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Nach Skandal : Im Sog von Facebooks Datenaffäre

Im Strudel der Enthüllungen: der deutsch-amerikanische Investor Peter Thiel Bild: dpa

Der von dem Investor Peter Thiel mitgegründete Datenspezialist Palantir soll Verbindungen zu Cambridge Analytica gepflegt haben. Was sind die Hintergründe des Beziehungsgeflechts?

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          Peter Thiel ist unter anderem dafür bekannt, dem sozialen Netzwerk Facebook schon kurz nach dessen Gründung 500.000 Dollar als finanzielle Anschubhilfe gegeben zu haben. Für den deutschstämmigen Investor stellte sich das als Glücksgriff heraus. Er hat mittlerweile den Großteil seiner Facebook-Aktien verkauft und dürfte damit ein Vielfaches seiner ursprünglichen Investition eingenommen haben. Bis heute hat er einen Sitz im Verwaltungsrat des Unternehmens. Zuletzt ist Thiel dadurch bekannt geworden, dass er – als einer von sehr wenigen prominenten Vertretern aus der amerikanischen Technologiebranche – im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf Donald Trump unterstützt hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Jetzt werfen weitere Enthüllungen in der Datenaffäre um Facebook ein neues Licht auf Thiels Beziehungen zum sozialen Netzwerk und auch zu Trump. Denn offenbar hatte Palantir Technologies, ein von Thiel mitgegründeter Spezialist für Datenauswertung, Verbindungen zu Cambridge Analytica, dem britischen Unternehmen, das sich auf unzulässige Weise Informationen von 50 Millionen Facebook-Nutzern beschafft haben soll. Über Kontakte zwischen den beiden Gesellschaften sprach am Dienstag bei einer Anhörung vor britischen Abgeordneten zunächst Christopher Wylie, der frühere Mitarbeiter von Cambridge Analytica, der den Datenmissbrauch publik gemacht hat. Dann meldete die „New York Times“, dass ein Londoner Mitarbeiter von Palantir sogar ein Ideengeber für das Persönlichkeits-Quiz war, mit dem die Facebook-Daten akquiriert wurden. Palantir selbst machte dazu widersprüchliche Angaben. Zunächst ließ das Unternehmen verlauten, es habe niemals eine Beziehung zu Cambridge Analytica gehabt. Dann gab es zu, jetzt doch erfahren zu haben, dass ein Mitarbeiter 2013 und 2014 Kontakt zu Cambridge Analytica gehabt habe.

          Viel weniger bekannt als Uber oder Airbnb

          Diese seien allerdings „vollständig“ persönlicher Natur gewesen. Cambridge Analytica ist 2014 aus der britischen SCL-Gruppe hervorgegangen. Schon im Jahr zuvor soll Christopher Wylie mit dem Palantir-Mitarbeiter Alfredas Chmieliauskas in Kontakt gewesen sein. Damals soll auch Alexander Nix, der mittlerweile suspendierte Vorstandschef von Cambridge Analytica, mit einem Vertreter von Palantir über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen haben, aus der aber nichts geworden sei. Christopher Wylie hat bei der Anhörung zugegeben, dass es nie zu einem formalen Kooperationsvertrag zwischen den beiden Unternehmen gekommen sei. Trotzdem habe Cambridge Analytica weiter mit mehreren und auch ranghohen Mitarbeitern von Palantir gearbeitet – was Palantirs Aussage widersprechen würde, nur ein einzelner Beschäftigter sei involviert gewesen.

          In dem Zeitungsbericht heißt es unter Berufung auf eine interne E-Mail weiter, dass Chmieliauskas im Frühjahr 2014 den Vorschlag gemacht haben soll, eine mobile Anwendung zu entwickeln, die mit Facebook verknüpft ist. Das tat dann auch ein Professor an der University of Cambridge mit dem Quiz „Thisisyourdigitallife“, das Daten seiner Nutzer und deren Freunden erfasste, die schließlich bei Cambridge Analytica landeten.

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          Eine Nebenrolle in diesem Beziehungsgeflecht spielt auch Eric Schmidt, der frühere Verwaltungsratschef der Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google. Denn dessen Tochter Sophie Schmidt soll ein Praktikum bei der SCL-Gruppe gemacht und in dieser Zeit vorgeschlagen haben, dass das Unternehmen Kontakt zu Palantir aufnimmt.

