https://www.faz.net/-gqe-7ri4i

Fahrdienst Uber : „Wo wir sind, sind wir legal“

  • Aktualisiert am

Uber vermittelt Fahrer via Smartphone. Bild: dpa

Der Fahrdienst Uber treibt die Taxifahrer auf die Barrikaden. Denn er will sich den Regeln des streng regulierten Gewerbes nicht unterwerfen. Im Interview fordert das Start-up aus San Francisco die Behörden auf, Gesetzeslücken zu schließen.

          Das amerikanische Start-Up Uber hat die Taxibranche durcheinandergewirbelt. Nicht nur, weil die Uber-Fahrer sich den strengen Regeln des Taxigewerbes nicht unterwerfen und als Privatleute ohne Lizenz arbeiten. Sondern auch, weil sie mit Preisen antreten, die deutlich unter denen der lizensierten Fahrer liegen. Im Juni protestierten alteingesessene Fahrer in Berlin, Hamburg, Paris und London gegen die neue Konkurrenz aus dem Internet. Im Interview spricht Patrick Studener, zuständig für die Expansion in Deutschland, über den Nachholbedarf bei bestehenden Gesetzeslücken.

          Herr Studener, haben Sie Sorge, dass Uber seine Dienste bald nicht mehr anbieten darf?

          Nein. An allen Standorten, an denen wir operieren, sind wir legal.

          Einige Behörden haben aber zumindest Zweifel, ob ihr Angebot rechtlich zulässig ist. Immerhin haben ihre Fahrer keinen Taxischein, bieten aber einen ähnlichen Service an wie ein klassisches Taxi.

          In Berlin gab es eine einstweilige Verfügung, die jedoch nie vollstreckt wurde. Die bestehenden Gesetze  wurden geschrieben, lange bevor es das Internet überhaupt gab. Wir vertrauen darauf, dass sie nun an neue Angebote angepasst werden.

          Dennoch machen Sie nun Druck und fordern die Berliner Gesetzgeber auf, bestehende Richtlinien zu ändern.

          In vielen Städten, in denen wir vertreten sind, gibt es Nachholbedarf. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. Wir wollen in ein reguliertes System passen, denn Regulierung gewährleistet Sicherheit und Qualität.

          Bislang haben Sie mit ihrem Angebot vor allem die Taxifahrer gegen sich aufgebracht, die Ihnen unfairen Wettbewerb vorwerfen.

          Wir wollen gar nicht kontrovers sein. Es gibt aber derzeit ein Vakuum, das geschlossen werden muss. Dann können alle – Uber und Taxis – unter den gleichen Bedingungen operieren. Und unsere Kunden haben die Wahl, ob sie die U-Bahn nehmen, das Fahrrad, mit Uber fahren oder vielleicht mit einem Taxi.

          Führen Sie darüber bereits Gespräche mit den Behörden?

          Wir führen eigentlich in jeder Stadt Gespräche, in der wir neu sind, denn die angesprochenen Gesetzeslücken gibt es fast überall. Alle Seiten verstehen, dass wir uns jetzt zusammensetzen und miteinander reden müssen.

          Warum kommen Sie mit Ihren Forderungen nach Gesetzesänderungen gerade jetzt? Bislang haben Sie sich betont gelassen gegeben.

          Wir expandieren rasend schnell, sind inzwischen weltweit in mehr als 140 Städten in mehr als 40 Ländern vertreten. In Deutschland sind wir sehr schnell von zwei auf vier Städte gegangen und nun neben Berlin und München auch in Frankfurt und Hamburg vertreten. Der Nachholbedarf kommt eben erst, wenn die Innovation da ist. Jetzt sind wir bereit, die Gespräche zu führen.

          Mancherorts ist es dafür möglicherweise schon ein bisschen spät. In London hat eine Organisation für Taxibetreiber einzelne Uber-Fahrer verklagt. Müssen Ihre Fahrer sich Sorgen machen?

          Nein. Ab und zu gibt es solche Drohungen, aber wir stehen zu unseren Fahrern – ebenso übrigens wie zu unseren Fahrgästen. Wenn sich alteingesessene Strukturen melden und gegen unsere Fahrer vorgehen wollen, werden wir sie entschlossen verteidigen.

          Was bedeutet das konkret? Können Ihre Fahrer im Fall des Falles mit finanzieller Unterstützung rechnen?

          Darüber zu reden ist unnötig, weil es einen solchen Fall in Deutschland bislang nicht gibt.

          Die Fragen stellte Britta Beeger.

          Weitere Themen

          Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg Video-Seite öffnen

          Saudi-Arabien : Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg

          Nach den Drohnenangriffen auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien wird mit einem Anstieg der Ölpreise gerechnet. Die Angriffe verschärfen die angespannte Lage in der Golfregion und führten zum Einbruch der Ölproduktion in Saudi-Arabien.

          Topmeldungen

          2007 sitzt Kanzlerin Angela Merkel von dem Eqi Gletscher in Dänemark – heute ist der Klimawandel eine ihrer größten Herausforderungen. (Archivbild)

          Klimapolitik der CDU : Die größte Baustelle der Merkel-Ära

          Die CDU will endlich den gordischen Klima-Knoten durchschlagen. Es wäre aber schon viel gewonnen, wenn der Preis auf Kohlendioxid nicht so endet wie die Energiewende.

          Brexit-Treffen : Johnson blitzt bei Juncker ab

          Der britische Premierminister Johnson hatte Zuversicht verbreitet, doch seine Gespräche mit Kommissionschef Juncker blieben ohne konkretes Ergebnis. Das erste Treffen zwischen den beiden Politikern findet ein kurioses Ende.
          Samstagabend in Lampedusa: 82 Gerettete wurden an Land gebracht

          Italien und die Seenotrettung : Vorübergehend berechenbar

          Die neue Regierung in Italien dreht im Streit über private Seenotretter bei. Doch das Grundproblem des Dubliner Übereinkommens bleibt bestehen. Regierungschef Conte verlangt Reformen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.