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Fastfood-Konzern im Ausland : McDonald’s russischer Sonderweg

  • -Aktualisiert am

Filiale in Moskau Bild: Bloomberg

Der amerikanische Fastfood-Konzern dominiert die Ernährung vieler Russen. Deswegen steigt auch die Zahl der Mitarbeiter. Die werden jetzt auf dem digitalen Weg gesucht.

          Ein Big Mac schmeckt auf der ganzen Welt wie ein Big Mac. Die Handgriffe der Angestellten sind durchgetaktet, und auf alle Pommes frites kommt gleich viel Salz. Doch so einheitlich, wie die amerikanische Schnellrestaurantkette McDonald’s sich gibt, ist sie nicht. Besonders der russische Ableger fällt aus dem Konzept. Anders als in vielen anderen Ländern werden die McDonald’s-Filialen in Russland zum großen Teil nicht im Franchise-System betrieben.

          Der Konzern hat dort daher nicht nur die Aufgabe, die Kette zu bewerben, Qualitätskontrollen durchzuführen und dafür Lizenzgebühren zu kassieren, sondern betreibt auch mehr als 85 Prozent der Restaurants in Eigenregie. Dies ist kein unerhebliches Detail, das sich vor allem im Personalbestand niederschlägt. Mit etwa 50.000 Mitarbeitern ist der Konzern auch einer der größten Arbeitgeber in Russland. Die Gründe für diesen Sonderstatus lägen in der speziellen Geschichte von McDonald’s in Russland, sagt Russland-Chef Marc Carena.

          20.000 Stellen neu ausgeschrieben

          McDonald’s sei Ende der 80er Jahre eine der ersten ausländischen Firmen gewesen, die nach Russland gekommen sind. Kurz vor dem Ende der Sowjetunion sei es daher undenkbar gewesen, ein Franchise-System einzuführen. McDonald’s musste nicht nur Restaurants bauen, sondern auch seine eigenen Produktionsstätten errichten, die den Qualitätsanforderungen genügten, sowie eine eigene Lieferkette aufbauen. Dies war einmalig in der Firmengeschichte. McDonald’s ist in den vergangenen drei Jahrzehnten stark gewachsen und gehört zu den wichtigsten Verpflegungsstätten der Russen. In den 660 Restaurants werden jeden Tag 1,5 Millionen Kunden bedient. Damit dominiert McDonald’s den Markt. Jedes fünfte Essen, das nicht zu Hause eingenommen wird, verspeisen die Russen in der Schnellrestaurantkette. Noch stärker prägt der Laden das Kaffee- und Eiscremegeschäft, wo McDonald’s gar jede dritte Tasse und jedes dritte Glacé verkauft.

          Der Grund für die starke Stellung von McDonald’s liegt auch an den russischen Marktgegebenheiten. Außerhalb der eigenen vier Wände geben die Russen wenig Geld aus, nämlich im Durchschnitt nur 800 Rubel (10,60 Euro) im Monat. Wegen sinkender realer Einkommen in den vergangenen Jahren ist die Preissensibilität gar noch stärker geworden. McDonald’s will von dieser Entwicklung profitieren und investiert in neue Filialen.

          Das angestrebte Wachstum zu erreichen fordert vor allem die Personalabteilung. Die Angestellten müssen sicherstellen, dass genügend Mitarbeiter hinter der Theke stehen. Dort arbeiten vor allem Studenten, 60 Prozent der Belegschaft sind immatrikuliert. Die vielen jungen Mitarbeiter stellen McDonald’s vor eine besondere Herausforderung. So ist für viele Mitarbeiter McDonald’s der erste Kontakt mit dem Arbeitsmarkt überhaupt.

          Die Studenten sind zudem auf flexible Arbeitszeiten angewiesen. Ist das Studium beendet, verlassen viele Arbeitskräfte den Konzern wieder. Jedes Jahr müssen daher 20.000 Stellen neu ausgeschrieben werden. Um eine Vakanz zu besetzten, müssten etwa 10 Bewerbungen geprüft werden, sagt die Personalchefin für Russland, Tatjana Jasinowskaja. McDonald’s muss daher die Dossiers von 200.000 jungen Leuten erhalten. Um diese Masse bewältigen zu können, arbeitet die Personalabteilung mit einer speziellen digitalen Plattform, die mit Künstlicher Intelligenz wie beispielsweise einem „smarten Chatroboter“ ausgestattet ist, erklärt der digitale Rekrutierungsfachmann bei McDonald’s, Dmitrij Treskunow. Der Roboter löse gleich mehrere Probleme auf einmal. Zum einen sorge die Interaktion mit der Maschine dafür, dass der Rekrutierungsprozess effizienter und benutzerfreundlicher werde. Einfach einen Fragebogen auszufüllen sei für viele junge Leute langweilig. Zum anderen profitiere McDonald’s von der Möglichkeit, die Fragen während des Bewerbungsprozesses anzupassen und so ein besseres Resultat zu erhalten. Das Programm lerne selbständig und führe allein durch die erste Stufe der Bewerbung.

          Digitales Bewerbungssystem

          Ist der Chat beendet, entscheidet die Software autonom, ob der Bewerber etwas taugt, und informiert alle in Frage kommenden Restaurants, die eine solche Person suchen und in der Nähe des Wohnortes liegen. Das Urteil des Programms sei hart. Dabei lernt die Software auch von den Antworten, die bereits angestellte Mitarbeiter gegeben haben. Kündige dieser beispielsweise nach kurzer Zeit, so wird der Algorithmus Personen, die ähnlich antworten, in Zukunft ausschließen. Das Programm könne so die Eignung für den Job und den Austrittspunkt vorhersagen.

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          Doch nicht nur die Bewerber werden ausgesiebt. Das System stellt auch fest, über welche Kanäle die „guten“ Mitarbeiter gekommen sind. Es bestünden große Unterschiede bei verschiedenen Jobportalen, erklärt Treskunow. Durch das Programm könnten Werbegelder besser investiert werden. In der zweiten Runde erhalten die Chefs Vorschläge für die offenen Stellen und die Kontaktdaten der Bewerber. Erreicht das Restaurant den Kandidaten beim ersten Anruf nicht, dann schreibt das Programm automatisch eine Nachricht und fordert den Bewerber auf, das Restaurant anzurufen. Dasselbe passiert vor dem Bewerbungsgespräch. Der Aspirant bekommt eine automatische Benachrichtigung darüber, dass sein Gespräch am folgenden Tag stattfindet.

          Das System begleitet die Mitarbeiter auch nach der Anstellung weiter und hilft bei der Ausbildung und Führung der Angestellten. So können über die Plattform Fortbildungen gebucht werden, und die Bewertungen der Mitarbeiter werden gespeichert. In Zukunft soll sogar das zweite Interview online durchgeführt werden. Die Fragen sollen ebenfalls von einer Maschine kommen und basieren auf dem ersten Teil. Dann kann sich der Restaurantchef das Video davon anschauen und sich für einen neuen Mitarbeiter entscheiden. An ihren Arbeitsplatz müssen die neuen Angestellten dann aber schon selbst kommen. Auch McDonald’s kann keinen Hamburger über das Internet braten.

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