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Familienunternehmen : Jürgen Kluge soll Haniel führen

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Jürgen Kluge soll neuer Vorstandsvorsitzender des Ruhrkonzerns Haniel werden Bild:

Die lange Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden für den Familienkonzern Haniel hat endlich ein Ende. Jürgen Kluge, der ehemalige Deutschlandchef der Unternehmensberatung McKinsey, soll die Nachfolge von Eckhard Cordes auf diesem Posten antreten.

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          Die lange Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden für den Duisburger Familienkonzern Haniel hat endlich ein Ende. Jürgen Kluge, der ehemalige Deutschlandchef der Unternehmensberatung McKinsey, soll die Nachfolge von Eckhard Cordes auf diesem Posten antreten. Er war zuletzt der Top-Favorit eines sehr kleinen Kreises möglicher Kandidaten. Zustimmen muss allerdings noch der Aufsichtsrat, der für diesen Freitag zu einer außerordentlichen Sitzung geladen ist. Die heftig umstrittene Doppelrolle, die Cordes seit fast zwei Jahren als Chef von Haniel und zugleich Vorstandsvorsitzender von Metro als der wichtigsten Haniel-Beteiligung gespielt hat, wird jedenfalls in Kürze beendet.

          Sollte Kluge am Freitag gekürt werden, wäre die Entscheidung aus der Sicht aller Beteiligten nicht unklug. Denn es geht darum, die Schlüsselpositionen im Konzern so zu besetzen, dass künftig nicht ständig neue Nahrung für Konflikte und Führungskämpfe geliefert wird. Vor allem das Dreiecksverhältnis aus Franz Haniel, der als Repräsentant des weitverzweigten Clans sowohl Haniel- als auch Metro-Aufsichtsratsvorsitzender ist, Cordes als dem künftigen „Nur“-Metro-Chef und dem designierten Haniel-Lenker muss passen. Das mag eine Erklärung dafür sein, warum die Suche ein halbes Jahr gedauert hat. So wird in der Haniel-Zentrale weder ein blasser Nachrücker aus der zweiten oder dritten Reihe noch ein von Ehrgeiz zerfressener Jungmanager, der es über kurz oder lang ohnehin nur auf den Metro-Chefsessel abgesehen hat, gebraucht. Eine gestandene Persönlichkeit mit der Fähigkeit zur Moderation ist gefragt. Eine, die sich gegenüber dem nicht immer harmonischen Clan auf der einen Seite und den äußerst selbst- und machtbewussten Vorstandsvorsitzenden der Tochtergesellschaften auf der anderen Seite durchzusetzen weiß. Und das auf Augenhöhe.

          Es läuft alles andere als rund

          Die Chemie zwischen Haniel, Cordes und Kluge soll stimmen, ist zu hören. Die beiden Letzteren kennen sich seit vielen Jahren. Denn McKinsey hat nicht nur Daimler, den früheren Arbeitgeber von Cordes, beim Umbau beraten, sondern auch Metro durchleuchtet. Der 56 Jahre alte Kluge ist seit zwanzig Jahren Partner bei McKinsey. Von 1999 bis 2006 hat er die Geschäfte der amerikanischen Beratungsgesellschaft in Deutschland und Österreich geführt. Zwischenzeitlich galt er sogar als möglicher Nachfolger des damaligen McKinsey-Welt-Chefs Rajat Gupta. Als er vor drei Jahren überraschend seinen Rücktritt als die Nummer eins in Deutschland bekanntgab, konnte er eine ansehnliche Bilanz vorweisen. Trotz scharfer Wettbewerbsbedingungen gelang unter seiner Führung ein steter Aufbau des deutschen Beratungsgeschäftes. So erschloss er auch den öffentlichen Sektor als wichtigen Auftraggeber.

          Eckhard Cordes: Doppelrolle als Chef von Haniel und Vorstandsvorsitzender von Metro bald beendet

          Der promovierte Physiker mit einer Honorarprofessur an der Technischen Universität Darmstadt bedient so gar nicht das gängige Klischee der dynamisch gegelten, stromlinienförmigen und mehr oder weniger abgehobenen Meckies, wie sich die McKinsey-Berater selbst nennen. Auf den ersten Blick kommt der große, etwas bullige Westfale eher sanft und vor allem freundlich daher. Er gilt als hochintelligent und als ein genießender Schöngeist. Neben seiner Leidenschaft für Autos, die er mit seinem künftigen Sparringspartner Cordes teilt, liebt der mit seiner Frau in Düsseldorf lebende gebürtige Hagener die Literatur, das Theater und die Oper. Lange bevor das Schlagwort Pisa die Runde machte, hat Kluge die Bildung zu seinem großen Thema gemacht und hierzulande einen Bildungsnotstand beklagt, der schon im Kindergarten beginnt. Kluge, der Angela Merkel zeitweise in deren Amt als Oppositionsführerin beraten hat, wurde Mitte vergangenen Jahres kurz als Cheflobbyist der deutschen Energiebranche gehandelt. Für McKinsey hat er zuletzt von Berlin aus Kunden der öffentlichen Hand beraten.

          In der Duisburger Haniel-Holding warten anspruchsvolle Aufgaben auf ihn. Denn es läuft alles andere als rund im breiten Beteiligungsportfolio des traditionsreichen Familienunternehmens.

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