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23 and Me : Die Gentests sind zurück

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Eine Speichelprobe kann verraten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Krankheiten ist. Bild: Picture-Alliance

Bei der amerikanischen Firma „23 and Me“ kann jedermann sein Erbgut auf Erbkrankheiten untersuchen lassen. Vor zwei Jahren aber gab es Ärger mit der Gesundheitsbehörde. Nun ist der Test zurück.

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          Das kalifornische Unternehmen „23 and Me“ bietet ab sofort wieder einen Gentest mit Gesundheitsreport an, der Patienten darüber informiert, ob ihre Gene ein erhöhtes Risiko für 36 seltene Krankheiten tragen.

          Das Unternehmen 23 and Me hatte die Analyse der Gene von Privatpersonen mit Hilfe eines einfachen Test-Kits erstmals im Jahr 2007 angeboten. Damals kostete der Test noch fast 1000 Dollar. Wer den Test bestellt, bekommt ein Plastikröhrchen zugeschickt, in das man etwas Speichel abgibt und fest verschlossen zurückschickt. Nach wenigen Wochen ist die Auswertung fertig. Auf Grundlage der Speichelprobe erstellt die Gentest-Firma einen „Gesundheits-Risiko-Report“. Neben der Einschätzung des Risikos für bestimmte Krankheiten kann der Test voraussagen, ob jemand eine Anfälligkeit für eine Glatze oder für Sommersprossen in seinen Genen trägt. Auch die Anfälligkeit für Laktose-Intoleranz kann herausgefunden werden.

          Die Firma im Silicon Valley wurde von der damaligen Frau eines Google-Gründers, Anne Wojcicki, aufgebaut. Google ist an dem Biotechnologie-Unternehmen beteiligt. Das Unternehmen gehört zu den Marktführern beim Auswerten von Gendaten und hat eine große Diskussion darüber ausgelöst, ob Menschen ihre Gene so genau kennen sollten.

          Vor zwei Jahren hatte die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA dem Unternehmenden den Verkauf der Selbst-Test-Sets mit Gesundheitsreport an Privatpersonen untersagt, weil sie Fehldiagnosen und Fehlinterpretationen der Daten befürchtete.

          Jetzt ändert sich die Einschätzung allmählich. Bereits im Februar hatte die amerikanische Gesundheitsbehörde einen Gentest des Unternehmens genehmigt, der das Risiko für eine seltene Erbkrankheit namens „Bloom –Syndrom“ bestimmen soll. Mit Genehmigung der Gesundheitsbehörde umfasst der neue Test auch Krankheiten wie Mukoviszidose und Sichelzellanämie, berichtet das „Wall Street Journal“.

          23andMe-Chefin Anne Wojcicki
          23andMe-Chefin Anne Wojcicki : Bild: 23andme

          Allerdings darf das Unternehmen laut dem Bericht auch künftig keine Aussagen über das persönliche Risiko häufiger schwerer Krankheiten wie Alzheimer und Brustkrebs machen. Frühere Tests hatten diese Krankheiten enthalten, bevor die Gesundheitsbehörde dies verbot, weil sie Zweifel an der Richtigkeit der Ergebnisse hatte und ohne ärztliche Begleitung Fehldiagnosen befürchtete. So könnte eine falsche hohe Risikobewertung für Brust- oder Eierstockkrebs Frauen im schlimmsten Fall unnötig verängstigen und zu überflüssigen chirurgischen Eingriffen verleiten. Zudem monierte die Behörde, Patienten könnten die Auswertung ohne die Hilfe eines Arztes nicht richtig einschätzen.

          Nach dem blauen Brief der Gesundheitsbehörde bot die amerikanische Firma den Test zwar weiterhin an, allerdings bekamen die Kunden nur noch sehr begrenzt Informationen zur genetischen Abstammung und DNS-Rohdaten, ohne Angaben über persönliche medizinische Risiken.

          Das soll sich nun wieder ändern – allerdings hat der neue Test weniger Kraft als der alte. Den neuen Test bietet das Unternehmen für 199 Dollar an. Der alte Test vor zwei Jahren kostete nur 99 Dollar, obwohl er mehr als 100 erbliche Krankheiten und sonstige Veranlagungen umfasste.

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