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Streit im Porsche-Piëch-Clan : Abgang als Feind

  • -Aktualisiert am

Ferdinand Piëch kämpft alleine gegen den Rest der Familie. Bild: Polaris/laif

Ferdinand Piëch bricht endgültig mit Firma und Familie, menschlich wie finanziell. Was aber macht er mit der Milliarde, wenn er sein Aktienpaket am VW-Porsche-Imperium verkauft?

          Wie ist eine Familie zu bändigen, die sich partout nicht verträgt? Im Fall des Porsche-Piëch-Clans haben sie es in den 70er Jahren mit Therapeuten versucht. Vergebens. Es folgten Zeiten, in denen man sich mal mehr, mal weniger arrangierte. Jetzt ist jede Aussicht auf Harmonie dahin: Ferdinand Piëch, bald 80 Jahre alt und über Jahrzehnte der dominante Mann in Familie wie VW-Konzern, bricht alle Brücken ab, menschlich wie finanziell. Seine Anteile am familieneigenen Imperium will er losschlagen, seinen Einfluss dort verliert er damit automatisch. Welch bitteres Ende für den genialen Automann, der Volkswagen einst vom Fast-Ruin an die Weltspitze geführt hat!

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Einfach war Piëch noch nie, gefürchtet von Untergebenen wie innerhalb der Verwandtschaft. Die Verletzungen, welche das Verhältnis belasten, liegen lange zurück, mit dem 2015 von der Restfamilie erzwungenen Abschied von Volkswagen wurde die Beziehung offen feindselig: Piëch drohte erstmals, seine VW-Anteile zu verkaufen und zürnte, nie wieder mit Cousin Wolfgang Porsche gemeinsam einen Raum zu betreten.

          „Man kann sich die Verwandtschaft nicht aussuchen“

          Die akute Erregung mag sich hinterher leicht abgekühlt haben, der Zorn aber blieb. Der Wunsch nach Rache wohl auch. Mit dem Diesel-Skandal erwuchs daraus ein Familienkrieg, die Lage geriet spätestens dann außer Kontrolle, als Ferdinand Piëch Cousin und Bruder beim Staatsanwalt anschwärzte. Er hätte die in ihrer Funktion als VW-Aufsichtsräte schon viel früher als von denen zugegeben über die Machenschaften informiert, soll der ehemalige Konzernherrscher ausgesagt haben – ohne Rücksicht darauf, sich damit selbst zu belasten und sein Vermögen, die Anteile am VW-Konzern, zu gefährden.

          Damit war klar: Hier ist nichts mehr zu kitten. Ferdinand Piëch wurde ausgestoßen vom Clan, man verbündete sich gegen den früheren Alleinherrscher, der einst alles und jeden nieder kartätscht hat. Waren in früheren Zeiten beschwichtigende Formeln über das familiäre Verhältnis zu hören, tönte nun alles nach offenem Krieg. Selbst enge Verwandte sprachen vor Dritten plötzlich von einem „bösen Menschen“, Ferdinand Piëchs Benehmen sei das „Allerletzte“. Auf dem Automobilsalon in Genf wütete gar der sonst so sanfte Wolfgang Porsche neulich öffentlich über den Vetter: „Man kann sich die Verwandtschaft nicht aussuchen.“ Cousin Ferdinand habe sein Lebenswerk zerstört.

          Reden mussten die zwei trotzdem miteinander, schließlich sitzt Piëch als Miteigentümer nach wie vor im Aufsichtsrat der Porsche SE in Stuttgart, dem finanziellen Machtzentrum der Familie. Vor zehn Tagen, Freitag vor einer Woche, tagten dort die Kontrolleure, als in den Vorbesprechungen klar wurde: So geht es nicht weiter. Der Anlass für den Konflikt war die Neubesetzung des Aufsichtsrates der Porsche SE, eine Gelegenheit, die Verhältnisse neu zu ordnen.

          Weg mit dem Störenfried

          Die Arbeitnehmervertreter geben ihre Mandate zurück, sie hätten nichts zu suchen in einer Finanzholding, am Tisch der Milliardäre, so sagen sie. Ihr Einfluss sei dort gefragt, wo die Fabriken sind – bei Volkswagen und der Porsche AG, dem Sportwagenhersteller, nicht zu verwechseln mit der Porsche SE, wo das Vermögen verwaltet wird.

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