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Fertighäuser : Der Trend zu aufwendigen Häusern

  • -Aktualisiert am

Fertighaus Weiss: alles aus eigener Hand Bild:

In der Wirtschaftskrise hatten die Hersteller von Fertighäusern die Befürchtung, dass sie auf ihren Angeboten sitzenbleiben. Davon ist nichts mehr zu spüren: Die Flucht in die Sachwerte kurbelt das Geschäft an.

          Für die Kunden darf es dieser Tage ruhig ein bisschen mehr sein: an Quadratmetern, an gehobener Ausstattung, an Energieeffizienz – und für manche durchaus auch an ökologischen Baustoffen. „Wer sich jetzt für den Hauskauf entscheidet, spart nicht unbedingt“, sagt Dagmar Fritz-Kramer. Was die Geschäftsführerin der Baufritz GmbH & Co. KG aus Erkheim beobachtet, bestätigen auch Wettbewerber. So berichtet Mathias Schäfer von der Finger-Haus GmbH im nordhessischen Frankenberg von einem „leicht steigenden Durchschnittspreis“. Und Hans Volker Noller, Geschäftsführer von Fertighaus Weiss, beobachtet im Kaufverhalten seiner Kunden schon seit geraumer Zeit „den Trend zum aufwendigeren Haus“.

          Birgit Ochs

          Verantwortliche Redakteurin für „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Noch vor einem Jahr hatten die Fertighaushersteller gebangt, dass die Wirtschaftskrise die Branche insgesamt hart treffen könnte. Die Insolvenz der Kampa AG im Frühjahr 2009 war ein Dauerthema. Zwar galten unternehmerische Fehlentscheidungen als Ursache der wirtschaftlichen Schieflage, in die der nordrhein-westfälische Hersteller geraten war. Dennoch warf der Niedergang des Fertighausbauers einen Schatten auf das allgemeine Geschäft mit Fertighäusern.

          Komplette Käuferschicht weggebrochen

          Was der Branche zu dieser Zeit tatsächlich arg zu schaffen machte, war der fehlende Kaufanreiz durch die gestrichene Eigenheimzulage. „Damit ist uns eine komplette Käuferschicht weggebrochen“, ruft Noller in Erinnerung. Wer nur wenig Eigenkapital habe, der könne sich heute keinen Neubau leisten, ergänzt Schäfer. Der junge Geschäftsführer, der vor drei Jahren zu Finger-Haus stieß und sich auf die vollständige Übergabe des Staffelholzes in der Sparte Vertrieb und Finanzen durch seinen Vater Willi vorbereitet, räumt ein, dass er nach dem Wegfall der Förderprämie ausgesprochen pessimistisch gewesen sei. „Ich dachte, die Branche geht in die Knie.“

          Baufritz als Hausschneider

          Doch so ist es nicht gekommen. Von den 45 Mitgliedsunternehmen, die der Bundesverband Deutscher Holzfertigbau (BDF) zählt, ist seit der Kampa-Insolvenz kein weiteres auf der Strecke geblieben. Immerhin. Denn die Zeiten in der Wohnungsbaubranche sind insgesamt alles andere als rosig. Im Jahr 2009 ist der Bau von Wohnimmobilien um fast 10 Prozent eingebrochen. Mit 159.000 Wohneinheiten, die das Statistische Bundesamt 2009 zählte, hat der Neubau in Deutschland einen neuen Tiefstand erreicht. Besonders betroffen ist das Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser. Hier ging die Zahl der neuen Objekte gar um 12 beziehungsweise 15 Prozent zurück. In diesem Umfeld, heißt es beim BDF, behaupte sich der Holzfertigbau ausgesprochen gut. Einziger Wermutstropfen: Das 2004 ausgerufene Ziel, den Marktanteil auf 20 Prozent zu steigern, ist bisher nicht erreicht. Zurzeit liegt der Anteil bei 15 Prozent.

          Expansion im Krisenjahr

          Einzelne Hersteller wetteifern indes mit positiven Nachrichten. „Wir steigern uns dieses Jahr“, antwortet Fritz-Kramer auf die Frage nach der Umsatzentwicklung. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen aus dem Unterallgäu Häuser im Gesamtwert von 55 Millionen Euro verkauft. In diesem Jahr seien es 60 Millionen. „Wir hatten kein Nachfrage, sondern ein Kapazitätsproblem“, berichtet die Baufritz-Chefin. Der lange Winter behinderte die Montagearbeit. „Wir hatten im ersten Quartal den Hof voll mit Häusern, die nicht montiert werden konnten.“ Das wird nun nachgeholt. Zurzeit arbeiten die 310 Baufritz-Mitarbeiter im Dreischichtenbetrieb, auch Samstags. „Die Leute warten ja auf ihre Häuser“, sagt Fritz-Kramer. Auch Fertighaus Weiss und Finger-Haus kennen das Problem. Alle drei Anbieter sind dabei, ihre Werke auszubauen, und haben im Krisenjahr die Zahl ihrer Mitarbeiter deutlich erhöht; am stärksten Finger-Haus mit 87 auf nun 434 Angestellte.

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