberechenbar.

          Rauh bläst der Wind aus Nordost und lässt die Fahnen der Hersteller flattern: In der neuen „Fertighaus Welt“ an der A 3 bei Erlangen zeigen Bien-Zenker, Haas Fertigbau, Finger und Huf Haus Flagge. Auch Luxhaus, Schwörer Haus und andere Anbieter haben tief in die Unternehmenskasse gegriffen, um mit einem Musterhaus auf dem Ausstellungsareal vertreten zu sein. Der Bauplatz von Kampa ist noch leer. „Tja, ob die kommen, wissen wir noch nicht“, gesteht Achim Hannott vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF), der die Musterhausschau organisiert hat.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Kampa AG hat vor wenigen Wochen Insolvenz beantragt. „Das kam ziemlich überraschend“, behauptet BDF-Präsident Lutz Klaas. Eigentümer Triton, ein Private-Equity-Unternehmen, habe ihm erst kürzlich versichert, dass kein kurzfristiger Rückzug geplant sei. „Und jetzt das, dabei war Kampa auf ganz gutem Weg“, sagt Klaas.

          „Wir wollten zeigen, was alles geht“

          Groß waren jedenfalls die Pläne des angeschlagenen Unternehmens aus Nordrhein-Westfalen: Der Fertighausbauer wollte im Ausland wachsen. Er startete mit einem Konzernumbau, der vorsah, einen Teil der Werke zu schließen und Arbeitsplätze zu streichen. Auch das Angebot sollte übersichtlicher werden. Für 2009 stellte der Hersteller einen Gewinn in Aussicht. Nun hält Kampa den Betrieb vorerst mittels eines Massekredits am Laufen. Geld für ein Musterhaus existiert daher nicht.

          Um die 600.000 Euro hat das Unternehmen von Alexander Lux in sein Vorzeigehaus investiert: 180 Quadratmeter, auf zwei Etagen mit offener Galerie, umfasst der Gebäudetyp namens Lifestyle Loft, der sich ein wenig an den Bauhausstil anlehnt.

          „Wir haben hier nicht gespart, wir wollen zeigen, was alles geht“, sagt der Luxhaus-Geschäftsführer und weist auf die teure Extra-Ausstattung wie Edelfliesen, den Robinienholzboden und die Natursteinwand im Badezimmer hin. Fertighaus ist schon lange nicht mehr Billighaus, aber die Hersteller kämpfen immer noch mit einem schlechten Ansehen.

          Mit der Krise hat die Flaute wenig zu tun

          Sich zeigen - das ist für sie wichtiger als je zuvor. Zwar behauptet die Branche der Holzfertighausanbieter, sich besser als der Markt zu entwickeln. Doch rosig ist die Lage nicht. Die Hauslieferanten müssen um die Gunst der Käufer kämpfen, seit der Wegfall der Eigenheimzulage das Interesse am Kauf eines Privathauses geschwächt hat. Für 2008 weist die Statistik einen Rückgang der Baugenehmigungen in Deutschland um fast 7 Prozent auf 80.708 Einheiten aus. Die Fertigbaubranche verlor gleichzeitig 4,5 Prozent und gibt 12.136 Einheiten an.

          Mit der Wirtschaftskrise hat diese Entwicklung nichts zu tun. „Aber die allgemeine Lage macht uns schon Sorgen“, sagt Johannes Schwörer vom gleichnamigen Anbieter aus dem schwäbischen Hohenstein. Seine Auftragsbücher sind noch aus dem Vorjahr gut gefüllt. Allerdings liefen jetzt die Geschäfte schlecht. „Im Januar lag der Auftragseingang 50 Prozent niedriger als im gleichen Monat des Vorjahres“, berichtet er. Doch im März habe sich die Lage etwas gebessert. „Der Markt ist unberechenbar“, sagt Schwörer.

          Papiergeld ist nicht das Wahre

          An die 1.000 Häuser verkaufen die Schwaben jedes Jahr. Luxhaus kommt auf 300 Häuser, einen Umsatz von gut 40 Millionen Euro und sieht sich damit im Mittelfeld. Der Anbieter aus Georgsmünden hat sich auf das gehobene Marktsegment spezialisiert. „Der Umsatz blieb in den vergangenen Jahren gleich, aber die Stückzahlen waren rückläufig“, hat Alexander Lux beobachtet.

          Er hört während seines Besuchs in der Fertighaus-Welt nur zu gerne, dass sein Vertreter vor Ort von einem nicht „ernsthaften Interesse“ der Besucher berichtet. Bis zu 500 Neugierige schieben sich sonntags durch die 16 Ausstellungshäuser. „Die Leute merken in der Krise, dass Papiergeld nicht das Wahre ist“, sagt BDF-Präsident Klaas.

          Dass das Eigenheim als Inflationsschutz zum begehrten Gut wird, ist bisher ein Hoffnungswert, wie Johannes Schwörer nüchtern sagt. Das Interesse sei da. Doch wenn die Wirtschaftslage sich weiter verschlechtere und die Arbeitslosigkeit steige, was dann? Sein Unternehmen ist mittlerweile auch im Ausland aktiv. Das Geschäft außerhalb Deutschlands steuert 30 Prozent zum Umsatz bei. Vom Einbruch des spanischen Immobilienmarktes sei Schwörer nicht betroffen.

          Mit Energiesparhäusern Käufer locken

          Andere mussten im Ausland herbe Dämpfer einstecken. „Der Huf jammert ganz schön“, heißt es in der Branche über den Wettbewerber aus Hartenfels. Vor zehn Jahren hatte die Gruppe den Sprung nach Großbritannien gewagt, einem Häusermarkt, der tief in der Krise steckt.

          „Das Geschäft ist eingebrochen“, bestätigt Thomas Geimer von Huf Haus. Für den Anbieter heiße die Strategie, noch weitere Auslandsmärkte zu erobern, um das Risiko zu streuen. Etwa die Hälfte seines Geschäfts macht Huf außerhalb Deutschlands. Demnächst wird das zweite Haus nach China verschifft. Nun liebäugelt der Hersteller mit dem Moskauer Markt. „Es gibt noch genügend Käufer, die keine Fremdfinanzierung brauchen“, sagt Geimer. 120 bis 130 Kunden hat Huf jedes Jahr.

          Auch Alexander Lux drängt ins Ausland. Bisher liege der Anteil bei 10 Prozent, Hauptmarkt ist Österreich. Für den deutschen Markt wünscht er sich, dass das Bauen günstiger werde. Im Schnitt zahlten die Eigenheimkäufer stattliche 300.000 Euro.

          Beim Verband hat man schon eine Idee, wie man Käufer lockt: Zum einen wirbt der BDF bei den Parteien für eine verringerte Mehrwertsteuer auf Bauleistungen. Zum anderen könnten Energiespar-Häuser, ein Angebot auf das sich die Holzfertigbauer spezialisiert haben, direkt gefördert werden, sagt Achim Hannott. Flagge zeigen ist angesagt.

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