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Nach Thomas Cook-Insolvenz : Condor erwartet Verkauf bis zum Frühjahr

Eine Condor-Maschine im September in Düsseldorf Bild: EPA

Der Chef legt gute Geschäftszahlen für das Jahr vor, in dem der Mutterkonzern Thomas Cook unterging. Doch nun braucht er Investoren und die Suche gestaltet sich nicht hürdenfrei.

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          Die neuen Werbeplakate stehen Flur – das gelbe Herz, Logo des insolventen Reisekonzerns Thomas Cook ist darauf verschwunden. Der neue Flugplan für den Sommer 2020 liegt vor – erstmals geht es direkt nach Tivat in Montenegro, Toulon in Südfrankreich und Paphos auf Zypern. Bei der Fluggesellschaft Condor stehen alle Zeichen auf Durchstarten ohne den bisherigen Mutterkonzern. Und der Chef Ralf Teckentrup gibt sich kämpferisch, das neue Zeitalter von Condor mit 4900 Beschäftigten soll besser als das bisherige werden. „Im Unternehmen Condor stecken Fähigkeiten, die andere deutsche Fluggesellschaften so nicht haben“, sagt er.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch davon müssen zunächst Investoren überzeugt werden. „Anfang bis Mitte Dezember werden uns die nicht bindenden Angebote vorliegen, damit wir danach mit Interessenten über den potentiellen Verkauf verhandeln können“, sagt Teckentrup. Spätestens Ende März muss Condor einen staatlichen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro zurückzahlen. „Der Prozess ist zeitlich sehr anspruchsvoll. Ich bin zuversichtlich, im Frühjahr einen positiven Abschluss zu haben“, sagt Teckentrup.

          Condor befindet sich in einem vorläufigen Schutzschirmverfahren, einer erst zum Beginn des Jahrzehnts geschaffenen Sonderregelung im deutschen Insolvenzrecht für Unternehmen, die unverschuldet in Bedrängnis geraten sind. Bei Condor war es die Finanznot des britischen Mutterkonzerns, der einen Großteil der Liquidität der deutschen Fluggesellschaft beansprucht hatte. Hilfreich für Teckentrups Zukunftspläne ist, dass Sachverwalter Lucas Flöther, der schon die Insolvenz von Air Berlin bearbeitet, in Condor einen Musterfall für das Schirmschutzverfahren sieht – ein Unternehmen, das ohne eigenes Zutun in die Klemme geriet. Das Verfahren schützt auch davor, dass Gläubiger des bisherigen Mutterkonzerns ihre Forderungen direkt an Condor richten. Sie können sich ab Dezember im Schutzschirmhauptverfahren an Sachwalter Flöther wenden.

          15 Prozent Auslastung verloren

          Teckentrup verweist vor den Verkaufsgesprächen auf seine Zahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr. Der Umsatz war um 6 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden Euro gestiegen, der Gewinn vor Zins- und Steuerzahlungen gar um 32 Prozent auf 57 Millionen Euro. Während der Mutterkonzern ins Aus trudelte, liefen für Condor die Geschäfte deutlich besser als in den Vorjahren. Dass unter dem Strich letztlich ein Minus stehen dürfte, wird allein an Abschreibungen liegen, die durch die Cook-Insolvenz unvermeidlich waren. Das ändert nichts an Teckentrups Sicht: „Condor ist ein großartiges Unternehmen. Wir sind eine der wenigen Fluggesellschaften in Europa, die von den vergangenen 16 Jahren 15 Jahre mit Gewinn abgeschlossen hat.“

          Mancher Konkurrent im Ferienfluggeschäft tun sich schwer. 2019 musste die Gesellschaft Germania aufgeben. Bei Lufthansa hat die auf Urlaubsstrecken eingesetzte Eurowings Verluste eingeflogen. Für Easyjet bedeutete der Sprung in Air-Berlin-Lücken in Deutschland zusätzlich hohe Kosten. Und der TUI-Konzern verweist stets mit Blick auf seine Airline TUI Fly vielsagend darauf, dass sie sich in der Zusammenschau mit dem Verkauf kompletter TUI-Urlaube rechne.

          Das Jahr eins nach Thomas Cook ist indes gut angelaufen. „Ohne das Vertrauen von Geschäftspartnern und Kunden würden wir heute hier nicht mehr sitzen“, sagt Teckentrup. „Durch den Wegfall der Thomas-Cook-Reisenden sind 15 Prozent unserer Auslastung verloren gegangen. Wir haben diese Lücke durch Verträge mit anderen Reiseveranstaltern wieder geschlossen.“ Schon im Oktober lag die Auslastung mit 88 Prozent nur einen Prozentpunkt unter dem Oktober des Vorjahres. Urlaubsanbieter wie DER, FTI, Alltours und Schauinsland-Reisen buchten ihre Pauschalreisekunden eifrig weiter auf Condor-Flüge.

          Weg aus Thomas Cook-Zentrale

          Teckentrup will das erhalten. „Die beste Lösung ist, dass ein Käufer Condor als Ganzes übernimmt. Es gibt viele Gründe, warum wir so aufgestellt sind, wie wir es sind“, sagt er. Doch ein Urlaubsfluganbieter, der mit etwa 55 Flugzeugen kurze Strecken zum Mittelmeer und weite Distanzen in die Karibik fliegt, ist ein Unikat. Dazu kommt, dass Condor zu Massenzielen auf Großkontrakte mit Reisekonzernen für deren Pauschalurlauber setzt und daneben auf Nischenstrecken zu anderen Kontinenten im klassischen Linienflug aktiv ist.

          Gut möglich, dass andere Fluggesellschaften sich nur für einen Teil interessieren. „Wenn man auf die möglichen strategischen Investoren aus der Luftfahrt in Europa blickt, ist aber auch eine Zerschlagung nicht auszuschließen“, räumt Teckentrup ein. Doch es könnten sich auch branchenfremde Investoren interessieren. Letztlich entscheidet nicht Teckentrup über den Verkauf, sondern der Gläubigerausschuss im Schutzschirmhauptverfahren.

          Durch Kostensenkungen soll Condor attraktiver werden. Eine Abteilung, die bislang in der deutschen Thomas Cook-Zentrale zur Miete saß, hat man schon ins Condor-Gebäude am Frankfurter Flughafen geholt. Auch Mitarbeiter müssen in laufenden Tarifgesprächen wohl Zugeständnisse machen. Und im Schutzschirmverfahren ist Condor seine Pensionsverpflichtungen los geworden.

          Dass TUI angekündigt hat, im kommenden Jahr selbst Langstreckenflüge anbieten zu wollen und damit in eine Condor-Domäne einzufallen, schreckt Teckentrup nicht. Zwar sitzen aktuell auch TUI-Urlauber in seinen Flugzeugen, doch er sieht Alternativen, sofern der Konzern aus Hannover künftig einige Kunden selbst zu Fernzielen befördert. „Wir haben eine Liste mit Zielen, die wir gern zusätzlich anfliegen würden, es aber in der Vergangenheit noch nicht gemacht haben. Falls uns 2020 der eine oder andere Flug unwirtschaftlich wird, haben wir schon mehrere andere in der Vorbereitung, die wir gerne fliegen werden“, sagt Teckentrup. Seine Mitarbeiter haben in den vergangenen Wochen sogar schon weit die Gestaltung eines Flugplans für 2021 vorangetrieben.

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