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Falschgeld : Täuschend echte Blüten

  • Aktualisiert am

Euro mit Blumenschmuck: Manche Geldfälscher bringen eigene Ideen ein Bild: dpa

Die Falschgeld-Hersteller rüsten auf: Mit Scannern, Farbkopierern und Bildprogrammen stellen sie täuschend echte Blüten her. Bundesbank-Experten sind ihnen auf der Spur: Mit Erfolg. Die Zahl der Euro-Blüten geht zurück, zeigt eine neue Statistik.

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          Auf den ersten Blick könnte der 200-Euro-Schein als echt durchgehen: Die gelbe Farbe und das hochwertige Papier sehen dem Original täuschend ähnlich. Doch die Tücke liegt im Detail: Als Hologramm haben die Betrüger eine Silberfolie mit der Aufschrift „Video Verleih“ ausgeschnitten und auf den Schein geklebt.

          Die Fälscher benutzten zudem Briefpapier mit einem Engel als Wasserzeichen, der im Gegenlicht durchschimmert. Nicht immer ist eine Blüte so leicht zu erkennen - denn die Fälschungen werden immer professioneller. Bei der Deutschen Bundesbank sind 40 Mitarbeiter im Nationalen Analysezentrum in Mainz neuen Techniken und Trends der Geldfälscher auf der Spur.

          Das zeigt Wirkung: Geldfälscher haben den neuen Statistiken zufolge in Deutschland immer weniger Erfolg: Seit zweieinhalb Jahren geht die Zahl der Euro-„Blüten“ in Deutschland zurück. So zogen die Fahnder im ersten Halbjahr 19.664 gefälschte Euro-Banknoten aus dem Verkehr - das waren nur halb so viele wie beim Höchststand von 44.742 „Blüten“ 2004. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2006 betrug das Minus sieben Prozent. Das teilte die Bundesbank am Mittwoch in Frankfurt mit.

          Falsches Geld, echtes Geld: Der linke Schein erweist sich im UV-Lichtgerät als Fälschung

          Viel Handarbeit und Spezialfarbe

          Kopierer und Scanner machen es Kriminellen heutzutage leicht, farbige Scheine herzustellen. Bildbearbeitungsprogramm und Drucker mit exzellenter Auflösung erlauben qualitativ hochwertige Fälschungen. Doch bei der Handarbeit wird es schwierig: Silberstreifen und Hologramme müssen eigens aufgebügelt oder aufgeklebt werden. Für die je nach Betrachtungswinkel wechselnde Farbe der Zahl benötigt man Spezialfarbe.

          „Es gibt keine perfekte Fälschung“, sagt der Leiter des Analysezentrums, Rainer Elm. „Jeder Fälscher macht einen Fehler, der auch für Laien erkennbar ist.“ Die Kombination von Silberband, den im Papier eingearbeiteten UV- Farbfusseln, Hologramm und farblich wechselnden Zahlen hat laut Bundesbank noch kein Krimineller komplett geschafft (siehe auch Bundesbank).

          Viele Verbraucher sind unbedarft

          Die „Falschgeld-Detektive“ in Mainz analysieren Blüten, arbeiten mit der Polizei zusammen und schulen Geschäftsleute und Kassiererinnen. „Viele Händler sind im Umgang mit Banknoten unbedarft“, sagt Fachmann Roland Müller. „Die vertrauen einfach darauf, dass sie nur echte Noten in die Hände kriegen.“

          Manche Verbraucher fallen selbst auf die einfachsten Blüten herein. So fand ein falscher 5-Euro-Schein einen Abnehmer, obwohl der Schein auf der Rückseite nur aus weißem Papier bestand. Eine 300-Euro Fantasienote mit nackten Damen wurde in einer Bäckerei akzeptiert. Sogar mit Buntstiften selbstgemalte Scheine gerieten in den Umlauf. Besonders pfiffig war ein Krimineller, der eine rosa 100-Gulden-Note aus Surinam mit dem Wort Euro bedruckte - bunte Blumen und ein Kolibri geben dem Schein ein exotisches Aussehen.

          Aufschrift „Pizeria Roma“

          Den Beamten fielen auch gut gemachte 500-Euro-Scheine in die Hände, die in kleinen Buchstaben die - auch noch falsch geschriebene - Aufschrift „Pizeria Roma“ tragen. Aus einem Geldwechselgeschäft mit Schwarzgeld stammen Scheine mit einem angeblichen Echtheits-Stempel der Europäischen Zentralbank: „ECB - Confidential Security“.

          Nach der Euro-Einführung 2002 stieg die Zahl der Fälschungen sprunghaft an, doch seit zwei Jahren ziehen die Fahnder immer weniger Falschgeld aus dem Verkehr. „Im vergangenen Jahr wurden bedeutende Fälscherwerkstätten in Italien ausgehoben“, erklärt ein Sprecher des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden diesen Erfolg. Wegen des Drucks hätten die Kriminellen inzwischen ihre Standorte nach Bulgarien, Litauen und sogar Kolumbien verlagert.

          Relativ wenige Blüten in Deutschland

          Wer Falschgeld herstellt und verbreitet, wird in Deutschland mit Haft zwischen einem und 15 Jahren bestraft. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bürger in seiner Geldbörse einen falschen Schein entdeckt, ist aber gering. „Deutschland liegt mit rund fünf Fälschungen auf 10 000 Einwohner pro Jahr nach wie vor weit unter dem Durchschnitt des Euro-Raums“, sagt Bundesbank-Vorstand Hans Reckers.

          Wer einen Schein findet, sollte die Polizei informieren, weil die Verbreitung strafbar ist. Dann erhält der Verbraucher aber kein Geld, sondern nur eine wertlose Quittung - sonst könnten Kriminelle Blüten bei der Notenbank zu Geld machen.

          Euro attraktiver als die D-Mark

          Der Euro wird doppelt so häufig gefälscht wie die gute alte D-Mark. „Der Euro ist mittlerweile eine Weltwährung und daher besonders attraktiv für Täter“, sagt der BKA-Sprecher. Um den technologischen Vorsprung auszubauen, arbeitet die Europäische Zentralbank an einer neuen Banknoten-Serie, die 2010 auf den Markt kommen soll.

          Manchmal ist aber kein Misstrauen angebracht: So wird die Bundesbank immer wieder bei verdächtigen Scheinen eingeschaltet, deren Sicherheitsfaden und Hologramm abgegangen ist und die unter UV- Licht ungewöhnlich hell strahlen. Des Rätsels Lösung: Diese Scheine sind in die Waschmaschine geraten - die Weißmacher bleichen den Baumwollstoff aus, der wie bei Kleidungsstücken schrumpfen oder ausleiern kann. Einen Kochwaschgang übersteht kein Silberfaden.

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