https://www.faz.net/-gqe-a16g9

Werbeboykott : Das Treffen mit Facebook war „eine Enttäuschung“

Firmenlogo des wohl größten sozialen Netzwerks der Welt: facebook Bild: AP

Die Initiatoren des Werbeboykotts auf Facebook haben sich mit Mark Zuckerberg getroffen. Sie verlangten konkrete Veränderungen, bekamen allein warme Worte und kündigten deswegen an, den Kampf fortzusetzen.

          2 Min.

          Ein mit Spannung erwartetes Gespräch zwischen Mark Zuckerberg und Initiatoren eines Werbeboykotts gegen Facebook hat offenbar keine konkreten Ergebnisse gebracht. „Es war eine Enttäuschung“, sagte Rashad Robinson, Präsident der Bürgerrechtsgruppe Color of Change, nach dem etwas mehr als einstündigen, auf der Videoplattform Zoom abgehaltenen Treffen am Dienstag gegenüber Journalisten. Zuckerberg, der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende des sozialen Netzwerks, und andere Vertreter des Managements wie Geschäftsführerin Sheryl Sandberg hätten eine gute Note allein für ihre Teilnahme erwartet und „keine klaren Antworten“ geliefert. Jonathan Greenblatt von der Anti-Defamation League sagte, die Gruppen hätten die Facebook-Abordnung mit allen ihren zehn Forderungen konfrontiert, aber keine konkreten Zusagen bekommen. Im Prinzip hätten Zuckerberg und seine Kollegen lediglich gesagt, Facebook sei auf dem Weg, sich zu bessern. Facebook äußerte sich am Dienstag zunächst nicht zu dem Treffen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Menschenrechtsorganisationen haben ihren Appell vor knapp drei Wochen gestartet. Sie haben Unternehmen aufgerufen, im Juli keine Anzeigen auf Facebook zu schalten, weil das soziale Netzwerk noch immer zu wenig gegen rechtsextreme Gruppen, Aufrufe zur Gewalt und Manipulationsversuche von Wahlen tue. Dem Appell sind mittlerweile fast 1000 Unternehmen und andere Organisationen gefolgt, darunter Großkonzerne wie Coca-Cola und Starbucks und auch prominente Vertreter der deutschen Wirtschaft wie Siemens, SAP oder Adidas. Manche von ihnen boykottieren nicht nur Facebook, sondern auch andere Online-Plattformen wie Twitter und Youtube.

          3 Monate F+ für nur 3 €

          Zum Geburtstag von F+ lesen Sie alle Artikel auf FAZ.NET für nur 3 Euro im Monat.

          JETZT F+ LESEN

          Zu den zehn Forderungen der Gruppen an Facebook gehört unter anderem das Schaffen einer Position im Vorstand des Unternehmens, deren Aufgabengebiet sich um Bürgerrechte sowie Richtlinien im Umgang mit Hass und Diskriminierung dreht. Die Initiatoren verlangen auch, dass Facebook Werbekunden Ausgaben für Anzeigen zurückerstattet, die neben fragwürdigen Inhalten erschienen sind. Das Unternehmen solle es außerdem Opfern von Hass und Belästigung auf seinen Plattformen ermöglichen, mit einem eigenen Mitarbeiter zu sprechen.

          Mangels konkreter Ergebnisse in dem Treffen mit Zuckerberg zeigt sich die Gruppe entschlossen, ihre Aktion fortzuführen. Greenblatt sagte: „Ich glaube, die Kampagne wird wachsen, globaler werden und an Intensität gewinnen, bis wir die Antworten hören, nach denen wir suchen.“

          Vor dem Treffen hatte Sheryl Sandberg auf ihrem Facebook-Profil einen Eintrag veröffentlicht, in dem sie auf „echte Fortschritte“ im Kampf gegen Hetze verwies, gleichzeitig aber weiteren Handlungsbedarf zugab. Sie spielte dabei auch die Rolle des Werbeboykotts in den Erwägungen des Unternehmens herunter: „Wir machen Veränderungen – nicht aus finanziellen Gründen oder wegen des Drucks von Werbekunden, sondern weil es das Richtige ist.“ Sandberg kündigte weiter an, am Mittwoch werde der Abschlussbericht einer zweijährigen Prüfung des Unternehmens durch Menschenrechtsexperten vorgelegt. Facebook werde zwar nicht allen Empfehlungen dieser Fachleute folgen, habe aber schon viele von deren Vorschlägen in die Tat umgesetzt.

          Weitere Themen

          Zuckerberg wittert Verschwörung

          Facebook : Zuckerberg wittert Verschwörung

          Der Facebook-Chef verteidigt sein Unternehmen. Whistleblowerin Frances Haugen wirft Facebook vor dem britischen Parlament einen „Tanz mit Daten“ vor. Derweil leidet der Konzern unter neuen Datenregeln von Apple.

          Konjunkturprognose auf 2,6 Prozent abgesenkt Video-Seite öffnen

          Lieferengpässe : Konjunkturprognose auf 2,6 Prozent abgesenkt

          In Deutschland wird für 2021 ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2,6 Prozent erwartet. Das teilte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in Berlin mit und verwies auf Lieferengpässe und weltweit hohe Energiepreise.

          Topmeldungen

          Leroy Sané (links) und Joshua Kimmich fliegen hochkantig mit dem FC Bayern aus dem DFB-Pokal.

          0:5 im DFB-Pokal in Gladbach : Die große Blamage des FC Bayern

          Die Münchner fliegen in Mönchengladbach mit einem Debakel aus dem DFB-Pokal. Vor allem in der ersten Halbzeit ist der FC Bayern völlig von der Rolle und verliert verdient mit 0:5 bei der Borussia.
          Ministerpräsident Mateusz Morawiecki war am Mittwoch im Land unterwegs und äußerte sich auf Anfrage nicht.

          EuGH verhängt Strafe für Polen : „Um schweren Schaden abzuwenden“

          Eine Million Euro am Tag muss Polen bezahlen, solange die politisch besetzte Disziplinarkammer am obersten Gericht des Landes fortbesteht. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Warschau spricht von „Erpressung“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.