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Farbe aus dem Odenwald : Pekings Olympiastadion leuchtet in Caparol

Das „Vogelnest” in Peking Bild: AFP

Ein Odenwälder Familienunternehmen gehört zu den größten Farbenherstellern Europas. Nach dem Brandenburger Tor und der Münchner Allianz-Arena bekam nun auch das Pekinger Olympiastadion einen Anstrich in Caparol.

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          Zurückhaltung in der öffentlichen Darstellung möchte Ralf Murjahn auch künftig üben. Aber das Olympiastadion in Peking mit Farbe versehen zu haben ist ein Auftrag, der den Chemiker in Begeisterung versetzen kann. „Alle großen Farbenhersteller der Welt haben sich dafür beworben“, sagt Murjahn. Und darunter sind so namhafte Hersteller wie Akzo Nobel.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Gegen härteste Konkurrenz haben die Deutschen Amphibolin-Werke von der Robert Murjahn Stiftung & Co KG (DAW) im südhessischen Ober-Ramstadt den Auftrag bekommen, das Olympiastadion von außen mit einem roten Farbanstrich zu versehen. Die Farbe ist speziell für diese Verwendung entwickelt worden. Sie muss den in Peking vorherrschenden extremen klimatischen Verhältnissen einschließlich mongolischer Sandstürme standhalten, aber auch dem Abrieb bei dem erwarteten Publikumsverkehr und soll lange ihre Leuchtkraft behalten.

          „Alles, was wir machen, geht irgendwie in den Bau“

          Für die Amphibolin-Werke ist das keine ungewohnte Herausforderung. Den Auftrag hat man auch bekommen, weil man bei zahlreichen anderen Bauten schon bewiesen hat, dass man von Außenfassaden und deren Anstrich etwas versteht. Die Liste der Empfehlungsprojekte ist lang und reicht vom Brandenburger Tor oder dem Bodemuseum in Berlin über die Allianz-Arena in München bis zum Kreml in Moskau. Diese Objekte fördern das Image des nach eigenen Angaben drittgrößten Farbenherstellers in Europa. Zwar können wahrscheinlich nur wenige Menschen mit dem sperrigen Firmennamen etwas anfangen, die Marken aber kennt fast jeder: Mit Alpina-Weiß hat fast jeder Student einmal sein Zimmer gestrichen, und wer den Maler bestellt, entdeckt auch bald einen Eimer mit der Markenaufschrift Caparol und dem dazugehörigen farbig gestreiften Elefanten.

          Das Stadion erstrahlt in Farben aus dem Odenwald

          Das Unternehmen ist sich der Diskrepanz zwischen Firmen- und Markenbekanntheit durchaus bewusst und bezeichnet sich selbst denn auch gern als Caparol-Gruppe, obwohl das Angebot mehr umfasst als die Malerfarbe Caparol, auf die aber weit über 50 Prozent des Umsatzes entfallen. Alpina ist die Heimwerkermarke, Alsecco jene Marke für Fassadendämmtechnik. „Alles, was wir machen, geht irgendwie in den Bau“, umschreibt Murjahn die Produktpalette seines Hauses. Und „alles“ ist fast eine Milliarde Euro wert. Die Gruppe mit ihren 4300 Mitarbeitern hat im vergangenen Jahr den Umsatz von 915 Millionen auf 980 Millionen Euro erhöht. In Europa sind nur die Farbenhersteller Akzo Nobel und Sigma-Kalon größer, die nicht nur Gebäudefarben anbieten. Dann kommen schon die Deutschen Amphibolin-Werke.

          „Wir wachsen seit Jahren kontinuierlich“, versichert Murjahn. Er schreibt das einerseits der steigenden Internationalisierung zu - der Auslandsanteil am Umsatz liege bei 40 Prozent mit steigender Tendenz - und der führenden Position bei Neuentwicklungen. Das Unternehmen gebe viel Geld für die Forschung und Entwicklung aus. Hauptentwicklungsstandort ist das Firmenlabor in Ober-Ramstadt am Rand des Odenwalds.

          Im Trend liegen auch Wellness-Farben

          Derzeit gehe es darum, nachhaltig wirkende Farben zu entwickeln. Dabei beziehe sich die Nachhaltigkeit sowohl auf die schmutzabweisende Wirkung wie auch die Unbedenklichkeit gegenüber Umwelt und Gesundheit. Der allgemein bekannte Lotuseffekt sei zwar sehr populär, reiche für eine wirklich schmutzabweisende Gebäudefarbe aber nicht aus, sagt Murjahn. Der Lotuseffekt beziehe sich nur auf die Lösung anorganischer Stoffe, also landläufig Schmutz. Aber Gebäude seien häufig organischen Niederschlägen ausgesetzt wie Ruß und Öl, die nicht wasserlöslich sind.

          Caparol habe daher eine Farbe entwickelt, die über die sogenannte Nano-Quarz-Gitter-Technologie erstmals Organik und Anorganik verbinde. Diese Farbe verschmutze weniger, sei schwerer entflammbar und halte länger ihre Farbbrillanz. Im Trend liegen nach Murjahns Worten auch Wellness-Farben, darunter solche, die Gerüche absorbieren.

          Das zweite und dritte Standbein

          Von solchen Forschungsergebnissen profitiert zunächst einmal der Profimarkt für Maler, der mit 80 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Markt für Caparol ist. Zwar merke man hier auch die Flaute am Bau, aber 70 Prozent der Farbe werde für die Renovierung eingesetzt, was die Abhängigkeit vom Neubau erheblich reduziere. Die hohen Ansprüche an Nachhaltigkeit und Umweltschutz hierzulande wirken sich auch positiv auf den Export aus. „In jedem Land gibt es schon Farbenhersteller, dennoch erleben wir eine hohe Nachfrage nach unseren Farben, weil sie in Bezug auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit sehr viel anspruchsvoller sind“, sagt Murjahn. Er möchte vor allem die Umsätze in Osteuropa, Asien und dem Mittleren Osten ausweiten.

          Ein Schwerpunkt der künftigen Entwicklung werde auf dem Ausbau von Dämmplatten liegen, einem zweiten Standbein der Unternehmensgruppe. „Bei dem Stichwort Energiesparen denken die meisten Menschen an effizientere Heiztechnik, statt über Dämmung den Energiebedarf zu senken“, beklagt Murjahn. Eine gute Hausdämmung könne bis zu 50 Prozent der notwendigen Heizenergie einsparen, ist er überzeugt. Ein drittes Standbein könnte einmal die Herstellung von Industrielacken werden. Dieser Bereich ist aber noch sehr klein. Er würde aber das Unternehmen von saisonalen Schwankungen am Bau unabhängiger machen.

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