https://www.faz.net/-gqe-82bzq

Ferdinand Piëch im Porträt : Macht und Niederlage

Ferdinand Piëch widersetzte sich, drohte, stellte Gegenforderungen, verlangte einen Preis dafür, einer entsprechenden Erklärung zuzustimmen. Die Diskussion eskalierte. Seine Gegner blieben hart, nichts wollten sie ihm in dieser von ihm selbst angerichteten Lage schenken, gar nichts. Ihr nächster Schritt, so viel war allen Beteiligten klar, wäre es, den Patriarchen Piëch zum Rücktritt vom Aufsichtsratsvorsitz aufzufordern – der offene Putsch. Um den Konflikt herunterzukühlen, stellte man sich schließlich gegenseitig ein Ultimatum: Bis zum Freitagmorgen möge jede Seite ihre unversöhnliche Position überdenken.

Dies hatte zur Folge, dass der VW-Konzern weder Donnerstagabend noch Freitagfrüh ein Ergebnis der Sitzung vermelden konnte. Zur Begründung wurden juristische, sprachliche und sonstige technokratische Ausflüchte genutzt.

Von sich aus wird der Patriarch nicht zurücktreten

In Wahrheit musste abgewartet werden, bis Piëch am Freitagmorgen, ausgerechnet an seinem 78. Geburtstag, seine Niederlage eingestand und in das Dokument einwilligte, das der Rest des Präsidiums am Vorabend entworfen hatte. Erst gegen Freitagmittag – um 11 Uhr 40, um genau zu sein – schickte VW den Sieben-Zeiler als Pressemitteilung raus: „Das Präsidium des Aufsichtsrates der Volkswagen AG stellt fest, dass Professor Dr. Martin Winterkorn der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen ist.“ Dem Manager wird darin die „uneingeschränkte Unterstützung“ des Gremiums versichert, also auch die des Vorsitzenden Ferdinand Piëch.

Wie man sich dies vorzustellen hat, vermag niemand zu sagen. Der Patriarch selbst schweigt nach der Demütigung. „Kein Kommentar“, heißt es aus seinem Büro in Salzburg. Die übrigen Beteiligten bemühen sich öffentlich um versöhnliche, den Schaden begrenzende Töne. Angeblich finden sie nichts dabei, dass nach dieser erbitterten Schlacht VW-Chef Winterkorn und sein Chefaufseher Piëch am 5. Mai friedlich auf der Bühne der VW-Hauptversammlung sitzen sollen.

Tags zuvor trifft sich der VW-Aufsichtsrat zu seiner nächsten, routinemäßigen Sitzung – so viel Routine, wie nach diesem Zoff eben möglich ist. Zu einer Revolte gegen Piëch, wie von manchem seiner Gegner herbeigesehnt, wird es nicht kommen. Wer sollte sie auch anzetteln? Osterlohs Betriebsräte sicher nicht, die Familie Porsche ganz bestimmt auch nicht, so wird in deren Kreisen versichert. Und von sich aus wird Ferdinand Piëch nicht aufgeben. So ein Mann tritt nicht zurück. So ein Mann geht auch nicht in Pension. Piëchs Mission endet, wenn sein Leben endet.

Die entscheidende Niederlage liegt Jahrzehnte zurück

Ist diese herbe Demütigung also die erste große Niederlage im Leben des erfolgsverwöhnten Machtmenschen und Auto-Despoten Piëch? Eine nie erlebte Zäsur für ihn? Manche Deutung nach der ersten Überraschung am vergangenen Freitag vermittelte diesen Eindruck. Aber dieser Eindruck wäre völlig falsch. Piëch hat in seinem Leben schon einige Niederlagen von Gewicht erlebt. Dass Machtmenschen mit ihrem gigantischem Ego jederzeit siegreich durch das Leben gehen, ist ein großes Missverständnis, welches genährt wird durch Fernsehserien vom Schlage von „House of Cards“.

Weitere Themen

Bahn legt Milliardendeal wohl auf Eis

Auslandstochter Arriva : Bahn legt Milliardendeal wohl auf Eis

Die Bundesregierung will offenbar Bahn-Finanzvorstand Alexander Doll zum Rücktritt bewegen. Jetzt wird auch klar, warum: Denn eines seiner Hauptprojekte wird wohl gleich mit beerdigt. Für die hoch verschuldete Bahn, die sich einen milliardenschweren Erlös erhofft hatte, sind das keine gute Nachrichten.

Auf dem Prüfstand

F.A.Z.-Sprinter : Auf dem Prüfstand

Pünktlich zu Karneval hofft die Koalition auf Beständigkeit statt Narrenfreiheit. Der Eignerwechsel beim Waffenkonzern Heckler&Koch sorgt für Unruhe – und in Spanien droht Stillstand. Wieder einmal. Was sonst wichtig wird, der F.A.Z.-Sprinter.

Topmeldungen

Altersvorsorge : Rentenpolitik ohne Kompass

Die Koalition lobt die Grundrente als einen „sozialpolitischen Meilenstein“. Die Wahrheit ist: Die Grundrente wird weder das Vertrauen in den Generationenvertrag stärken, noch taugt sie als Konzept gegen Altersarmut.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.