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Fehlbetrag von 147 Millionen Euro : Hoher Quartalsverlust belastet die West LB

  • -Aktualisiert am

Millionenverluste für die West LB: Es ist das schlechteste Quartalsergebnis seit dem Frühsommer 2008 Bild: dpa

Im dritten Quartal hat die West LB so schlecht wie lange nicht mehr abgeschnitten - und solange die verschärfte Prüfung im Beihilfeverfahren nicht beendet ist, führt der Blick nach vorn für die Landesbank ins Dunkle.

          3 Min.

          Im angelaufenen Verkaufsprozess präsentiert sich die West LB mit einem hohen Konzernverlust im dritten Quartal. Es ist das schlechteste Quartalsergebnis seit dem Frühsommer 2008. So weist der Zwischenbericht vor Steuern einen Fehlbetrag von 147 Millionen Euro aus. Im Vorquartal waren es noch positive 42 Millionen Euro, während im entsprechenden Vorjahresquartal 40 Millionen Verlust angefallen waren. Der Konzernverlust im dritten Quartal beträgt 120 (Vorjahr: 40) Millionen Euro nach 28 Millionen Euro Konzerngewinn im Vorquartal. Eine der großen Belastungen ist der auf 142 (458) Millionen Euro eingebrochene Zinsüberschuss. Zum größeren Teil ist dies darauf zurückzuführen, dass Zinsaktiva aus der Bankbilanz ausgegliedert worden sind.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Dieses schlechte Abschneiden im Herbst schmilzt den bis zur Jahresmitte erzielten Konzerngewinn von 114 Millionen Euro vor und 67 Millionen Euro nach Steuern vollständig ab. So ist die angeschlagene Landesbank mit einem Verlust von 33 Millionen Euro vor Steuern und 53 Millionen Euro nach Steuern in das letzte Quartal gegangen. Im Vergleich mit dem Vorjahr hat sich das Ergebnis sogar um 237 Millionen Euro verschlechtert.

          Frist bis zum 15. Februar für den Restrukturierungsplan

          Der Bankvorstand hatte bisher im Geschäftsjahr eine „schwarze Null“ angestrebt. Nun kann er einen Verlust nicht mehr ausschließen. Die Jahre 2010 und 2011 seien stark von den Folgen der Umsetzung der Vorgaben geprägt, die die Europäische Kommission gemacht hat. Vor allem erschwere das noch nicht abgeschlossene Beihilfeverfahren eine Ergebnisprognose für 2010, heißt es im Zwischenbericht. Denn es ist nicht nur der scharfe Gegenwind im operativen Geschäft, auch die Wettbewerbskommission in Brüssel setzt die Bank mächtig unter Druck.

          EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia hatte der West LB vor zwei Wochen eine Frist bis zum 15. Februar kommenden Jahres gesetzt, um einen endgültigen Restrukturierungsplan vorzulegen. In diesem muss die Bank erläutern, wie sie langfristig überleben will. Außerdem soll bis dahin die Immobilien-Tochtergesellschaft Westimmo verkauft sein. Im Umfeld der West LB wird das als extrem kurze Frist gewertet.

          Auf Basis des neuen Restrukturierungsplans der West LB will Almunia eine Entscheidung in dem laufenden Beihilfeverfahren treffen; im Extremfall könnte die Bank geschlossen werden. Der EU-Kommissar hat schon deutlich gemacht, dass das für ihn nicht nur eine Option, sondern die wahrscheinlichste Lösung ist. Bisher sei der West LB nicht gelungen, ein tragfähiges Geschäftsmodell vorzulegen. Die Kommission kritisiert unter anderem, dass die Auslagerung wertgeminderter Aktiva der West LB in eine Abwicklungsanstalt (Bad Bank) mehr Hilfen des Staates erfordert als zunächst vorgesehen. Die Aktiva seien zu hoch bewertet worden; ihr „tatsächlicher wirtschaftlicher Wert“ liege viel niedriger.

          Das Dilemma einer angeschlagenen Bank

          Erst nach der Entscheidung der Kommission im nächsten Frühjahr ließen sich belastbare Aussagen zur Bedienung der Eigenkapitalinstrumente treffen, heißt es dazu in der West LB. Es sei nicht auszuschließen, dass dann weitere Restrukturierungsaufwendungen oder Buchwertabschreibungen erforderlich würden, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Abschlüsse nach dem Handelsgesetzbuch und nach den internationalen Bilanzierungsregeln IFRS.

          Das Dilemma der angeschlagenen Bank ist, dass sie mit der Abarbeitung eines Teils der Brüsseler Auflagen durchaus Erfolg haben könnte. So greift die Restrukturierung der stark verkleinerten Kernbank zusehends. Die hat in den ersten neun Monaten 255 (279) Millionen Euro Vor-Steuer-Gewinn erwirtschaftet. Die stärkste Gewinnquelle ist die Sparte Firmenkunden/strukturierte Finanzierungen, die das Ergebnis vor Steuern auf 267 (181) Millionen Euro steigerte. Dagegen warfen die durch Übertragung stark verkleinerten Kapitalmarktgeschäfte nur noch 62 (488) Millionen Euro ab.

          Auch nach der jüngst geplatzten Fusion von West LB und Bayern LB setzen die Verantwortlichen in Düsseldorf weiterhin auf einen ersten Konsolidierungsschritt im Landesbankensektor. „Der Weg zur Bündelung der Kräfte ist lang und steinig. Aber er ist betriebswirtschaftlich zwingend“, wird der Vorstandsvorsitzende Dietrich Voigtländer im Zwischenbericht zitiert. Die international verschärften Eigenkapitalvorschriften (Basel III) hätten allen Beteiligten noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass die Zeit reif sei für nachhaltige Anpassungen, nicht nur bei der West LB.

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