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Werbeboykott : Das Treffen mit Facebook war „eine Enttäuschung“

Firmenlogo des wohl größten sozialen Netzwerks der Welt: facebook Bild: AP

Die Initiatoren des Werbeboykotts auf Facebook haben sich mit Mark Zuckerberg getroffen. Sie verlangten konkrete Veränderungen, bekamen allein warme Worte und kündigten deswegen an, den Kampf fortzusetzen.

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          Ein mit Spannung erwartetes Gespräch zwischen Mark Zuckerberg und Initiatoren eines Werbeboykotts gegen Facebook hat offenbar keine konkreten Ergebnisse gebracht. „Es war eine Enttäuschung“, sagte Rashad Robinson, Präsident der Bürgerrechtsgruppe Color of Change, nach dem etwas mehr als einstündigen, auf der Videoplattform Zoom abgehaltenen Treffen am Dienstag gegenüber Journalisten. Zuckerberg, der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende des sozialen Netzwerks, und andere Vertreter des Managements wie Geschäftsführerin Sheryl Sandberg hätten eine gute Note allein für ihre Teilnahme erwartet und „keine klaren Antworten“ geliefert. Jonathan Greenblatt von der Anti-Defamation League sagte, die Gruppen hätten die Facebook-Abordnung mit allen ihren zehn Forderungen konfrontiert, aber keine konkreten Zusagen bekommen. Im Prinzip hätten Zuckerberg und seine Kollegen lediglich gesagt, Facebook sei auf dem Weg, sich zu bessern. Facebook äußerte sich am Dienstag zunächst nicht zu dem Treffen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Menschenrechtsorganisationen haben ihren Appell vor knapp drei Wochen gestartet. Sie haben Unternehmen aufgerufen, im Juli keine Anzeigen auf Facebook zu schalten, weil das soziale Netzwerk noch immer zu wenig gegen rechtsextreme Gruppen, Aufrufe zur Gewalt und Manipulationsversuche von Wahlen tue. Dem Appell sind mittlerweile fast 1000 Unternehmen und andere Organisationen gefolgt, darunter Großkonzerne wie Coca-Cola und Starbucks und auch prominente Vertreter der deutschen Wirtschaft wie Siemens, SAP oder Adidas. Manche von ihnen boykottieren nicht nur Facebook, sondern auch andere Online-Plattformen wie Twitter und Youtube.

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          Zu den zehn Forderungen der Gruppen an Facebook gehört unter anderem das Schaffen einer Position im Vorstand des Unternehmens, deren Aufgabengebiet sich um Bürgerrechte sowie Richtlinien im Umgang mit Hass und Diskriminierung dreht. Die Initiatoren verlangen auch, dass Facebook Werbekunden Ausgaben für Anzeigen zurückerstattet, die neben fragwürdigen Inhalten erschienen sind. Das Unternehmen solle es außerdem Opfern von Hass und Belästigung auf seinen Plattformen ermöglichen, mit einem eigenen Mitarbeiter zu sprechen.

          Mangels konkreter Ergebnisse in dem Treffen mit Zuckerberg zeigt sich die Gruppe entschlossen, ihre Aktion fortzuführen. Greenblatt sagte: „Ich glaube, die Kampagne wird wachsen, globaler werden und an Intensität gewinnen, bis wir die Antworten hören, nach denen wir suchen.“

          Vor dem Treffen hatte Sheryl Sandberg auf ihrem Facebook-Profil einen Eintrag veröffentlicht, in dem sie auf „echte Fortschritte“ im Kampf gegen Hetze verwies, gleichzeitig aber weiteren Handlungsbedarf zugab. Sie spielte dabei auch die Rolle des Werbeboykotts in den Erwägungen des Unternehmens herunter: „Wir machen Veränderungen – nicht aus finanziellen Gründen oder wegen des Drucks von Werbekunden, sondern weil es das Richtige ist.“ Sandberg kündigte weiter an, am Mittwoch werde der Abschlussbericht einer zweijährigen Prüfung des Unternehmens durch Menschenrechtsexperten vorgelegt. Facebook werde zwar nicht allen Empfehlungen dieser Fachleute folgen, habe aber schon viele von deren Vorschlägen in die Tat umgesetzt.

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