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Fehlende Teile aus Japan : Erste Lieferschwierigkeiten durch starke Zerstörung

  • Aktualisiert am

Container im Hafen von Sendai nach dem Erdbeben Bild: dapd

Die japanischen Hersteller bemühen sich, ihre Fabriken in Gang zu setzen. Doch der Ausfall der Produktion verursacht erste Schwierigkeiten: Opel muss zwei Werke vorübergehend schließen. Insgesamt bleiben die Probleme aber noch sehr begrenzt.

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          Unternehmen auf der ganzen Welt analysieren in Krisenstäben, wie sich die Situation ihrer Lieferanten in Japan in den kommenden Wochen auf die eigene Fertigung auswirken kann. Die meisten Industriebetriebe kommen dabei zu der Erkenntnis, dass eine eher kurzfristige Unterbrechung der Produktion in Japan keine größeren Auswirkungen haben wird. Kommt die japanische Wirtschaft nicht so schnell in Gang, wie die meisten Fachleute es zur Zeit erwarten, wird an Plänen für Ersatzlieferungen gearbeitet.

          So steht die erste deutsche Autofabrik wegen der Japan-Krise zwar bald still: Bei Opel fallen am Montag und Dienstag im Corsa-Werk Eisenach jeweils zwei Schichten aus. Das spanische Werk Saragossa wird den ganzen Montag angehalten. Es fehlt ein Elektronikbauteil eines japanischen Zulieferers. Von derart kurzen Ausfällen bekomme der Kunde aber nichts mit, sagte ein Sprecher. Weitere Unterbrechungen seien für die kommende Woche zunächst nicht geplant. Was danach geschehe, müsse kurzfristig entschieden werden. Der Autohersteller Honda hat den Produktionsbeginn in den meisten seiner heimischen Werke verschoben. Statt am kommenden Montag werde die Fertigung nun voraussichtlich erst am Donnerstag wieder aufgenommen, teilte Honda mit. Für die deutschen Kunden wird sich dadurch aber nichts ändern. „Unsere Lager sind voll und es sind noch Schiffe mit neuen Wagen unterwegs“, sagte ein Sprecher von Honda Deutschland.

          Die Industrieregionen sind weitgehend verschont geblieben

          „In den nächsten sechs Wochen erwarten wir keine Lieferprobleme.“ Wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt, stammen 70 Prozent der hierzulande verkauften Honda aus europäischer Produktion; auch der überwiegende Teil der Zulieferteile werde lokal eingekauft. „Die Kollegen in Japan werden die anderthalb Wochen Ausfall durch Sonderschichten wohl wieder aufholen können“, sagte der Sprecher. Die Lücke, die sich durch den langen Seetransport erst mit Verzögerung in Europa auftut, sei überschaubar.

          Branchenprimus Toyota hat angekündigt, die meisten seiner Werke erst Mitte nächster Woche wieder in Betrieb zu nehmen. In einigen Zulieferwerken soll die Arbeit aber schon früher beginnen. Die Industrieregionen von Japan waren von der Katastrophe weitgehend verschont geblieben. Gleichwohl wird in den Vereinigten Staaten wegen Unterbrechungen in der Lieferkette erstmals die Produktion in einem Werk ausgesetzt. Dabei trifft es allerdings keines der vielen Werke japanischer Hersteller, sondern den amerikanischen Autokonzern General Motors (GM). Das Unternehmen teilte mit, die Produktion in einem Werk im Bundesstaat Louisiana vom kommenden Montag an vorübergehend einzustellen, weil Bauteile fehlen. In dem Werk werden die beiden kleineren Pick-up-Transporter Chevrolet Colorado und GMC Canyon hergestellt. Keines der zwei Modelle gehört zu den größten Verkaufsschlagern des Unternehmens, und GM hat ausreichend Bestände, daher dürfte der Produktionsstopp zumindest kurzfristig das Geschäft kaum beeinträchtigen. In allen anderen Fertigungsstätten von GM läuft die Produktion normal weiter. Die japanischen Hersteller produzieren bislang ebenfalls noch in allen amerikanischen Werken, allerdings haben Toyota und Subaru an ihren Standorten Überstunden gestrichen. Der amerikanische GM-Wettbewerber Ford hält bislang seinen Betrieb in allen Werken wie gewohnt aufrecht.

          Nissan besonders betroffen

          In Japan besonders betroffen ist der Autohersteller Nissan, der zum Renault-Konzern gehört. Nissans Zulieferer Jatco hat die Produktion von Getrieben in seinen drei Werken an der Südostküste nach dem Erdbeben vorübergehend angehalten. Nach Angaben des Prognoseinstituts IHS Automotive ist Jatco ein wichtiger Partner und Lieferant für den Mutterkonzern Nissan, der zudem noch über ein Motorenwerk in der Nähe des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima verfügt. Auch der japanische Kugellagerhersteller NSK hat die Produktion in seinen zehn Fabriken teilweise ausgesetzt. Nach Mitteilung des Unternehmens gab es zwar keine großen Schäden, doch seien viele Anlagen durch das Beben verschoben worden.

          Auch die Chipindustrie in Japan kann derzeit nicht produzieren. Hier gab es zwar keine direkten Schäden an den Fabriken, trotzdem müssen die empfindlichen Maschinen noch hinsichtlich möglicher Beschädigungen untersucht werden, bevor die Produktion wieder angefahren werden kann. Das kann sich nach Ansicht von D&B, eines Anbieters von Wirtschaftsinformationen, bis weit in das zweite Quartal 2011 hinziehen.

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