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Ferrero : Die geheimnisvolle Schokodynastie

Ferrero ist in zahlreichen Ländern präsent Bild: REUTERS

Um die Familie Ferrero aus dem Piemont ranken sich viele Gerüchte in der Finanzwelt. Der Familienkonzern ist so solide finanziert, dass er nie einen Börsengang nötig hatte.

          So eine Familie wünscht sich jeder Investmentbanker als Kunde und jeder Ritter der Übernahmeschlachten als Verbündeten. Das Familienoberhaupt Michele Ferrero wird in den Ranglisten als der reichste Italiener geführt, mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 9 Milliarden Euro. Und der Familienkonzern, der die Welt mit Nutella, Rocher, Kinder-Schokolade, Überraschungseiern und Tictac-Bonbons versorgt, ist so solide finanziert, dass er nie einen Börsengang nötig hatte.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Um die Familie Ferrero in Piemont ranken sich deshalb nun viele Gerüchte in der Londoner Finanzwelt. Schließlich geht es dort um den Schokoladenhersteller Cadbury, den der amerikanische Nahrungsmittelkonzern Kraft („Milka“) übernehmen will (siehe auch:Kraft Foods will Cadbury schlucken). Der kleinere amerikanische Süßwarenhersteller Hershey („Kitkat“) will den Konkurrenten nicht so einfach davonziehen lassen und hätte nun gerne die Ferreros als Verbündete für ein gemeinsames Gegenangebot.

          Lange Zeit aus eigener Kraft gewachsen

          Doch die Italiener zieren sich. Zunächst schien es, als wollten einige Banker mit Indiskretionen in einem Wirtschaftsblatt das Interesse der Familie wecken. Nun hat die Ferrero-Gruppe in einer dürren Verlautbarung mitgeteilt, man sei noch „in einem frühen Stadium der Prüfung unserer Optionen zu Cadbury“. Versprochen wurde nur, das Dossier Cadbury einmal anzusehen. Ob sich daraus ein ernsthaftes Engagement entwickelt, ist gerade im Hause Ferrero eine spannende Frage. Die führt nämlich geradewegs zu strategischen Weichenstellungen für die Familie und für den Konzern.

          Nutella gehört noch immer zu den Umsatzbringern

          Der Patriarch Michele Ferrero, geboren 1925, war bisher strikt gegen jegliches Wachstum mit Übernahmen, ebenso wie gegen die Idee eines Börsengangs. Die Ferrero-Gruppe ist mit ihrer Expansion im Ausland, begonnen 1957 mit der Produktion von „Mon Cheri“ im hessischen Stadtallendorf, vielen anderen Unternehmen um Jahrzehnte zuvorgekommen und konnte daher bequem einen Markt nach dem anderen erobern. Wer heute international präsent sein will, muss gleichzeitig in vielen Märkten präsent sein und kommt an der Börse nicht vorbei. Die Ferreros dagegen wuchsen nur aus eigener Kraft und erzielten auch damit 2008 einen Jahresumsatz von 6,2 Milliarden Euro mit einem Nettogewinn von 98 Millionen Euro. Dagegen wären Pressekonferenzen oder Börsenpräsentationen für Michele Ferrero ein Greuel. Schließlich hält er sich mit aller Konsequenz vom mondänen Leben Italiens fern, das auf viele italienische Unternehmer große Anziehungskräfte entfaltet.

          „Armer Unternehmer, reiches Unternehmen“

          Die piemontesische Unternehmerfamilie orientiert sich dagegen an den eher calvinistischen Prinzipien, wie sie in Genua oder in manchen Tälern des italienischen Nordwestens gelten. Der Stammsitz Alba liegt in der Provinz Cuneo, die im Süden an die schroffen Berge des Apennins grenzt und deshalb von Turin aus gesehen ein abgelegenes Tal ohne Ausgang darstellt. Fleiß und Sparsamkeit waren die Maxime, um sich aus der Abgeschiedenheit emporzuarbeiten, und sie gelten heute noch. Daher predigen die Ferreros noch heute das Leitbild „armer Unternehmer, reiches Unternehmen“. Für diejenigen, die zu großem Wohlstand gekommen sind, bleibt es auf jeden Fall unfein, großen Besitz vorzuzeigen.

          Karge Verhältnisse waren zudem auch Antriebskraft für die Produktideen der Ferreros. Micheles Vater, ein Konditor, suchte in der Nachkriegszeit nach Wegen, ohne die teuren Einfuhren an Rohkakao auszukommen, die für die Turiner Traditionsprodukte nötig waren. Zusammen mit dem Sohn experimentierte er mit einer Creme, in der ein Großteil des Kakao durch Creme aus den lokalen Haselnüssen ersetzt wurde. Auf diese Weise entstand der Nutella-Aufstrich, der auch sechzig Jahre später noch zu den Umsatzbringern des Konzerns gehört.

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