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Ferdinand Piëch im Porträt : Macht und Niederlage

Ferdinand Piëch, geboren am 17. April 1937 Bild: dpa

Bisher galt das Wort des mächtigen Aufsichtsratschefs bei VW als Gesetz. Diese Gewissheit ist seit dem Showdown in Salzburg erschüttert. Anders als viele glauben ist es nicht die erste große Niederlage im Leben des Ferdinand Piëch.

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          Es roch in Salzburg nach Putsch in der Nacht zum Freitag: In seinem eigenen Büro war Ferdinand Piëch, dem bis dahin allmächtigen Herrscher über das VW-Imperium, die Macht entglitten. Ihm drohte der Verlust seines Amtes als Oberkontrolleur des Konzerns.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Präsidium des Aufsichtsrates, sechs Mann, hatte sich am Donnerstagnachmittag zur Krisenrunde versammelt. Wieder einmal ging es um die alles entscheidende Frage: Wer hat das Sagen im Konzern? Über Sachliches wurde nicht geredet, mit keinem Wort. Nicht über Elektromobilität, verhunztes Amerika-Geschäft, schwache Kennzahlen der Kernmarke VW. Alles kein Thema. Es ging um das Schicksal von Menschen. Und um die Macht.

          Und da stellten sich die fünf Gäste gegen den Hausherren, in einer Aggressivität, wie Piëch sie noch nicht erlebt hat. Es war nicht einmal nötig, formal abzustimmen, so ist im Nachhinein aus der Runde zu hören: Ferdinand Piëch, Enkel des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche, stand allein in der Schlacht, mutterseelenallein.

          Am Ende gewinnt eigentlich immer Piëch

          Die Gewerkschafter – Betriebsratschef Bernd Osterloh, sein Stellvertreter Stephan Wolf und Ex-IG- Metall-Chef Berthold Huber – waren gegen Piëch. Auf der Kapitalseite Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) als Miteigentümer (das Land hält 20 Prozent der VW-Anteile). Sogar Wolfgang Porsche, Piëchs Cousin, befand sich im anderen Lager.

          Alle fünf schlugen sich auf die Seite des Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn, in den Augen Piëchs nicht mehr als ein leitender Angestellter, der ein- und abzusetzen ist, wie es seinem Willen und dem Wohl des Konzern entspricht: Beide Dinge sind für Piëch stets dasselbe, womit der Konzern bislang auch gut gefahren ist, zu einem automobilen Giganten gewachsen ist: Zwölf Marken, 200 Milliarden Euro Umsatz, 600.000 Arbeitsplätze.

          Nun also befand Oberaufseher Piëch, der VW-Chef müsse weg, ersetzt werden durch den „Richtigen“ (dessen Namen er wohlweislich für sich behielt). „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“: Mit diesem einen, hingeworfenen Satz gedachte Piëch, den Manager abzuservieren, ganz so, wie er es schon so oft praktiziert hatte. Der Satz hat die deutsche und internationale Öffentlichkeit in der vergangenen Woche mit hohem Unterhaltungswert viel beschäftigt. Auf die Widerworte aus der Familie Porsche sowie anderer Aufsichtsräte hat das Publikum Anfang der Woche wenig gegeben, erst recht nicht auf Winterkorns Protest und Versicherung, er werde sich nicht vom Hof jagen lassen. Bisher galt stets: Piëch, der geniale Techniker der Macht, zog in jedem Streit ausreichend Verbündete auf seine Seite, mit welchen Kniffen auch immer. Was immer passiert, am Ende obsiegt Ferdinand Piëch.

          Der offene Putsch drohte

          Seit Donnerstagabend ist diese Gewissheit erschüttert. Seine fünf Mit-Aufsichtsräte, obwohl auch sie Winterkorn manchen Fehlschlag vorhalten, griffen Piëch für seinen Alleingang an, fanden das Vorgehen skandalös, verlangten eine Ehrenerklärung für den Vorstandschef, eine Garantie, dass er im Amt bleibe, sogar das Versprechen, ihn im Jahr 2016 mit einem neuen Vertrag auszustatten (dabei wird der Schwabe im Mai 68 Jahre alt).

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