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Fernseher-Hersteller : Loewe meldet Insolvenz an

  • Aktualisiert am

Kontrollknopf an einem Loewe-Fernseher Bild: REUTERS

Einer der letzten deutschen Fernseher-Hersteller kämpft ums Überleben. Schon im Juli hatte Loewe Gläubigerschutz beantragt. Jetzt meldet das Unternehmen nahtlos Insolvenz an.

          Der traditionsreiche Fernseherbauer Loewe meldet Insolvenz an. Ein entsprechender Antrag auf Planinsolvenz in Selbstverwaltung werde am Dienstag beim Amtsgericht Coburg eingereicht, sagte Firmenchef Matthias Harsch. Während des Insolvenzverfahrens in Eigenregie werde dem Gläubigerausschuss ein Sanierungsplan vorgelegt, in dem ein neuer Geldgeber bereits vorgesehen sei. Das Management könne an Bord bleiben und sich weiter um die Verhandlungen kümmern.

          Harsch hält die Chancen für eine Rettung in letzter Minute für gut: „Wir haben sechs Angebote von Investoren, über die wir in den kommenden vier Wochen entscheiden“, sagte der Loewe-Chef. Es gebe „eine extrem hohe Wahrscheinlichkeit“, dass Loewe bis Ende Oktober einen neuen Investor haben werde. Das operative Geschäft sei derzeit bis etwa Jahresende finanziert. „Ohne Investor ist es natürlich aus.“

          An der Börse flohen die Anleger in Scharen, die Loewe-Aktie sackte um ein Drittel auf 4,10 Euro ab. Bereits im Sommer drohte den Kronachern, die seit Jahren Verluste schreiben, das Geld auszugehen. Sie beantragten ein Schutzschirmverfahren, um zunächst Ruhe vor den Gläubigern zu haben. Im Zuge der Sanierung verloren mehr als 300 der einst über 1000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

          Loewe fand in der Zeit zwar mit dem chinesischen Wettbewerber Hisense einen Partner für Technologie und den Vertrieb in Asien. Die Staatsfirma brachte allerdings kein frisches Geld mit. Mit der nun folgenden Planinsolvenz ist Loewe seine Gläubiger los, das Unternehmen formal entschuldet.

          Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Pleite wird dem Erfinder des elektronischen Fernsehens kein Insolvenzverwalter an die Spitze gesetzt. Die Geschäftsführung darf unter den Augen eines Sachwalters selbst versuchen, die Wende zu schaffen.

          Bayern hat Hilfe versprochen

          Der Freistaat Bayern hat Loewe bereits zugesagt, eine Finanzspritze eines neuen Geldgebers mit einer Bürgschaft abzusichern. Altlasten wollte die Landesregierung allerdings nicht finanzieren. Der japanische Wettbewerber Sharp und der frühere Aufsichtsratschef Rainer Hecker haben ihre Anteile von insgesamt knapp der Hälfte bereits gebündelt, um sie schnell einem neuen Investor übertragen zu können, der von einem verpflichtenden Übernahmeangebot befreit ist.

          Sollte die Traditionsfirma zusammenbrechen, ginge ein weiterer der einst gut 30 klangvollen deutschen Hersteller von Unterhaltungselektronik zugrunde. Von den großen Namen - darunter Nordmende, SABA, Telefunken und Schneider - haben nur drei überlebt: Loewe, Metz und die relativ junge TechniSat. Zusammen kommen sie in Europa auf einen Marktanteil von weit unter zehn Prozent. Nachdem Philips sein Unterhaltungselektronik-Geschäft aufgegeben hat, gibt es in Europa nur noch den türkischen Koc-Konzern mit seiner Marke Grundig und Bang & Olufsen aus Dänemark. Der Rest kommt aus Korea, Japan und immer mehr aus China.

          Dabei schien es für Loewe noch vor wenigen Jahren so, als habe das Unternehmen seine schwerste Krise hinter sich. Als die Oberfranken Anfang des vergangenen Jahrzehnts den Trend zu Flachbildschirmen verschlafen hatten, sprang Sharp bei. Loewe möbelte die Modellpalette auf und punktete in kurzer Zeit mit edlem Design. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 brachte dem Haus einen Umsatzschub. Die Mitarbeiter, die während der Flaute auf Teile ihres Gehalts verzichtet hatten, bekamen vom damaligen Vorstandschef Hecker die Einbußen mit hoher Verzinsung zurückbezahlt. Wenig später erhielten die Aktionäre wieder eine Dividende. Vom "Wunder von Kronach" ist die Rede.

          Doch der Zauber verfliegt rasch. Mit der Internationalisierung kommt Loewe nicht voran, eine stärkere Zusammenarbeit mit Sharp wird über Jahre verhandelt und findet schließlich nie statt. Viele Neuentwicklungen bekommt Loewe zu spät fertig, hinkt technisch häufig einen Tick der Konkurrenz hinterher. Und die bietet ihre Modelle immer billiger an. Der Durchschnittspreis für LCD-Bildschirme in Europa sackt unter 600 Euro, während Loewe für seine Fernseher weiter das Dreifache oder mehr aufruft.

           Nach dem Wechsel Heckers in den Aufsichtsrat dreht sich das Personalkarussell schneller und schneller. Firmenchefs und Vorstände werden in rascher Folge ausgewechselt, doch ohne Erfolg. Loewe verharrt in der Verlustzone, der Umsatz schwindet immer stärker, zwischendurch wird Loewe sogar als Übernahmekandidat für den amerikanischen Technologieriesen Apple gehandelt. Schließlich treten Harsch vom Wurstwaagehersteller Bizerba und der Sanierungsexperte Rolf Rickmeyer an. Sie setzen auf verstärkte Fertigung im Ausland. Nur noch einzelne Modelle sollen künftig in der "Fernseher-Manufaktur" in Kronach gebaut werden. Nun hoffen einige in Oberfranken auf ein zweites Wunder.

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