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Nach Werbeboykott-Aufrufen : Facebook will nun doch mehr gegen Hass und Falschmeldungen tun

  • Aktualisiert am

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in Washington im Jahr 2019 Bild: Reuters

Facebook-Chef Mark Zuckerberg reagiert auf die heftige Kritik: Vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen kündigt er an, die Standards für Werbung zu erhöhen und fragwürdige Inhalte zu markieren oder zu löschen. Derweil kündigt der nächste Konzern seinen Boykott an.

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          Das unter Druck geratene soziale Netzwerk Facebook will künftig stärker gegen Hassnachrichten vorgehen und Falschmeldungen vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen löschen. Inkorrekte Inhalte, die Menschen in den drei Tagen direkt vor der Abstimmung im November vom Wählen abhalten sollen, würden entfernt, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Freitag (Ortszeit) in Palo Alto. Unter anderem geht es dabei um Falschnachrichten, wonach Bundesbeamte an den Urnen den Aufenthaltsstatus der Wähler kontrollieren. In den 72 Stunden vor der amerikanischen Präsidentschaftswahl will Facebook zudem verstärkt falsche Behauptungen über den Ablauf der Wahl in Wahllokalen entfernen.

          Außerdem würden die Standards für Werbung erhöht, um auch dort abwertende und hasserfüllte Botschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexueller Vorlieben zu blockieren. Zuckerberg kündigte zudem an, einige Facebook-Inhalte, die eigentlich gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstoßen, aber zum Beispiel aufgrund eines prominenten Absenders nachrichtlich relevant sind, künftig mit Hinweisen zu flankieren. „Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt“, so Zuckerberg.

          Facebook war erst vor wenigen Wochen heftig kritisiert worden, weil das Netzwerk umstrittene Äußerungen vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump nicht von der Plattform nahm oder als problematisch markierte. Zuckerberg hatte die Äußerungen persönlich verurteilt, aber gleichzeitig erklärt, dass sie im öffentlichen Interesse weiter zugängig sein müssten.

          Hintergrund war ein Tweet Trumps, der auch auf dessen Facebook-Profil gespiegelt wurde. Darin reagierte der Präsident auf erste Ausschreitungen in Minneapolis nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd durch Polizeigewalt. Trump schrieb, man werde die Kontrolle wiederherstellen, und er fügte hinzu: „Wenn Plünderungen beginnen, wird geschossen“. Mit diesen Worten hatte 1967 der damalige Polizeichef von Miami ein brutales Vorgehen gegen die schwarze Bevölkerung angekündigt. Twitter markiert problematische Tweets Trumps bereits seit einigen Wochen verstärkt.

          Erst vor wenigen Tagen hatte Facebook Anzeigen von Trumps Wahlkampagne von der Plattform genommen, weil darin ein einst von den Nationalsozialisten in Konzentrationslagern eingesetztes Symbol verwendet worden war. Die Posts hätten Regeln gegen die Verbreitung von „organisiertem Hass“ in dem sozialen Netzwerk widersprochen.

          Werbeboykott bis zum Jahresende

          Der niederländisch-britische Konsumgüter-Gigant Unilever kündigte an, bis zum Jahresende keine amerikanische Werbung mehr über Facebook und die Tochter Instagram zu schalten. Der Konzern reagiert damit auf einen in der Vorwoche ausgerufenen Anzeigen-Boykott gegen die sozialen Netzwerke. Auch bei Twitter will Unilever bis Jahresende keine Anzeigen mehr schalten.

          Der Konzern begründete seine Entscheidung mit der Verantwortung der Unternehmen im Umgang mit kontroversen Beiträgen im Netz – speziell angesichts der angespannten politischen Atmosphäre in den Vereinigten Staaten. Facebook und Twitter müssten mehr tun, besonders bei Hasskommentaren und spalterischen Beiträgen während des amerikanischen Wahlkampfes. Sein Werbebudget für die Vereinigten Staaten will Unilever indes nicht kürzen, die Ausgaben sollen nun auf andere Unternehmen verteilt werden.

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