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Fahrerloser Güterverkehr : Lastwagen mit Autopilot nehmen Fahrt auf

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Was ein Zusammenspiel der Technologien ermögliche, wies ein Forschungskonsortium, zu dem auch MAN und Aachener Forscher gehörten, vor mehr als fünf Jahren nach. Im Projekt „Konvoi“ ließen sie Lastkraftwagen in Kolonne auf nordrhein-westfälischen Autobahnen fahren.

Mehr als 4.000 Kilometer wurden absolviert, die Hälfte davon in Zusammenschlüssen aus vier Wagen, die im Abstand von 10 Metern mit 80 Kilometern in der Stunde fuhren und nur im ersten Wagen von einem Menschen gesteuert wurden.

Nach Bedarf statt nach Fahrplan

Die drei anderen Wagen hielten zum direkt vorausfahrenden und dem führenden Wagen per Funk im W-Lan-Frequenzband Kontakt. Die Polizei notierte im Nachhinein ein „unspektakuläres“ Unterfangen, das keine bemerkbaren Auswirkungen auf die weiteren Verkehrsteilnehmer hatte.

Vielerorts in Europa hat die fahrerlose Technologie ihr Teststadium schon verlassen. Auf dem Rotterdamer Hafengelände wird beispielsweise der Güterverkehr fahrerlos abgewickelt. Im Londoner Flughafen Heathrow funktioniert sogar der Personenverkehr vom Parkplatz ohne Fahrer.

Bis zu 35 Stundenkilometer fahren kleine Shuttlefahrzeuge, die die Wartezeiten für zwei Drittel der Passagiere abschafften. Die Fahrzeuge fahren nach Bedarf statt nach Fahrplan und fahren auch keine Linien ab, sondern direkte Wege – allerdings auf abgeriegelten Verkehrswegen.

Akzeptanz der Menschen unabdingbar

Für den allgemeinen Güterverkehr liegen darin kaum Lösungen. Für Eberhard Hipp gehört es zur Zielsetzung, Technologien zu entwickeln, die keine Eingriffe in die Infrastruktur erfordern, weil sich deren Kostenfragen nicht beantworten ließen. An der Akzeptanz der Menschen führe allerdings kein Weg vorbei.

Die Politik greift das Thema schon auf. In jedem der mehr als 25 Projekte, die jüngst von der Europäischen Union oder der Bundesrepublik zum Thema gefördert wurden, sind politische Organisationen mehr als nur Geldgeber und spielen die Fragen zur sozialen und juristischen Akzeptanz eine wichtige Rolle.

In der EU werden Regulierungen für den verpflichtenden Einsatz von Fahrerassistenzsystemen forciert. Wie schnell daraus die Ablösung der Fahrer tatsächlich folgt, lässt sich aber nicht sagen. Eberhard Hipp vermutet, dass der Gütertransport in Deutschland nie gänzlich ohne Menschen auskommen wird, selbst dann nicht, wenn die Fahrzeuge Autopiloten bekämen. Der Fahrer habe auch soziale und logistische Aufgaben.

Geplante Fertigstellung in 8 Jahren

Ein faktisches Argument zeichnet sich allerdings für die Zukunft schon ab. Derzeit arbeiten rund 660.000 Menschen als Fahrer im deutschen Güterkraftfernverkehr. Ihr Durchschnittsalter liegt bei 46 Jahren. 40 Prozent von ihnen gehen in den nächsten 10 Jahren in Rente. Mit der Wehrpflicht entfiel für potentielle Nachwuchsfahrer der einfachste Weg zum entsprechenden Führerschein. Die Gütermenge im Verkehr wird aber steigen, laut ZF-Zukunftsstudie von derzeit 434 Milliarden Tonnenkilometern im Jahr auf 500 Milliarden im Jahr 2025.

Wie der initiale Wandel passieren wird, ob schlagartig durch ein zur Serienreife entwickeltes, abgesichertes Fahrsystem für den Güterfernverkehr oder durch allmähliche Fortentwicklungen von Fahrerassistenzsystemen im Personenverkehr, die den Fahrer Schritt für Schritt aus dem Verkehr nehmen, lässt sich derzeit kaum sagen. Volvo plant mit der Fertigstellung eines „unfallsicheren Autos“ in den nächsten 8 Jahren.

Alle anderen großen Automobilkonzerne arbeiten an eigenen Projekten. Der Zulieferer Continental betreibt einen eigenen Entwicklungsstandort mit 120 Mitarbeitern. 2025 soll das automatische Fahren fertigentwickelt sein. Mit einem Autopiloten für die Autobahn rechnet das Unternehmen schon für 2015.

Letztlich geht es um einen Güterverkehr, der mit langsameren Geschwindigkeiten den knappen Straßenraum optimaler nutzt und Treibstoff spart, zugleich seine Leistungsfähigkeit aber allein dadurch um ein Vielfaches steigert, dass Maschinen rund um die Uhr einsetzbar sind. Die zu klärende Frage ist allerdings, wie die Gesellschaft mit Opfern von nie auszuschließenden Unfällen umgeht, für die es dann keine Schuldigen mehr gibt.

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