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Familienunternehmen : Gesucht: Neues Leben für den Mythos Märklin

Schwäbische Eisenbahn in Not Bild: Hersteller

Zaudernde Gesellschafter könnten die Sanierung von Märklin, dem traditionsreichen Hersteller von Modelleisenbahnen, gefährden. Von „Heuschrecken-Angst“ keine Spur in Göppingen. Viele sehen im Finanzinvestor Kingsbridge Capital den Heilsbringer für Märklin.

          Roland Gaugele gerät schnell ins Schwärmen, wenn er über das Museumsprojekt von Märklin spricht. Nicht nur die Geschichte des 1859 gegründeten Familienunternehmens soll für die Besucher lebendig werden, sie sollen auch Freude an dem haben, was heute an der Modellbahn alles Spaß machen kann, und zur Erholung kann sich, wer will, in einem Speisewagen niederlassen und seine Bestellung mit einem kleinen Zügle in die Küche schicken. Noch in dieser Woche erwartet Märklin-Museumschef Gaugele die Baugenehmigung: "Mal sehen, was wir dann für Auflagen bekommen."

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Ihm graut schon davor, weil Märklin ein Opfer der Versammlungsstätten-Verordnung wird und deshalb besondere Anforderungen an Treppen, Toiletten, Fluchtwege und vieles mehr gelten. Fürchtet Gaugele denn gar nicht, daß aus den spektakulären Plänen vielleicht nie etwas wird, weil kein Geld da ist, weil Märklin vielleicht schon in zwei Wochen am Ende ist? Nein, Gaugele übt sich in Zuversicht: "So irrational kann man doch fast nicht sein", meint er mit Blick auf diejenigen Märklin-Gesellschafter, die bisher noch zweifeln, ob der bereitstehende Finanzinvestor Kingsbridge Capital der Heilsbringer für Märklin ist.

          Was sich niemand vorstellen kann

          Wie Gaugele geht es bei Märklin vielen: Keiner mag sich vorstellen, daß dieses Unternehmen, dieser Mythos nicht doch noch gerettet werden könnte. Drei von 22 Gesellschaftern zaudern noch, ihre Anteile zu verkaufen. Damit haben sie eine ungewöhnliche Allianz gegen sich aufgebracht: nicht nur die kreditgebenden Banken, auch die Belegschaft und die IG Metall haben sich für Kingsbridge als neuen Kapitalgeber für Märklin ausgesprochen. Von "Heuschrecken-Angst" keine Spur in Göppingen. Die Kingsbridge-Repräsentanten Mathias Hink und Ion Florescu, letzterer der Absolvent einer renommierten Stuttgarter Privatschule, flößen den Schwaben weit weniger Angst ein als Claudius Märklin, Peter Märklin und Dieter Stradinger. Diese drei Familiengesellschafter, die zusammen 23 Prozent des Märklin-Kapitals halten, sind es leid, beim Spaziergang oder beim Bäcker wie Delinquenten behandelt zu werden, nur weil sie sich schwertun, sich vom Familienerbe zu trennen.

          Was wird, wenn kein Geld mehr da ist?

          Bei einem Treffen zwischen Gesellschaftern und Finanzinvestor in der vergangenen Woche machten sie es sogar zur Bedingung für weitere Gespräche, daß eine Pressemitteilung veröffentlicht wird, die signalisiert, daß sie nicht einfach nur stur sind: "Die Gesellschafter Claudius Märklin, Peter Märklin und Dieter Stradinger stellten klar, daß das Motiv ihrer bisherigen Haltung Ausdruck der Verbundenheit mit dem Unternehmen gewesen ist", heißt es in dem mittlerweile vorliegenden Papier. Claudius Märklin, der von den dreien den größten Anteil besitzt, war dereinst Leiter des Märklin-Magazins, der größten Modelleisenbahnzeitschrift mit einer Auflage von 100.000 Exemplaren: da mag man nicht einfach einen Schlußstrich ziehen. Auch Dieter Stradinger, der nur mit einem minimalen Anteil an Märklin beteiligt ist und insofern materiell weder viel zu gewinnen noch viel zu verlieren hat, legt seinen Gesprächspartnern dar, daß es ihm vor allem um die Arbeitsplätze in Göppingen geht.

          Nicht alle glauben ihnen. Bei vielen liegen die Nerven blank, da gedeihen auch Gerüchte leicht. Schon wird am Fuße der Schwäbischen Alb kolportiert, die Chinesen stünden vor der Tür. Die drei abtrünnigen Gesellschafter verhandelten mit dem Spielwarenhersteller Kader aus Hongkong, hat man der "Neuen Württembergischen Wochenzeitung" zugetragen. Märklin-Chef Paul Adams hat sich vorsichtshalber gleich bei Kader versichert, daß nichts dran ist an diesem Gerücht - man weiß ja nie.

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