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Daten-Skandal : Jetzt wirft Facebook das dritte Unternehmen raus

Mit CubeYou muss Facebook ein weiteres Unternehmen wegen des Verdachts des Datenmissbrauchs suspendieren. Bild: dpa

Facebook suspendiert ein weiteres Datenanalyse-Unternehmen. Und das einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Anhörung Mark Zuckerbergs vor dem Kongress.

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          Facebooks Datenaffäre zieht immer weitere Kreise. Nachdem am Samstag das kanadische Unternehmen AggregateIQ von der Plattform ausgeschlossen wurde, hat das größte soziale Netzwerk der  Welt nun ein weiteres Datenanalyse-Unternehmen suspendiert: die in Kalifornien beheimatete Firma CubeYou.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Datenanalyse-Firma habe Nutzer von Online-Rätselspielen in dem Glauben gelassen, ihre Daten würden für wissenschaftliche Zwecke gesammelt. Tatsächlich seien sie aber an Werbeträger durchgereicht worden. Der amerikanische Finanzsender CNBC hatte Facebook auf den Sachverhalt hingewiesen – daraufhin reagierte der Konzern.

          Der Vorfall ähnelt dem vor beinahe einem Monat aufgeflogenen Skandal um das politische Marktforschungsunternehmen Cambridge Analytica (CA). CA bekam von einem App-Entwickler unerlaubterweise Informationen von Millionen Facebook-Nutzern, die er zuvor über eine Umfrage eingesammelt hatte. Nach Angaben von Facebook können davon bis zu 87 Millionen Nutzer betroffen sein, darunter knapp 310.000 in Deutschland. Auch im Falle von CubeYou sollen die Daten von Forschern der Universität Cambridge gesammelt worden sein.

          Senator warnt Facebook

          „Das sind schwerwiegende Vorwürfe und wir haben CubeYou suspendiert, solange wir den Vorfall untersuchen“, sagte Ime Archibong, für den Bereich verantwortlicher Manager des sozialen Netzwerks gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg. Sollte sich das Unternehmen der Untersuchung verweigern oder der Vorwurf sich bestätigen, würden seine Apps von der Plattform verbannt.

          Zusätzlich wolle sich Facebook anlässlich dieses Vorfalls sowie des Datenmissbrauchs durch den Wissenschaftler Aleksander Kogan von der Universität Cambridge über die Entwicklung von Apps in ihrem Psychometire-Zentrum informieren. Kogan hatte das Quiz entworfen, das Cambridge Analytica in den Besitz von Millionen Nutzerdaten brachte. Archibong dankte zudem ausdrücklich dem Sender CNBC, Facebook auf den CubeYou-Fall aufmerksam gemacht zu haben.

          Laut der Internetseite von CubeYou werden Zensusdaten und verschiedene webbasierte und soziale Apps auf Facebook und Twitter dazu genutzt, um persönliche Informationen von Nutzern zu sammeln. Über zehn Millionen „Diskussionsteilnehmer“ würden Verbrauchermeinungen und Interessen beisteuern, die von mehr als 1500 Werbefirmen genutzt würden.

          Eine der beliebtesten Apps von CubeYou ist nach eigenen Angaben das Quiz „You Are What You Like“, das die Persönlichkeit eines Nutzers auf der Grundlage der auf Facebook mit „Gefällt Mir“ markierten Seiten vorhersagt. Laut den Nutzungsbedingungen werden die persönlichen Informationen der Quizteilnehmer nur für die „nichtkommerzielle wissenschaftliche Forschung genutzt“, die in keiner Weise mit „gewerbemäßigen oder profittreibenden Zwecken in Verbindung steht“.

          Die Suspendierung von CubeYou ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Datenschutzprobleme von Facebook über einzelne Fälle hinausreichen könnten. Diese Woche muss der Chef des Online-Netzwerkes, Mark Zuckerberg, vor dem amerikanischen Kongress Rede und Antwort stehen.

          Im Vorfeld des Anhörungsauftaktes am Dienstag hat der Senator von Oregon, Ron Wyden, Zuckerberg einem Bericht des Internetdienstes Techcrunch zufolge vor einer Zerschlagung von Facebook gewarnt, sollte das Unternehmen nicht endlich die Sicherheit der Daten seiner Nutzer garantieren. „Es wird Leute geben, die für eine Zerschlagung Facebooks plädieren. Es hat eine Zahl von Vorschlägen und Ideen dazu gegeben. Sollte Zuckerberg seine Versprechungen der letzten Jahre nicht wahrmachen, wird er sich mit einem Gesetz konfrontiert sehen“, sagte Wyden am Rande eines Technologie-Kongresses in Oregon. Zuckerberg stünden einige „sehr unangenehme Tage“ vor dem Kongress bevor.

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