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Ursache für Ausfall gefunden : Facebook, WhatsApp und Instagram sind wieder online

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Rund sechs Stunden ohne Facebook, WhatsApp und Instagram: Ein langer Total-Ausfall hat am Montag Milliarden Nutzer des Online-Netzwerks zugesetzt. Bild: dpa

Ein Konfigurationsfehler soll den längsten globalen Ausfall in der jüngeren Facebook-Geschichte verursacht haben. Offenbar mussten Techniker manuell im Rechenzentrum den Reset-Knopf drücken.

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          Quälend lange sechs Stunden hat es gedauert, nun sind die drei Hauptdienste des Facebook-Konzerns – das soziale Netzwerk selbst, der Messenger WhatsApp und die Fotoplattform Instagram – seit dem frühen Dienstagmorgen wieder online. Der Facebook-Ausfall war der größte, den die Web-Überwachungsgruppe Downdetector je verzeichnet hat.

          Für den globalen Ausfall der Dienste ist der Konzern allem Anschein nach selbst verantwortlich: Facebook habe eine „fehlerhafte Neukonfiguration“ an seinen Rechnern vorgenommen, die für den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren verantwortlich seien, teilte Facebooks Vizepräsident für Infrastruktur, Santosh Janardhan, in der Nacht mit. Die Unterbrechung des Datenverkehrs habe „kaskadenartige Auswirkungen auf die Kommunikation zwischen unseren Rechenzentren gehabt und unsere Dienste zum Stillstand gebracht“.

          Externe Fachleute formulieren es anschaulicher: „Vereinfacht dargestellt: Die Dienste von Facebook, WhatsApp und Instagram sind noch da – aber es fehlt im Internet quasi die Verknüpfung dorthin", erläuterte Rüdiger Trost vom IT-Sicherheitsunternehmen F-Secure. „Als hätte jemand auf einer Autobahn die Ausfahrtsschilder zu den 'Orten' Instagram, WhatsApp und Facebook entfernt.“

          Auch die interne Systeme seien von dem Ausfall betroffen gewesen, was die Diagnose und die Lösung des Problems erschwert habe, erklärte Facebook weiter. Die Störung war so schwer in Griff zu bekommen, dass Facebook der New York Times zufolge ein Team in sein Rechenzentrum im kalifornischen Santa Clara schicken musste, um einen „manuellen Reset“ der Server zu versuchen. Die Techniker mussten also wie beim PC zuhause den Reset-Knopf drücken, weil nichts mehr ging.

          Bei Facebook selbst seien neben der internen Kommunikationsplattform zum Teil auch digitale Türschlösser in Büros und andere vernetzte Technik ausgefallen, schrieb die Zeitung weiter. Zwei namentlich nicht genannte IT-Sicherheitsexperten von Facebook sagten dem Blatt, eine Cyberattacke als Auslöser der Probleme erscheine unwahrscheinlich.

          „Es ist etwas schief gelaufen“

          Die Facebook-Dienste waren gestern Abend ab kurz vor 18.00 Uhr deutscher Zeit nicht mehr nutzbar. Der Cloud-Dienstleister Cloudflare erläuterte, dass Facebook sich durch Fehler beim „Border Gateway Protocol“ – einem Mechanismus für die Zustellung von Datenpaketen zwischen Netzwerken – praktisch selbst aus dem Netz gelöscht hatte. Wegen des Ausfalls konnten Nutzer nicht auf ihre Profile in den Netzwerken zugreifen, WhatsApp-Nachrichten wurden nicht zugestellt. Facebook-Nutzern wurde die Fehlermeldung angezeigt: „Etwas ist schief gelaufen. Wir arbeiten daran und werden es so schnell wie möglich beheben.“ Ab Mitternacht mitteleuropäischer Sommerzeit in der Nacht zum Dienstag waren die Facebook-Dienste nach und nach wieder nutzbar. In Amerika fiel der Ausfall in die Nachmittagsstunden.

          Das technische Team von Facebook entschuldigte sich, als ihre Dienste wieder online gingen. „An die riesige Gemeinschaft von Menschen und Unternehmen auf der ganzen Welt, die sich auf uns verlassen: Es tut uns leid“, twitterte das Team am Montag. „Wir haben hart daran gearbeitet, den Zugang zu unseren Apps und Diensten wiederherzustellen und freuen uns, dass sie jetzt wieder online sind. Danke, dass ihr uns unterstützt habt.“ Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg entschuldigte sich in einer kurzen Facebook-Nachricht.

          Für Facebook, das gerade in den USA unter verstärktem politischen Druck steht, war der mehrstündige Ausfall eine blamable Krönung ohnehin schlechter Wochen. Erst am Sonntag hatte eine ehemalige Mitarbeiter sich als Whistleblowerin zu erkennen gegeben und dem Online-Netzwerk vorgeworfen, Profit über das Wohl der Nutzer zu stellen. Am Dienstag sollte sie im US-Senat befragt werden.

          Twitter war am Montag entsprechend voller Scherze darüber, wie das Verschwinden von Facebook alles auf einen Schlag besser gemacht habe, bis hin zum Weltfrieden. „Hoffentlich gehen Facebook, Instagram und WhatsApp nie wieder an“, twitterte der Satiriker Jan Böhmermann. Der NSA-Enthüller Edward Snowden ergriff die Gelegenheit, um die Chat-App Signal als Alternative zu empfehlen, die mehr Datenschutz biete.

          Störungen, die auf Netzwerk-Fehler zurückgehen, gibt es häufiger. So hatte eine davon im Juli dafür gesorgt, dass zahlreiche Webseiten zeitweise nicht erreichbar waren. Die Zentralisierung der Netz-Infrastruktur bei großen Anbietern sorgt zudem dafür, dass der Ausfall bei einer Firma gleich viele Dienste und Webseiten vom Netz reißen kann.

          Auch Anfang Juni waren bereits zahlreiche Webseiten weltweit nach einer Störung bei einem Cloud-Dienst rund eine Stunde nicht erreichbar gewesen. Damals betroffen waren unter anderem die Seite der britischen Regierung, die Plattform Reddit sowie die Nachrichtenportale mehrerer großer Zeitungen. Bei Facebook hatte es im Frühjahr 2019 einen großflächigen Ausfall gegeben, der dem Konzern zufolge auf einen Fehler bei der Server-Konfiguration zurückging. Die Störung vom Montag war jedoch in Ausmaß und Dauer außergewöhnlich.

          Eine Frage ist, ob der Ausfall Werbekunden von Facebook dazu veranlassen wird, über Alternativen nachzudenken. Denn gerade viele kleine Unternehmen rund um die Welt verlassen sich auf Facebook, um Kunden anzulocken. Für sie bedeutete die Störung verlorenes Geschäft.

          Die Facebook-Aktie schloss während des Ausfalls mit einem Minus von knapp fünf Prozent. Auch danach war das Unternehmen an der Börse aber immer noch rund 920 Milliarden Dollar wert. Das persönliche Vermögen von Zuckerberg schrumpfte nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg binnen weniger Stunden um mehr als sechs Milliarden Dollar.

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