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Fahrradschlosshersteller : Abus rüstet auf

  • -Aktualisiert am

Fahrradschlösser: Ein großer Verkaufsschlager der Firma Albus Bild: Wolfgang Eilmes

Wenn es draußen früher dunkel wird, sind Diebe besonders aktiv. Gut für die Firma Abus. Sogar der Bundesinnenminister wirbt für zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen.

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          Jetzt, da die Tage kürzer werden und die Menschen besinnlicher, ist die Zeit für die Firma Abus gekommen. Zum einen steigt jetzt im Winter wieder das Einbruchsrisiko, und da fühlen sich viele Menschen mit Fenstersicherungen oder Alarmanlagen im Winter sicherer. Zum anderen ist an diesem Sonntag schon der erste Advent gewesen. Für den Sicherheitsspezialisten aus Wetter an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen ist das eine besondere Zeit, denn der Eigentümerfamilie Bremicker ist es wichtig, ihr Unternehmen nach christlichen Werten zu führen.

          Das ist durchaus eine Besonderheit. Außer dem Schuhhändler Deichmann gibt es kaum ein Unternehmen in Deutschland, das damit in die Öffentlichkeit geht. Bei Abus kommt noch hinzu, dass die Firma seit ihrer Gründung im Jahr 1924 davon lebt, dass sich die Menschen gerade nicht an christliche Werte halten. Als eines der Fundamente des Christentums gelten schließlich die Zehn Gebote, in denen es an Stelle sieben heißt: „Du sollst nicht stehlen.“

          Gut für Abus, dass das nicht alle so eng sehen. In einer paradiesischen Welt brauchte es schließlich niemanden, der Fahrräder oder Häuser vor Einbrechern schützt. Die christlichen Schlosser sehen es pragmatisch: Man helfe mit einer Absicherung des Hauses den Guten, sich vor den bösen Menschen zu schützen, damit sie nicht in die eigene Wohnung einbrechen oder einem das Rad klauen.

          Bundesinnenminister wirbt für Alarmanlagen

          Der Bedarf nach Schutz wird größer: Schon seit Jahren nimmt die Zahl der Einbrüche drastisch zu. Mehr als 152.000 Wohnungseinbrüche hat die Kriminalstatistik für das vergangene Jahr ermittelt, das ist der höchste Stand seit 16 Jahren. Und die Täter werden immer professioneller. Bundesinnenminister Thomas de Maizière warnt vor organisierter Kriminalität bei Einbrüchen und wirbt dafür, dass die Menschen ihre Wohnung mit Alarmanlagen und speziellen Schlössern aufrüsten. Der Staat gibt sogar noch etwas dazu, bis 2017 stellt das Bundesbauministerium 10 Millionen Euro als Förderung zur Verfügung.

          Entsprechend gut läuft das Geschäft für Abus. Zwar gibt das Unternehmen keine genauen Zahlen heraus, doch das vor einigen Jahren eingeführte Fahrrad-Faltschloss sei ein Meilenstein des Erfolgs gewesen. Zudem laufe die Absicherung von Gebäuden gut, was auch an der zunehmenden Digitalisierung liege. Der Erfolg spiegelt sich in den deutlich gestiegenen Mitarbeiterzahlen, die als einzige genau beziffert werden: Insgesamt arbeiten bei Abus rund 3000 Menschen, viele davon in Deutschland.

          „Wir wollen Mitarbeiter, die offen, ehrlich und fair sind“

          Dass der Schlosshersteller christliche Werte wichtig findet, liegt an der Unternehmensgeschichte. 1924 gründete August Bremicker das Unternehmen mit einigen seiner Söhne (daher auch der Name: August Bremicker Und Söhne). Das war damals im kleinen Städtchen Wetter nichts Ungewöhnliches, denn es gab dort noch viele andere Schlosser. In dieser Zeit verbreiteten sich auch Freikirchen in der Region. August Bremicker wurde ein überzeugter Anhänger.

          Beides ist bis heute geblieben, auch wenn Abus mittlerweile viel mehr herstellt als Vorhängeschlösser und das Unternehmen schon von der dritten und vierten Generation geleitet wird. Das ist übrigens auch bei der Konkurrenz so. Burg Wächter sitzt wie Abus in Volmarstein, einem Stadtteil von Wetter. Auch dort wird nach christlichen Werten gearbeitet, die Eigentümerfamilie ist in einer Freikirche engagiert.

          Im Unternehmen selbst ist man den Mitarbeitern gegenüber allerdings zurückhaltend, was die Religion angeht: „Der Glaube an Gott ist eine persönliche Angelegenheit und spielt daher im allgemeinen Unternehmensalltag eine weniger vordergründige Rolle“, betont Geschäftsführer Christian Rothe. Der Glaube werde bei den Mitarbeitern auch keineswegs vorausgesetzt. Aber bei vielen Entscheidungen sei er doch ein wichtiges Fundament. „Wir wollen Mitarbeiter, die offen, ehrlich und fair sind. Denn so möchten wir auch sein.“

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