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Fachkräftemangel : Drei Viertel aller Unternehmen können Stellen nicht besetzen

  • Aktualisiert am

Den Unternehmen gehen die Fachkräfte aus Bild: dpa

Der Fachkräftemangel ist nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages mittlerweile für die meisten Unternehmen zum ernsten Problem geworden. Arbeitsministerin von der Leyen sieht den Engpass als Chance für Jugendliche, Frauen und ältere Arbeitnehmer.

          Mitten im Konjunkturboom suchen fast drei Viertel der deutschen Unternehmen nach Angaben von Industrie- und Handelskammern händeringend nach qualifiziertem Personal. 70 Prozent der Firmen hätten Probleme, Fachkräfte zu finden. Das ergab eine am Dienstag präsentierte Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

          Angesichts des Wirtschaftsaufschwungs werde sich das Problem verschärfen, warnte der Präsident des DIHK, Hans Heinrich Driftmann, in Berlin: „Nach der Krise ist vor dem Fachkräftemangel.“ Engpässe gebe es nicht nur bei Akademikern, gesucht würden gerade auch Arbeitskräfte, die einen Fachwirt, einen Meister oder einen anderen Weiterbildungsabschluss vorweisen könnten.

          Keine Trendwende in Sicht

          Eine hohe Nachfrage bestehe zudem nach dual ausgebildeten Bewerbern - etwa nach IT-Fachleuten, aber auch im Handel und in der Gastronomie. Eine Trendwende sei nicht in Sicht, 49 Prozent der Befragten erwarteten ganz im Gegenteil für die kommenden fünf Jahre in ihrem Unternehmen einen Mangel an hochqualifizierten Fachkräften.

          Aus Sicht von Innenminister Thomas de Maizière und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) kann das Problem mit ausländischen Fachkräften nur teilweise gelöst werden. Von der Leyen sagte, sie sehe diese Entwicklung als große Chance, weil sie gestaltbar sei. Die „ignorierten Potenziale“ müssten ausgeschöpft werden.

          „Zuwanderung aus dem Ausland kann den Fachkräftemangel dämpfen, aber nicht beheben“, sagte von der Leyen. Der Engpass sei auch eine Chance für Jugendliche, Frauen mit Kindern und Ältere. Forderungen auch aus der Koalition nach einem neuen Zuwanderungsrecht erteilte de Maizière eine Absage. Dieses sei bereits hinreichend flexibel. „Das Zuwanderungsrecht hat seine Hausaufgaben gemacht.“

          Fachkräftemangel seit Jahren absehbar

          Nach Aussage von Driftmann war der Fachkräftemangel seit Jahren absehbar. Für die Unternehmen komme es künftig darauf an, auch weniger Qualifizierte einzustellen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse verbessert werden. Die Wirtschaft wolle auch stärker auf Ältere setzen. Der DIHK-Chef warnte in diesem Zusammenhang vor einer Abkehr von der Rente mit 67.

          Nach von der Leyens Worten muss primär den Menschen ein besserer Zugang zum Arbeitsmarkt gewährt werden, die in Deutschland leben. Mit Blick auf die im Mai 2011 anstehende Lockerung der Zuwanderung aus anderen EU-Ländern mit voller Freizügigkeit für Arbeitnehmer warnte die Ministerin vor zu hohen Erwartungen.

          Eine Arbeitskräfte-Allianz aus Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaften, den Kammern vor Ort sowie den Jobcentern werde ein sogenanntes Arbeitskräftemonitoring vornehmen. Die Arbeitsgemeinschaft soll zunächst bis 2011 ein Trend-Papier erstellen, aus dem hervorgeht, wie hoch der Arbeitskräftebedarf in den Branchen in den jeweiligen Regionen in Deutschland ist. Nur auf dieser Grundlage könne dann gezielte Vorbeugung in Schulen und bei der Weiterbildung sowie bei der Aktivierung von Arbeitslosen in Angriff genommen werden, erklärte von der Leyen.

          Keine Änderungen am Zuwanderungsrecht geplant

          De Maizière nannte das geltende Zuwanderungsrecht passgenau. Es sei hinreichend flexibel, wirtschaftsfreundlich und ermögliche bei Bedarf Korrekturen: „Die These, das Zuwanderungsrecht sei zuwanderungsfeindlich, setze eine zu hohe Hürde (..) und sei das eigentliche Hemmnis bei der Beseitigung des Fachkräftemangels, diese These halte ich für falsch.“ Es fehle eher eine „Willkommenskultur“.

          In der Kritik steht häufig auch die Vorrangprüfung. Danach muss zunächst geprüft werden, ob eine offene Stelle mit einem deutschen Arbeitnehmer oder einem EU-Bürger besetzt werden kann. Es gibt nach Angaben des Ministers aber bereits heute viele Ausnahmen. „Vieles davon ist unbekannt“, sagte de Maizière an die Adresse der Firmen. Bei Ingenieuren etwa gebe es Ausnahmen von der Vorgabe. Auch bei anderen Gruppen könne rasch reagiert werden, wenn die Wirtschaft dies wolle. Zur Umsetzung der EU-Richtlinie werde an einer „Blue Card“ für bessere Bedingungen für Hochqualifizierte gearbeitet.

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