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Familienunternehmen : Gesucht: Neues Leben für den Mythos Märklin

Die vielleicht letzte Frist

"Ich habe mir jegliche Prognosen abgewöhnt", sagt Adams zu der Frage, wann und ob die Gesellschafter sich mit Kingsbridge einig werden. Noch immer hofft er auf die Vernunft der Beteiligten, für die es "wenig sinnvoll wäre, einen strukturierten Prozeß zu verlassen", wie Adams vorsichtig seine Furcht vor dem Chaos danach formuliert. Der Märklin-Chef spielt auf die nächste und vielleicht letzte Frist an, die den Gesellschaftern eingeräumt wurde: Am 15. Mai kann der Sicherheiten-Poolvertrag erstmals ordentlich gekündigt und können Kredite fällig gestellt werden. Wichtigste Kreditgeber sind die zur Landesbank gehörenden BW-Bank und die Kreissparkasse Göppingen, daneben das Privatbankhaus Martin aus Göppingen, die Commerzbank sowie die Investmentbank Goldman Sachs, die Kredite von der DZ Bank und der Volksbank Göppingen gekauft hat. Auf jeden einzelnen Euro ist Märklin dringend angewiesen. Die Eigenkapitalquote lag schon zum Jahresultimo bei nur 7 Prozent, da läßt sich nur schwer Liquidität sichern, zumal nervöse Geschäftspartner, die nur gegen Vorkasse liefern, solche Situationen schnell zuspitzen.

Für die Gesellschafter bliebe dann aber auch nicht mehr viel. "Ich glaube, daß die Gesellschafter ihre Position durchaus erkannt haben", sagt eine Person aus Verhandlungskreisen, fügt aber schnell hinzu: "Aber solange die Tinte nicht trocken ist, kann man nicht sicher sein." Ein anderer Verhandlungsbeteiligter spielt darauf an, daß Erkenntnis allein nichts nützt, sondern es bisher auch an offener Kommunikation mangelt: "Ich hoffe, daß bis Anfang nächster Woche alle das gleiche meinen." Am liebsten sprechen die Beteiligten ohnehin über die Zeit danach. Kingsbridge hat zugesagt, nicht nur die bereits begonnene Restrukturierung zu finanzieren, für die bis 2008 noch einmal 10 Millionen Euro angesetzt sind, sondern das Unternehmen auch nach vorne zu bringen.

Raus aus der Enge des Sammler-Markts

Das Auslandsgeschäft soll forciert werden, und eine preiswerte Marke für Einsteiger soll geschaffen werden - schließlich ist die Zahl der über 50jährigen wohlhabenden deutschen Männer, die bisher als Sammler die Hauptkundschaft von Märklin stellen, begrenzt. Auch andere Sammler-Marken haben mit der Marktenge bereits bedrückende Erfahrungen gemacht: Steiff - ebenfalls aus Württemberg - kann auch nicht davon leben, daß Prominente auf Auktionen Zehntausende von Euro für einen einzigen Bären bezahlen, Hummel hat die Hälfte des Umsatzes verloren, und Swarovski-Kristall steht nur deshalb so gut da, weil mit Modeschmuck eine neue Käuferschicht erschlossen wurde. Der Mythos Märklin muß mit neuem Leben gefüllt werden, lautet das Fazit, und ungeachtet aller Gesellschafter-Querelen wird fleißig daran gearbeitet. Selbst der Marketing-Schlager dieser Monate, der Fußball, soll Märklin neue Freunde zuführen: am letzten Maiwochenende macht der Original-Weltmeisterschaftszug von 1954 in Göppingen Station. Tausende könnten deshalb anreisen, erwartet Märklin-Museumschef Roland Gaugele voller Zuversicht: "Ein tolles Fest wird das." Die Erben des Firmengründers könnten dann schon als Gäste des neuen Eigentümers dabeisein.

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