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Familienangelegenheit : Von Oetker zu Oetker

Er geht: August Oetker Bild: dpa

An der Konzernspitze der traditionsreichen Oetker-Gruppe wird es in zwei Jahren einen Wechsel geben. Anfang 2010 übergibt August Oetker die Leitung des Bielefelder Mischkonzerns an seinen jüngeren Bruder Richard.

          Die traditionsreiche Oetker-Gruppe wird auch künftig von einem Oetker geführt. Anfang 2010 übergibt August Oetker die Leitung des Bielefelder Mischkonzerns an seinen jüngeren Bruder Richard. Richard Oetker arbeitet seit 28 Jahren in dem Familienunternehmen. Als Personal-Geschäftsführer der Dr. Oetker GmbH, der Lebensmittelsparte, ist er bislang aber kaum öffentlich in Erscheinung getreten. Bekannt ist der 56 Jahre alte Mann vor allem deshalb, weil er 1976 Opfer einer grausamen Entführung wurde.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Die Oetker-Gruppe (7 Milliarden Euro Umsatz), die einst mit dem Verkauf von Backpulver begann und heute Deutschlands größte Brauereigruppe (Radeberger) und zweitgrößte Reederei (Hamburg Süd) ihr Eigen nennt, wird seit 1981 von August Oetker geführt. Der Sohn des großen Nachkriegsunternehmers Rudolf-August Oetker ist erst der vierte Chef in 117 Jahren Unternehmensgeschichte. Schon früh hat August zu erkennen gegeben, dass er nur bis zum Alter von 65 Jahren das Kommando behalten wolle. Diese Altersgrenze erreicht er im März 2009.

          Formal ist die Nachfolgefrage beantwortet

          Auf die Frage, ob eines Tages ein familienfremder Manager die Führung übernehmen könne, sagte Oetker vor einiger Zeit im F.A.Z.-Gespräch: „Das ist theoretisch denkbar, aber praktisch sehr unwahrscheinlich. Denn dazu gibt es zu viele von uns. Wir haben einen gewissen Reproduzierungsquotienten bei uns in der Familie. Mein Vater hat sich verachtfacht. Eine meine Schwestern hat sich verfünffacht. Und ich selbst habe sechs Kinder.“ Formal hat der Beirat der Dr. August Oetker KG, eine Art Aufsichtsrat, die Nachfolgefrage beantwortet.

          Er kommt: Richard Oetker

          Darin sitzen zwei direkte Familienmitglieder: Rosely Schweizer, älteste Tochter des 2007 verstorbenen Rudolf-August Oetker, und Christian Oetker, Bruder von August und Richard Oetker und Leiter der Oetker-Marktforschung. Beiratsmitglied Roland Oetker ist als Cousin von August und Richard nur ein entfernter Verwandter. Außerdem gehören Henkel-Chef Ulrich Lehner und der ehemalige Beiersdorf-Vorstandsvorsitzende Rolf Kunisch dem Entscheidungsgremium an. Anfang 2010 wird August Oetker den Beiratsvorsitz von Rosely Schweizer übernehmen.

          Dass der Beirat Richard Oetker gewählt hat, überrascht. Intern galt Alfred Oetker als Favorit. Alfred ist das älteste Kind von Rudolf-August Oetker und dessen dritter Frau Marianne („Maja“). Der Betriebswirt, verheiratet mit der italienischen Prinzessin Elvira Grimaldi, leitet die niederländische Landesgesellschaft von Oetker. Aber Alfred ist erst 40 Jahre alt. Denkbar ist, dass er zunächst noch mehr Erfahrung sammeln und dann in einigen Jahren an die Spitze wechseln soll.

          „Ich leide an den Folgen dieser Tat ein Leben lang“

          Die Mitarbeiter - mehr als 22.000 Menschen arbeiten für die Oetker-Gruppe - dürften erfreut sein über die Nachfolgeregelung. Denn der Stabwechsel zu Richard Oetker verspricht nicht nur Kontinuität. In der Belegschaft ist Richard sehr beliebt, anerkannt und akzeptiert. Er ist ähnlich charismatisch wie sein Bruder - und wie dieser frei von Allüren. Seit 1996 ist Richard als Geschäftsführer der Dr. Oetker GmbH nicht nur verantwortlich für 7000 Mitarbeiter, sondern auch für die Auslandsmärkte in Italien, der Schweiz und Österreich. „Zu seinen besonderen Erfolgen zählt der Aufbau der osteuropäischen Märkte“, schreibt das Unternehmen.

          Richard hat Brau- und Agrarwissenschaften an der Universität Weihenstephan bei München studiert. Auf dem Parkplatz dieser Universität lauerte ihm am 14. Dezember 1976 sein Entführer auf. Der damals 25 Jahre alte Oetker musste sich in eine Holzkiste zwängen und sich unter Strom stehende Handschellen anlegen. Er erlitt schwere Verletzungen. Nach mehr als 40 Stunden wurde Oetker gegen ein Lösegeld von 21 Millionen DM ausgesetzt. „Ich leide an den Folgen dieser Tat ein Leben lang“, sagte Oetker Jahrzehnte später. Als Vorstand der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ engagiert er sich heute für Menschen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben.

          Richard Oetker ist seit 1999 in zweiter Ehe mit Tatjana von La Valette, 44 Jahre, verheiratet. Sie haben Kinder, auch aus ihren früheren Verbindungen. Seine Frau begleitet Richard zuweilen, wenn dieser seinem großen Hobby frönt: den Oldtimern. Auf der Oldtimer-Rallye „Silvretta Classic“ im österreichischen Montafon im vergangenen Sommer spielte sie den Kopiloten in einem Wagen, der sich sehen lassen konnte: Stolz chauffierte Oetker einen feuerroten Intermeccanica Italia Spider mit 208 PS. Die Leidenschaft für alte Autos teilt er mit seinem Bruder: August Oetker ist mit seinem Mercedes 300 SL, einem Modell aus den fünfziger Jahren, schon einige Male die „Mille Miglia“ mitgefahren. Bald wird er dafür noch mehr Zeit haben.

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