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Fahrdienst : Der nächste Milliardenverlust für Uber

Der Fahrdienst Uber hat mit Problemen zu kämpfen. Bild: Reuters

Für den Fahrdienst sind Gewinne noch immer in weiter Ferne. Uber-Vorstandschef Dara Khosrowshahi predigt jetzt Finanzdisziplin. Auch die Preise könnten steigen.

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          Uber ist noch immer weit von Gewinnen entfernt. Der Fahrdienst meldete am Montag nach Börsenschluss für das dritte Quartal einen Nettoverlust von 1,2 Milliarden Dollar. Dies war der zweite Milliardenverlust in Folge, im zweiten Quartal hatte es sogar einen Fehlbetrag von 5,2 Milliarden Dollar gegeben.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Wie damals erklärt sich auch jetzt der Verlust zu einem erheblichen Teil mit Aufwendungen für Mitarbeiteraktien im Zusammenhang mit dem Börsengang in diesem Jahr. Dieser Posten wurde für das dritte Quartal mit 401 Millionen Dollar beziffert. Auch ohne ihn wäre Uber freilich klar defizitär gewesen. Der um ihn und diverse andere Aufwendungen bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei 585 Millionen Dollar und war damit um 28 Prozent höher als im Vorjahr.

          Starker Wertverlust

          Die Wall Street zeigte sich wenig erfreut. Der Aktienkurs von Uber fiel im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als fünf Prozent und rutschte unter die Marke von 30 Dollar. Das heißt die Aktien haben seit dem Börsengang, als sie für 45 Dollar ausgegeben wurden, ein Drittel an Wert verloren. Dabei war schon dieser Emissionspreis eine Enttäuschung, und Uber hatte sich im Vorfeld des Börsengangs gezwungen gesehen, ihn nach unten zu korrigieren.

          Der Druck auf den Aktienkurs könnte in dieser Woche noch zunehmen, denn am Mittwoch läuft eine Haltefrist ab, die bestimmten Aktionären bislang das Verkaufen ihrer Anteile verboten hat. Vorstandsvorsitzender Dara Khosrowshahi sagte in einer Telefonkonferenz, Uber sei in einem „sehr aktiven Dialog“ mit seinen Aktionären, könne aber nicht vorhersagen, wie sich der Ablauf der Haltefrist auf den Kurs auswirken werde.

          Die Nachrichten von Uber waren nicht durch die Bank schlecht. Das Unternehmen wies für das dritte Quartal ein Umsatzplus von 30 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar aus. Das übertraf die Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit 3,7 Milliarden Dollar gerechnet hatten, und es stellte eine deutliche Beschleunigung des Wachstums im Vergleich zum zweiten Quartal dar, als der Umsatz nur um 14 Prozent gestiegen war. Im Schlussquartal soll das Wachstum noch höher ausfallen.

          Uber sagt nun außerdem für das Gesamtjahr einen etwas niedrigeren Verlust als bislang voraus. Und für 2021 stellt Vorstandsvorsitzender Dara Khosrowshahi ein positives bereinigtes Ergebnis in Aussicht. Das heißt freilich nicht, dass Uber dann unter dem Strich profitabel sein wird. Denn bei dieser Kennzahl werden nicht nur Zinsen, Steuern und Abschreibungen herausgerechnet, sondern auch einige andere Posten, etwa Aufwendungen für juristische Auseinandersetzungen oder regulatorische Angelegenheiten.

          Einschnitte und Entlassungsrunden

          In jedem Fall bemühte sich Khosrowshahi aber, den Eindruck zu vermitteln, dass das Erreichen von Profitabilität oberste Priorität hat. Er sprach von „Finanzdisziplin“, die Uber sich auferlegt habe. Tatsächlich ist der Fahrdienst in jüngster Zeit mit einer ganzen Serie von Einschnitten aufgefallen. Seit Juli wurden drei Entlassungsrunden bekannt, in deren Rahmen insgesamt mehr als 1.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Beispielsweise will Uber jede dritte Stelle in seiner Marketingabteilung streichen.

          Khosrowshahi sagte im Juli in einer Nachricht an die Belegschaft: „Viele unserer Teams sind zu groß. Das sorgt für Überschneidungen in der Arbeit, macht es unklar, wer Entscheidungen verantwortet, und kann zu mittelmäßigen Ergebnissen führen.“ Uber will sich aber offenbar nicht allein auf Kostensenkungen verlassen, um profitabel zu werden. Gegenüber dem Fernsehsender „CNBC“ sagte Khosrowshahi, Uber denke auch über Preiserhöhungen nach.

          Auf dem Weg zu etwaiger Profitabilität sieht sich Uber indessen auch neuen Hürden gegenüber. Beispielsweise hat der Bundesstaat Kalifornien unlängst ein Gesetz verabschiedet, mit dem Uber und auch Wettbewerber wie Lyft dazu gezwungen werden sollen, ihre Fahrer als Mitarbeiter zu klassifizieren statt als freie Dienstleister, und das könnte die Kosten erhöhen. Uber und Lyft hoffen, dieses Gesetz abwenden zu können und haben einen alternativen Entwurf erarbeitet, über den bei den Wahlen im November nächsten Jahres abgestimmt werden soll.

          Umsatz in Deutschland verdoppelt

          Uber macht derzeit rund drei Viertel seines Umsatzes mit seinem angestammten Fahrdienst. Daneben hat das Unternehmen noch andere Geschäftsfelder, etwa den Essenslieferdienst Uber Eats, dessen Umsatz im vergangenen Quartal um 64 Prozent auf 645 Millionen Dollar stieg. Außerdem hat es eine Sparte, die auf die Vermittlung von Frachten spezialisiert ist und deren Umsatz sich um 78 Prozent auf 214 Millionen Dollar erhöht hat. Knapp 40 Prozent seines Gesamtumsatzes macht Uber auf seinem nordamerikanischen Heimatmarkt. Rund ein Viertel entfällt auf die Region mit Europa, dem Nahen Osten und Afrika, und Khosrowshahi hob die Entwicklung in Deutschland hervor, wo der Umsatz sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt habe.

          Der Fahrdienst ist in Deutschland auf reichlich Widerstand gestoßen und wurde von Verboten gebremst. Heute ist er hier in einem halben Dutzend Städten vertreten, wobei er im Gegensatz zu seinem amerikanischen Heimatmarkt nur professionelle Fahrer einsetzt. Neben seinem Chauffeurdienst hat Uber hierzulande auch andere Angebote, etwa einen Verleih von Elektrofahrrädern und Rollern unter seiner Marke „Jump“. Khosrowshahi sagte, er sei mit Blick auf Deutschland „sehr optimistisch“.

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