          Palantir gehört zur ersten Liga amerikanischer Start-up-Gesellschaften und soll in seiner jüngsten Finanzierungsrunde mit 20 Milliarden Dollar bewertet worden sein. Das Unternehmen ist 2004 entstanden, und Thiel ist nicht nur Mitgründer, sondern auch Großaktionär und Vorsitzender des Verwaltungsrats. Für ihn war es das zweite große unternehmerische Projekt, nachdem er schon den Bezahldienst Paypal mitgegründet hatte. In der breiten Öffentlichkeit ist Palantir viel weniger bekannt als Start-ups wie Uber oder Airbnb, was mit der oft geheimen Natur der Arbeit zu tun haben dürfte. Das Unternehmen lebte vor allem in seiner Anfangszeit vor allem von Regierungsaufträgen, zu seinen ersten Investoren gehörte sogar eine Wagniskapitaleinheit des Auslandsgeheimdienstes CIA. Es wurde aus der Überlegung heraus gegründet, ob ausgefeilte Datenanalyse dabei helfen könnte, Bedrohungen für die nationale Sicherheit rechtzeitig zu erkennen und etwaige Terroranschläge zu verhindern. Mittlerweile arbeitet Palantir aber auch verstärkt für private Unternehmen und versucht, das Augenmerk der Öffentlichkeit weg von den Regierungsgeschäften zu lenken. Zu den Kunden gehören der deutsche Pharmakonzern Merck KGaA und der Flugzeugbauer Airbus.

          Facebook überarbeitet seine Privatsphäre-Einstellungen

          Das soziale Netzwerk hat in einer Mitteilung am Mittwoch angekündigt, seine Privatsphäre-Einstellungen zu vereinfachen. Nutzern soll es damit leichterfallen, auf ihre privaten Daten zuzugreifen. „Wir haben vielfach gehört, dass unsere Privatsphäre-Einstellungen und andere wichtige Tools nur schwer zu finden sind und dass wir Menschen besser darüber informieren müssen“, schreiben Erin Egan, die bei Facebook für Privatsphäre zuständig ist, und die stellvertretende Chefjustitiarin Ashlie Beringer in einem Blogeintrag. In den kommenden Wochen sollen „Maßnahmen“ folgen, damit Nutzer „noch mehr Kontrolle über ihre Daten“ bekommen. Die Kritik daran ist nicht neu, sie wurde nur im Zuge des Datenskandals um Facebook lauter. Nun steckt der Konzern in der wohl größten Krise seiner Geschichte. Der Aktienkurs fiel um 18 Prozent, das Unternehmen gehört gerade nicht mehr zu den fünf wertvollsten Unternehmen der Welt. Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass Facebook die Vorstellung eines Heimassistenten erst einmal verschiebt. In der Vergangenheit zeigte sich Facebook recht widerstandsfähig gegen jegliche Kritik. Schon 2013 sagte die Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in einem Gespräch mit der F.A.Z., dass Facebook große Fortschritte dabei gemacht habe, die Handhabung der Privatsphäre-Einstellungen für Nutzer leichter zu machen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg selbst versprach sogar vor acht Jahren schon „einfachere Einstellungen“. Wie wenig jedoch getan wurde in der Vergangenheit, zeigt ein Satz aus der jüngsten Erklärung von Facebook vom Mittwoch: „Die Einstellungen sind jetzt nicht mehr auf fast 20 verschiedene Unterseiten verteilt, sondern an einem Ort zugänglich.“ Bislang waren die Privatsphäre-Einstellungen gut versteckt, daran ändern auch alle Beteuerungen der Führungsriege nichts. Nun steht zunächst eine optische Veränderung an: Vor allem der mobile Zugriff auf Facebook wird nun übersichtlicher, das Einstellungs-Menü ist anders formatiert. Das soll es leichter ermöglichen, persönliche Informationen zu kontrollieren, alte Beiträge zu löschen oder zu beeinflussen, welche Werbeanzeigen man sieht. „Darüber hinaus machen wir es einfacher, die von dir mit Facebook geteilten Daten herunterzuladen – schließlich sind es deine Daten“, schreiben die Facebook-Managerinnen noch. Es ist Facebook sehr wichtig, immer wieder zu betonen, dass die Daten den Nutzern gehören. Dabei hielt Mark Zuckerberg die Ära der Privatsphäre schon im Jahr 2010 für überholt. 25 Jahre alt war der Facebook-Gründer damals, als er sagte, Privatsphäre sei keine „soziale Norm“ mehr.

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