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Fan Bingbing : Rekordstrafe für Chinas Filmstar

Die chinesische Schauspielerin Fan Bingbing zeigt sich bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 2018. Bild: Reuters

Fan Bingbing ist ein chinesischer Superstar. Sie verdiente im vergangenen Jahr fast 40 Millionen Euro. Jetzt muss sie eine Rekordstrafe zahlen. China sendet damit ein Signal an seine Bevölkerung.

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          Fan Bingbing ist Chinas lebender Superlativ. Auf dem Kurznachrichtendienst Weibo, dem chinesischen Gegenstück zu Twitter, hat die 37 Jahre alte Schauspielerin weit mehr als 60 Millionen Fans. Mit umgerechnet fast 40 Millionen Euro gehörte sie im vergangenen Jahr zu den bestverdienenden chinesischen Künstlern. Nun muss sie in ihrem Heimatland eine Steuerschuld begleichen, die sich zusammen mit einer gigantischen Strafe auf den Betrag von 844 Millionen Yuan summiert (107 Millionen Euro).

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Mit der Rekordstrafe, von der noch unklar ist, ob sie die im chinesischen Gesetz vorgesehenen Höchstgrenzen für Steuervergehen überschreitet, sendet Chinas Regierung eine Warnung an die Bevölkerung des Landes, den Staat nicht zu hintergehen. Bereits die „Ermittlungen“ der Staatsmacht gegen Fan Bingbing waren spektakulär und hatten unter den Chinesen Angst verbreitet. So hatte im Mai ein früherer Moderator des Staatsfernsehens Vorwürfe gestreut, die Schauspielerin hinterziehe im großen Stil Steuern. Daraufhin „verschwand“ Fan im Juli – und tauchte bis zu Mitte dieser Woche nicht wieder auf.

          Dass jene im Fadenkreuz der Führung für Monate und manchmal Jahre nicht mehr in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten, ist üblich in China. Im Fall Fan Bingbing bekam die Hongkonger „South China Morning Post“ offensichtlich von der Regierung gesteckt, wo die Schauspielerin in den vergangenen drei Monaten festgehalten wurde: in einer „Ferienwohnanlage“ nahe Wuxi an der Ostküste, in der normalerweise Parteikader verhört werden, die der Korruption verdächtig sind.

          „Beispiellose Schmerzen und Qualen“

          Fan Binging selbst durfte ihre Erfahrungen in Haft – sehr wahrscheinlich mit Einwilligung der Behörden – so beschreiben: Sie habe „beispiellose Schmerzen und Qualen“ erlitten, schrieb die Schauspielerin am Mittwoch auf Weibo. Dann folgte, wie in China üblich, Selbstkritik und das Versprechen, sich zu bessern. Sie fühle sich „beschämt und schuldig“ und bitte „aufrichtig“ um Verzeihung. Auch eine Unterwerfungsgeste an die Führung durfte nicht fehlen: Sie habe ihre Strafe „völlig akzeptiert“, schrieb Fan. „Ohne die Partei und die großartige Politik des Landes“ gebe es sie gar nicht.

          Die Geldbuße setzt sich aus einer Strafe gegen Fan Binging persönlich und gegen mit ihr verbundene Unternehmen zusammen. Wird sie bis Jahresende beglichen, muss der Star nicht ins Gefängnis. Es ist davon auszugehen, dass ihr dies gelingt. Schätzungen zufolge hatte Fan in den Jahren zwischen 2003 und 2016 Einnahmen von insgesamt 1,4 Milliarden Yuan (177 Millionen Euro).

          In dem Artikel, mit dem die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua die Strafe offiziell verkündete, wird deutlich, dass die Regierung davon ausgeht, dass der Star bei weitem nicht der Einzige ist, der Steuern hinterzogen hat. Angehörige der Unterhaltungsindustrie hätten ebenfalls bis zum Jahresende Zeit, hinterzogene Einnahmen anzugeben und straffrei zu bleiben.

          Xi Jiping kritisierte wiederholt Unterhaltungsindustrie

          Beobachter halten es für möglich, dass die chinesische Regierung mit der öffentlichkeitswirksamen Aktion nicht nur die Staatskassen füllen will. Alleinherrscher Xi Jinping hat in den vergangenen Jahren immer wieder die Unterhaltungsindustrie und Künstler dafür kritisiert, „Müll“ zu produzieren und „richtig von falsch oder gut von böse“ nicht zu unterscheiden. Staatsmedien schrieben, Fan würde allein den Mammon „verehren“.

          Fan spielt in China die Hauptrolle der Kaiserin in der bisher teuersten chinesischen Fernsehproduktion. International ist sie durch Nebenrollen in Hollywood-Filmen wie „Iron Man 3“ und „X-Men“ bekannt geworden. Wolle sie ihre Karriere fortsetzen, nütze ihr auch eine Flucht nach Amerika nichts, schrieb der renommierte Landeskenner Bill Bishop am Donnerstag auf Twitter. Tue Fan nicht genau das, was die Partei von ihr wolle, lande sie auch in Hollywood auf der „schwarzen Liste“. Dort sind Schauspieler und Inhalte aus China, die der chinesischen Regierung missfallen, verpönt – zu groß ist die Gefahr, auf dem riesigen Kinomarkt in China nicht verdienen zu dürfen.

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